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Neuer Russland-Job? Schröder vielleicht schon bald bei Rosneft

Für ein Tochterunternehmen von Gazprom arbeitet er schon, nun könnte Altkanzler Schröder einen weiteren Job bei einem russischen Energiekonzern bekommen: Er ist als "unabhängiger Direktor" beim Ölkonzern Rosneft vorgeschlagen worden.

Von: tagesschau.de

Stand: 12.08.2017

Gerhard Schröder | Bild: picture-alliance/dpa

Geplant ist ein Sitz für Schröder im Direktorium des halbstaatlichen Ölkonzerns Rosneft. Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedjew hat bereits ein entsprechendes Dekret unterzeichnet. Ende September sollen die Aktionäre des größten russischen Ölkonzerns darüber abstimmen, ob Schröder tatsächlich in den Vorstand des Konzerns aufgenommen wird.

"Unabängiger Direktor"

Der Altkanzler soll zu einem "unabhängigen Direktor" werden. Neben ihm stehen noch sechs weitere Kandidaten auf der Liste, heißt es in dem Dekret der russischen Regierung. Bei der außerordentlichen Versammlung im September soll der Vorstand von Rosneft auch gleich vergrößert werden: Bisher sitzen darin neun Männer, demnächst sollen es elf sein.

Enger Draht nach Moskau

Schröder pflegt schon länger enge Verbindungen zu Russland. Zurzeit ist er Chef des Verwaltungsrates einer Gesellschaft von Gazprom. Die Gesellschaft soll die geplante Gas-Pipeline Nordstream 2 durch die Ostsee vorantreiben.

Gaspipeline Nordstream 2

Gazprom ist der größte russische Gaskonzern. Wie beim Ölkonzern Rosneft hält der Staat auch hier mehr als die Hälfte der Aktien. Rosneft ist gerade dabei, seine Kontakte und Geschäfte in Deutschland auszuweiten. Während seines Besuchs Mitte Mai in Berlin sagte Rosneft-Chef Igor Sechin:

"Unsere Aktivität hängt mit direkten Lieferungen an die deutschen Verbraucher zusammen. Das ist eines unser vielversprechendsten Projekte. Wir möchten unser Geschäft voranbringen. Dafür gibt es gute Voraussetzungen. Wir sind uns sicher, dass die Teilnahme von Rosneft am deutschen Markt die Konkurrenz dort beleben wird."

Rosneft-Chef Igor Sechin

Millionen-Investitionen in Deutschland

In den kommenden fünf Jahren will der staatlich kontrollierte Ölkonzern rund 600 Millionen Euro in Deutschland investieren. Zum Beispiel für die Modernisierung von Raffinerien. Rosneft erforscht Öl- und Gasvorkommen in Russland und bohrt nach Öl zum Beispiel auf der Insel Sachalin ganz im Nordosten Russlands oder auch in Südrussland. Ein großer Teil des Gewinns wandert in den russischen Haushalt.

Weil Russland vor drei Jahren die Krim annektierte, steht der Ölkonzern auf der Sanktionsliste der EU und der USA. Die außerordentliche Sitzung von Rosneft zur Wahl des neuen Vorstands ist für den 29. September geplant.


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Kommentare

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websaurier, Montag, 14.August, 10:36 Uhr

8. Verbindungen nach Russland...


Deutschland (Europa) ist auch in der Zukunft auf Russland angewiesen! Allein schon was die Energielieferungen angeht !!!

Es ist Blödsinn, ständig den gestörten Amerikanern hinterher zu hecheln...
Hier muss ein klarer Politikwechsel her !

Squareman, Montag, 14.August, 10:34 Uhr

7. Lupenreiner Demokrat

Es lohnt sich also Putins Freund zu sein. Für das Gehalt kann man auch darüber hinweg sehen das Putin ein Diktator ist . Er war schon immer der Genosse der Bosse und eigentlich schon immer in der falschen Partei. Aber das ist ja inzwischen üblich, zuerst die politische Karriere und dann die in der Wirtschaft, das kann man doch wirklich nicht als Korruption bezeichnen.

GerdaB, Montag, 14.August, 10:09 Uhr

6. Hätte Martin Schulz....

Schröder um Wahlhilfe gebeten, wenn er d a s vorher gewusst hätte? Mit seiner "Wahlhilfe" von Schröder hat sich Schulz wohl eher einen Bärendienst erwiesen....

Martin Vomberg, Sonntag, 13.August, 16:42 Uhr

5. Die Kanzlerlegende

@ Wolfgang Kuhn

"Ich muss voraus schicken: Ich halte Schröder für keinen schlechten Kanzler. Er trat für politische Weichenstellungen ein, weil er sie für notwendig hielt und gleichzeitig wusste, sie können ihn die Wiederwahl kosten."

Das ist eine politische Legende, an der Schröder und Teile der SPD (die weiß ja selbst bis heute nicht, welche Haltung sie gegenüber diesen Reformen einnehmen soll) gerne weiter stricken. Jeder Kanzler, egal von welcher Partei, hätte in dieser Zeit handeln müssen, weil ihm sonst das Sozialsystem aufgrund der explodierenden Kosten irgendwann um die Ohren geflogen wäre. Das war keine politische oder gar altruistische Heldentat Schröders, sondern schlichtweg pure Handlungsnotwendigkeit. Schröder war doch heilfroh, dass er überhaupt mal ein konkretes Projekt hatte, mit dem er (zum großen Unmut seiner eigenen Partei) in den Wahlkampf ziehen konnte, und ohne Hartz & Co. hätte er im Wahlkampf damals wie der oft zitierte Kaiser ohne Kleider da gestanden!

  • Antwort von Squareman, Montag, 14.August, 10:42 Uhr

    Reformen waren und sind nötig, nur wieso gingen die Reformen zu 100% auf Kosten der Arbeitnehmer, und da wieder hauptsächlich auf Kosten der unteren Lohngruppen? Beamte, Selbständige, Unternehmer, Konzetne usw. wurden ausgenommen oder profitierten sogar von diesen "Reformen". Dank Schroeder haben wir einen ausufernden Niedriglohnsektor und in naher Zukunft eine gewaltige Altersarmut.

Wolfgang Kuhn, Sonntag, 13.August, 14:54 Uhr

4. Die deutsche "Obertugend": Neid

Ich muss voraus schicken: Ich halte Schröder für keinen schlechten Kanzler. Er trat für politische Weichenstellungen ein, weil er sie für notwendig hielt und gleichzeitig wusste, sie können ihn die Wiederwahl kosten. (Ein ganz anderes Verhalten übrigens, als es unsere Kanzlerin an den Tag legt.) Natürlich dürfen hochrangige Politiker und Politikerinnen - vornehmlich der Union - in hochbezahlte Industrie- und Verbandsjobs wechseln. Aber bitte doch nicht bei den Russen. Zum einen brauchen wir nach Lesart der USA die bösen Russen doch gar nicht. Zum anderen halten die doch die Krim besetzt. Wen von unseren Politikern interessiert eigentlich, dass die Israelis seit langer Zeit die Golan-Höhen (syrisches Staatsgebiet) besetzt halten? Wen interessiert, dass unser NATO-Partner Türkei seit Jahrzehnten Teile Zyperns besetzt hält? Es lebe die Doppelmoral. Und im Übrigen ist Neid doch so eine schöne Sache.