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Goldman Sachs Die Rückkehr ins Zentrum der Macht

Im Wahlkampf tönte Trump, er werde der Wall Street Grenzen aufzeigen. Clinton ging er hart für ihre Nähe zur Finanzwelt an. Kaum gewählt, holt der President-elect ehemalige Investmentbanker von Goldman Sachs ins Weiße Haus.

Von: Rolf Büllmann

Stand: 01.12.2016

Goldman Sachs | Bild: picture-alliance/dpa

Nach den Wahlen in den USA ist vieles noch unklar - viele Posten noch unbesetzt, viele Politik-Positionen nicht endgültig geklärt, viele Fragen offen. Doch ein Gewinner steht schon fest und der heißt Goldman Sachs. Die Investment-Banker sind wieder zurück in Washington.

Damit konnte eigentlich niemand rechnen, sagt Max Abelson vom Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg: "Vielleicht haben Sie gehört, wie Donald Trump während des Wahlkampfes gesagt hat: 'Hedgefonds-Manager können sich alles erlauben, deshalb werde ich der Wall Street Grenzen aufzeigen.' Er hat sich über Banker lustig gemacht, und sie kritisiert." In den letzten Tagen habe er aber nun Leute in Ämter geholt, die von Goldman Sachs kommen.

Übernimmt eine der wichtigsten Wall-Street-Firmen die Politik?

Und er hat sie in extrem wichtige Ämter geholt: Steven Mnuchin soll neuer Finanzminister werden, Steven Bannon wird Trumps Chefstratege im Weißen Haus, Anthony Scaramucci arbeitet für Trump in dem Team, das den Machtwechsel organisiert, Gary Cohn ist im Gespräch für das wichtige Office of Management and Budget im Weißen Haus. Und Lew Eisenherz ist Finanzchef der Republikanischen Partei.

Sie alle kommen oder kamen von Goldman Sachs. Muss man sich da Sorgen machen als Normalbürger? Übernimmt hier eine der wichtigsten Firmen der Wall Street die Politik? Max Abelson beruhigt: "Wenn ein Wall-Street-Chef hier wäre, würde er oder sie sagen: Ihr solltet Euch keine Sorgen darüber machen, sondern im Gegenteil beruhigt sein. Denn am Ende kommen die am besten mit den verrückten Märkten klar, die selber dort gearbeitet haben."

Steven Mnuchin: "Forrest Gump der Finanzkrise"

Das sehen andere ganz anders: Senatorin Elizabeth Warren vom linken Flügel der demokratischen Partei hat über Trumps designierten Finanzminister Mnuchin gesagt, er sei wie der Forrest Gump der Finanzkrise, weil er an all dem schlechtesten Geschäftsgebaren der Wall Street beteiligt gewesen sei. Und Dennis Kelleher, der Chef der Organisation Better Markets, die für mehr Transparenz und Kontrolle im Finanzsektor kämpft, warnt: Ob es stimmt oder nicht, Goldman Sachs werde den Eindruck erwecken, besonderen Einfluss in der Regierung zu haben.

Was Hillary Clinton besonders schmerzen dürfte, meint Max Abelson von Bloomberg: "Die große Ironie ist doch, dass einer der Gründe für Hillary Clintons Niederlage ist, dass die Leute so misstrauisch wegen ihrer Verbindungen zur Wall Street waren. Die Leute dachten, Trump wäre besser geeignet, und jetzt zeigt sich, wie eng er mit der Wall Street verbunden ist."

Was Steven Mnuchin angeht, den Goldman Sachs Banker also, der jetzt Finanzminister werden soll, so gibt es auch prominente Unterstützer: zum Beispiel Hank Paulson, selber Finanzminister unter George W. Bush. Er nannte es herausragend, dass Trump Mnuchin ausgewählt habe. Paulson und Mnuchin kennen sich schon seit Jahrzehnten. Sie waren Kollegen - bei Goldman Sachs.


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