2

Zweite Brexit-Verhandlungsrunde Kämpfen statt Kuscheln?

Die EU und Großbritannien beginnen heute die zweite Runde ihrer Brexit-Verhandlungen. Erstmals geht es um konkrete inhaltliche Fragen, insbesondere über die Zukunft der EU-Bürger in Großbritannien und die der Briten in der EU - und um finanzielle Forderungen.

Von: Karin Bensch für tagesschau.de

Stand: 17.07.2017

EU-Fahne und Großbritannien-Fahne | Bild: picture alliance / empics

Jetzt fängt die harte Arbeit an, sagte Michel Barnier. Der 66-jährige Franzose sitzt für die Europäische Union am Verhandlungstisch mit den Briten. In der zweiten Verhandlungsrunde geht es zum ersten Mal ums Eingemachte: um strittige Punkte wie zum Beispiel die künftigen Rechte von EU-Bürgern, die seit langem in Großbritannien leben und arbeiten, und das auch nach dem Brexit tun möchten. Die derzeitigen Vorschläge der britischen Regierung erlauben diesen Menschen nicht, ihr Leben so weiterzuleben wie sie es jetzt tun, kritisierte Barnier.

Bereits durchgesickert ist, dass sich EU-Bürger in Großbritannien nach dem Brexit mit viel bürokratischem Aufwand um einen "gesicherten Status" einzeln bewerben sollen. Auch beim Familiennachzug oder der Anerkennung von Studien- und Berufsabschlüssen soll es hohe Hürden geben. "Wir wollen hier einfache und klare Regelungen für EU-Bürger in Großbritannien", forderte Barnier.

Erst einmal geht es um Geld

Streit bahnt sich auch an, wenn es ums Geld geht. Die Europäische Union verlangt von den Briten finanzielle Verpflichtungen zurück, die sie während ihrer EU-Mitgliedschaft eingegangen sind. Das betrifft zum Beispiel Pensionsverpflichtungen, Beiträge für Förderprogramme, offene Rechnungen und die Haftung für gemeinsame Schulden. Bis zu 100 Milliarden Euro sollen auf der Abschlussrechnung stehen. Das ist sicher keine Strafe, auch keine Rache. Es sind einfach nur Rechnungen, die bei jeder Trennung anfallen, nicht mehr und nicht weniger, sagte der Franzose.

Der britische Außenminister Boris Johnson hatte die Forderungen vergangene Woche als Wucher bezeichnet. Die Briten würde auf eine solche übermäßige Zahlung "pfeifen". "Ich höre kein Pfeifen, sondern nur die Uhr ticken", konterte Barnier auf Englisch.

Nordirland sensibles Thema

Ein weiterer Knackpunkt ist die historisch sensible Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland. Nach dem Brexit wird sie die europäische Außengrenze zum Nicht-EU-Land Großbritannien. "Wir müssen jetzt wissen, wie die britischen Positionen zu jedem einzelnen Punkt aussehen, damit wir Fortschritte machen können", forderte Barnier mit Nachdruck.

Das anfängliche Kuscheln - es scheint vorbei zu sein. In der zweiten Runde der Brexit-Verhandlungen werden schon härtere Bandagen angelegt.


2