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Konflikt mit Nordkorea Xi appelliert an die Vernunft

Weil US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim nahezu täglich die Rhetorik verschärfen, hat sich Chinas Präsident Xi eingeschaltet. Sein Appell: Alle Beteiligten sollten sich mäßigen, der Konflikt um das Atomprogramm müsse friedlich gelöst werden.

Von: tagesschau.de

Stand: 12.08.2017

Im Machtkampf zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat Chinas Staatschef Xi Jinping zur Zurückhaltun aufgerufen. In einem Telefonat mit Trump sagte Xi, alle sollten Äußerungen oder Handlungen vermeiden, die die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel anheizen könnten.

Nach Angaben des Weißen Hauses stimmten beide Präsidenten überein, dass die jüngste UN-Resolution mit scharfen Sanktionen gegen Nordkorea "ein wichtiger und notwendiger Schritt" sei, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel wiederherzustellen. Ferner sagte Xi laut chinesischen Angaben, dass der Konflikt um das Atomprogramm friedlich gelöst werden müsse.

US-Präsident legt nach

Trump hatte zuvor im verbalen Schlagabtausch mit der Führung in Pjöngjang nachgelegt. Staatschef Kim "wird es schnell bereuen", wenn er weitere Drohungen gegen das US-Außengebiet Guam, jegliches andere US-Territorium oder Verbündete der Vereinigten Staaten ausspreche oder diese angreife, sagte Trump in seinem Golfclub in Bedminster im Staat New Jersey.

Er müsse noch mit dem Gouverneur der Insel sprechen, so Trump bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenminister Rex Tillerson und der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. Aber er habe das Gefühl, dass alle Bewohner Guams "sehr sicher" sein würden, sagte Trump. "Glauben Sie mir." Er fügte hinzu, falls Guam irgendetwas passieren sollte, sei Nordkorea in "großen, großen Schwierigkeiten". Trotz der immer hitzigeren Rhetorik im Konflikt mit Nordkorea hoffe er, dass alles gut gehe, so Trump. "Niemand liebt eine friedliche Lösung mehr als Präsident Trump", betonte er.

Die nordkoreanische Zeitung "Minju Joson" reagierte auf die Äußerungen Trumps mit einem Leitartikel. Darin heißt es, das "mächtige revolutionäre Heer" der Volksrepublik sei "fähig, jeden Krieg zu kämpfen, den die USA haben wollen, und steht jetzt in Wartestellung, Feuer auf ihr Festland zu eröffnen". Das Heer warte auf einen Befehl für den endgültigen Angriff.

Japan stationiert offenbar Raketenabwehrsystem

Unterdessen hat Japan laut Medienberichten damit begonnen, sein Raketenabwehrsystem zu stationieren. Das System werde derzeit in mehreren Städten im Westen des Landes installiert, berichtete der Rundfunksender NHK. Auf Fernsehbildern waren Militärfahrzeuge mit entsprechendem Material zu sehen.

Damit will Japan vor allem auf das Risiko reagieren, dass Teile von vorbeifliegenden Raketen in seinem Territorium herunterfallen. Am Donnerstag hatte Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera erklärt, ein Raketenangriff Nordkoreas auf das US-Außengebiet Guam könnte die Existenz seines Landes bedrohen. Er kündigte an, in diesem Fall vom Recht auf kollektive Selbstverteidigung Gebrauch zu machen und das Abwehrsystem einzusetzen.

Sondertreffen der EU

Wegen der Krise berief die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini ein Sondertreffen der für Sicherheitsfragen zuständigen EU-Botschafter ein. Bei den Gesprächen am kommenden Montag solle über "mögliche weitere Schritte" der Europäischen Union diskutiert werden, sagte eine Sprecherin. Das sogenannte Politische und Sicherheitspolitische Komitee (PSK) hätte regulär eigentlich erst am 31. August wieder zusammenkommen sollen.

Merkel warnt, Lawrow mahnt

Eric J. Ballbach, Nordkorea-Forscher an der Freien Universität Berlin  | Bild: dpa-Bildfunk zum Artikel Interview Korea-Konflikt Zweifel an Einsatzbereitschaft von Kims Raketen

Die scharfen Töne kommen jetzt von beiden Seiten - doch steuern die USA und Nordkorea wirklich auf einen militärischen Konflikt zu? Korea-Experte Eric Ballbach von der FU Berlin äußert im Radiowelt-Interview bei Eva Kötting Zweifel. [mehr]

Zuvor hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Krise geäußert. Sie erklärte, eine militärische Antwort halte sie im Konflikt mit Nordkorea für nicht geboten. "Eine Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort", fügte die Kanzlerin hinzu. Sie forderte außerdem eine "sehr enge Kooperation der betroffenen Länder, insbesondere der USA und China", um den Konflikt zu beruhigen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow rief Pjöngjang und Washington ebenfalls zu einem Einlenken auf. "Falls es zu einer Schlacht kommt, sollte derjenige, der stärker und schlauer ist, den ersten Schritt weg von der gefährlichen Linie machen", sagte er der Agentur Interfax zufolge. "Die Rhetorik in Washington und Pjöngjang beginnt leider auszuufern." Das Risiko einer militärischen Konfrontation sei dadurch sehr hoch. "Wir hoffen dennoch, dass der gesunde Menschenverstand siegen wird."


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