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Brüder im Geiste Trump bei Duterte

Zwei Hitzköpfe Anfang 70, beide halten sich für grandios: Das Treffen zwischen US-Präsident Trump und seinem philippinischen Amtskollegen Duterte lief äußerst harmonisch. Themen wie Menschenrechte stören da nur. Holger Senzel über Brüder im Geiste.

Von: tagesschau.de

Stand: 13.11.2017

Antrittsbesuch von Trump auf den Phillipinen | Bild: picture-alliance/dpa

Haben sie nun - oder haben sie nicht? Donald Trumps Sprecherin erklärte, das Thema Menschenrechte sei kurz zur Sprache gekommen. Rodrigo Dutertes Sprecher dagegen sagt: Kein Wort über Menschenrechte in der 40-minütigen Unterhaltung des amerikanischen mit dem philippinischen Präsidenten. Duterte habe über die Drogenplage gesprochen, Trump habe dazu keine rechte Meinung gehabt, aber mehrfach genickt. Wie auch immer - der US-Präsident lobte seine großartige Beziehung zum philippinischen Amtskollegen.

Bei Protesten gegen den US-Präsidenten hielten Menschen Transparente mit "Trump raus aus den Philippinen" hoch. In der Hauptstadt Manila wurden mehrere Menschen verletzt, die Polizei ging mit Wasserwerfer und Schlagstöcken gegen die rund 1000 Demonstranten vor. Die meisten Philippiner allerdings - nämlich 70 Prozent - vertrauen auf Trump und seine Politik - mehr Zustimmung und Sympathie genießt er nirgendwo.

Beliebt - wegen des Drogenkriegs

Nur ihren eigenen Präsidenten schätzen sie noch mehr: 80 Prozent stehen hinter Duterte - trotz oder vermutlich wegen seines blutigen Anti-Drogen-Krieges. 12.000 Tote in gut einem Jahr, ermordet von Todesschwadronen, erschossen von der Polizei. Ein Mann räumt auf mit Drogen und Verbrechen - die meisten finden das gut, und auch Trump hatte Duterte einmal am Telefon gratuliert: "Sie machen einen tollen Job."

Für das Ansehen der USA wäre es daher wichtig gewesen, dass der US-Präsident ein paar kritische Worte findet zu den Menschenrechtsverletzungen, die sein philippinischer Amtskollege zweifellos zu verantworten hat.

Philippinen nähern sich China an

Trump besucht in Manila den Gipfel der Gemeinschaft südostasiatischer Staaten. ASEAN feiert 50-jähriges Bestehen und ist eine Art asiatische EU, allerdings sind die zehn Vertragsstaaten deutlich lockerer miteinander verbunden. "Ich bin hier, um den Frieden voranzubringen", sagte der amerikanische Gast. "Und ich will Sicherheit fördern, damit wir gemeinsam eine wirklich freien und offenen indo-pazifischen Region erreichen, die in Wohlstand erblüht. Wir wollen, dass unsere Partner in der Region frei und unabhängig sind, ihr eigenes Schicksal in der Hand halten und niemandes Satellit sind."

Das war eine freundliche Kurzform seiner Rede beim APEC-Gipfel in Vietnam: Amerika zuerst und jeder für sich selbst. Duterte dürfte es nicht überraschen - er hat sich ohnehin in letzter Zeit China angenähert. Ein Teufelskreis: Die Philippinen können und wollen sich nicht mehr ausschließlich auf die USA verlassen - und Washington weiß daher letztlich auch nicht, woran es mit dem alten Verbündeten ist.

Pulverfass mit Kriegspotenzial

Beim Thema südchinesisches Meer wiederum liegen die Philippinen mit Peking im Clinch. China hat dort Inseln besetzt, die Manila beansprucht. Ein Pulverfass mit dem Potenzial zu einem Krieg, deshalb mahnt Duterte: "Das südchinesische Meer bleibt besser unberührt. Niemand kann sich einen Krieg leisten. Weder Russland, China, Großbritannien oder die USA."

Duterte und Trump sind Brüder im Geiste. "Narzisstische Persönlichkeitsstörung mit der Tendenz zu Aggression, Selbstüberhöhung und der Neigung, andere zu demütigen" - so steht es in einem psychatrischen Gutachten über Duterte anlässlich seiner Eheannullierung 1998. Zwei Hitzköpfe, beide Anfang 70, beide halten sich für grandios. Das Problem dabei: Duterte ist genauso unberechenbar wie sein Gast.


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Kommentare

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Bert Brech, Dienstag, 14.November, 00:28 Uhr

1. "Themen wie Menschenrechte stören da nur"

Nein, wie abgründig schlecht! Aber wenn die BRD-Regierung Saudi Arabien als "Stabilitätsanker" preist und sich rühmt, "die Menschenrechtslage in diesem Land nie aus den Augen zu verlieren" ...

Bei welchem moralischem Gewissen will uns dieser Artikel packen?

  • Antwort von Erich , Dienstag, 14.November, 09:45 Uhr

    Die Doppelzüngigkeit der deutschen Politik ist kaum mehr zu ertragen!