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OPCW zu Syrien Giftgas-Einsatz "unbestreitbar"

Nach dem Angriff im syrischen Chan Scheichun wurde schnell der Vorwurf laut: Giftgas kostete mehr als 80 Menschen das Leben. Nun kommt von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen die Bestätigung: Es wurde Sarin oder eine ähnliche Substanz eingesetzt.

Von: tagesschau.de

Stand: 19.04.2017

Ein syrisches Kind, das den Giftgas-Angriff überlebt hat | Bild: picture-alliance/dpa

Mehr als 80 Menschen starben am 4. April bei einem Luftangriff auf das syrische Chan Scheichun. Schnell wurde der Vorwurf laut: Chemiewaffen wurden eingesetzt. Ein Vorgehen, das bereits seit 1997 durch die internationale Chemiewaffenkonvention verboten und geächtet ist. Nun kam die Bestätigung von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Ja, es wurde Giftgas eingesetzt, sagen die Experten - das sei "unbestreitbar".

Wahrscheinlich handelte es sich bei der verwendeten Substanz um Sarin oder einen dem Nervengas sehr ähnlichen Mittel, hieß es von der OPCW weiter. Seit knapp 20 Jahren arbeitet die Organisation daran, chemische Waffen weltweit zu vernichten. 2013 wurde sie dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Tests in Syrien sollen folgen

OPCW-Chef Ahmet Üzümcü zufolge wurden bei der Analyse nach dem Angriff in Chan Scheichun Proben von zehn Opfern des Angriffs - drei Todesopfern und sieben Betroffenen, die in Krankenhäuser eingeliefert wurden - in vier verschiedenen Labors untersucht. Ziel sei es nun, vor Ort in Syrien weitere Tests durchzuführen, sobald es "die Sicherheitslage erlaubt".

Auch die Türkei hatte nach der Obduktion von Opfern, die zur medizinischen Versorgung von Syrien in Kliniken des Nachbarlandes gebracht worden waren, den Einsatz von Giftgas als erwiesen erklärt. Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte kurz darauf, die Symptome der Betroffenen - etwa die akute Atemnot - sprächen für den Kontakt mit sogenannten Nervenkampfstoffen.

Frankreich spricht von "Beweisen" für Assads Schuld

Frankreich ging unterdessen sogar noch einen Schritt weiter: Außenminister Jean-Marc Ayrault kündigte an, die Regierung des Landes werde in den kommenden Tagen Beweise vorlegen, die nicht nur den Einsatz von Chemiewaffen untermauern, sondern auch den aus Sicht des Westens Schuldigen hinter dem Angriff. Westliche Staaten - allen voran die USA - machen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad für die Attacke verantwortlich.

Syrien weist diese Anschuldigungen bislang vehement zurück und sieht hingegen Rebellen hinter dem Angriff. Dieser sei "inszeniert" gewesen, um die syrische Regierung in den Fokus der Kritik zu rücken. Rückhalt für diese Version erhielt Assad von Syriens Verbündetem Russland.


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Kommentare

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Uwe, Donnerstag, 20.April, 15:22 Uhr

5.

Bis jetzt gibt es also noch immer keine Beweise für Giftgasbomben. Nur, dass die Opfer an Sarin oder "etwas ähnlichem" gestorben sind. Also könnten noch immer die Russen recht haben, die behaupten, bei dem Angriff wurde eine Chemiefabrik getroffen. Wir leben doch in einem Rechtsstaat, auf den wir mit Recht stolz sind. Danach darf niemand vorverurteilt werden, solange nichts bewiesen ist. Das ändert allerdings nichts daran, dass dieser Assad ein Erzgauner ist, der schnellstens weg gehört. z. B. nach Russland ins Exil. Ob jemand von Giftgas oder von einer "herkömmlichen" Bombe getötet wird, spielt doch für die Opfer gar keine Rolle.

Katharina , Donnerstag, 20.April, 15:12 Uhr

4. Das alles müßte nicht sein.

Das alles müßte nicht sein, wenn der Baschar al Assad die Russen nicht eingeladen hätte und wenn er stattdessen die US-Ölförderkonzerne nach Syrien eingeladen hätte. Wir wollen doch nur das syrische Öl und Gas und eine Pipeline von Katar über Syrien bauen.

Anna, Donnerstag, 20.April, 11:40 Uhr

3. Giftgas

Warum müssen immer Kinder gezeigt werden? Giftgas ist ein no go, es müssen aber nicht immer Kinder gezeigt werden, oder soll es Mitleid erregen, dass wir mehr zahlen oder Flüchtlinge aufnehmen? Kinder kommen nicht so viele als wie junge Männer, die ihre Kinder/ Frauen zurückgelassen haben!!! Irgendwann stumpft man ab und es ist egal was für ein Bild gezeigt wird.

  • Antwort von Veronica, Donnerstag, 20.April, 15:31 Uhr

    Schon immer hat man Kinder für Propaganda-Zwecke mißbraucht.

as, Donnerstag, 20.April, 09:55 Uhr

2. UN kein Interesse an der Aufklärung

Kommen am Ende Tatsachen heraus, welche bisher der Öffentlickeit bewußt falsch dargestellt wurden?

  • Antwort von Otto, Donnerstag, 20.April, 14:54 Uhr

    Der Schuldige steht schon lange fest, wir brauchen nicht wissen wer das wirklich gemacht hat. Deswegen bezeichnen wir die Regierung von Baschar al Assad schon lange "liebevoll" als Regime.

  • Antwort von Michael, Donnerstag, 20.April, 15:40 Uhr

    Im Krieg stirbt immer zuerst die Wahrheit. Alle verteidigen sich oder die Demokratie oder die richtige Religion, es wird immer nur bestraft oder zurückgeschossen. Deswegen war der Empfang feindlicher Sender strafbar. Deswegen hat man ausländische Sender mit Jamming gestört. Deswegen hat man in der DDR am Anfang die Antennen für Westfernsehen von den Dächern runtergeworfen und entsorgt.

  • Antwort von Horst, Donnerstag, 20.April, 15:43 Uhr

    Angriffe unter falscher Fahne sind schon uralter Kaffee.

Ebert, Donnerstag, 20.April, 09:09 Uhr

1. Randbemerkungen

Giftgaseinsatz - unbestreitbar, liebe Leser, steht in der Überschrift. Frage mich ernsthaft was das soll?

Das Giftgas eingesetzt wurde ist doch wohl unbestritten!

Die Frage lautet doch eher > von wem <

Natürlich sind die westlichen Medien schnell dabei den Schuldigen zu kennen, aber ist das nicht nur ein einfältiges Nachgeplapper der US - Meinung?

Solche Angelegenheiten müssten nach meinem Dafürhalten genau untersucht werden um den wirklich Schuldigen auszumachen. Kann ja sein, dass es die Syrer sind; wie geschreiben kann ja sein, muss aber nicht.

Ebert

  • Antwort von Leopold, Donnerstag, 20.April, 15:46 Uhr

    Die EU übernimmt die meisten Nachrichten von der Pressestelle der US-Army.