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Nach neuem Raketentest Sicherheitsrat wirft Nordkorea Provokation vor

Nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas kam der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Neue Sanktionen wurden nicht beschlossen - gezeigt werden soll aber der stärkstmögliche Zusammenhalt. Von Georg Schwarte.

Von: tagesschau.de

Stand: 16.09.2017

Kim Jong Un, der nordkoreanische Machthaber, begrüßt Soldaten auf einer Raketenbasis | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Raketentest. Wieder. Der zweite in diesem Monat. Trotz der schärfsten Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat jemals verhängte. Dem britischen UN-Botschafter Matthew Rycroft schienen vor der Tür des Sicherheitsrates und der Dringlichkeitssitzung im Fall Nordkorea die Adjektive auszugehen: "Schrecklich, unerhört, provokant, verantwortungslos, illegal", sagte er. "Dass Nordkorea obendrein den USA ausrichten ließ, man müsse Amerika erschlagen wie einen tollwütigen Hund, das machte die Sache nicht besser."

Der schwedische UN-Botschafter Carl Skau sagte: "Es beweist nur die absolute Dringlichkeit, dass die von uns am Montag beschlossenen Sanktionen rigoros umgesetzt werden."

Keine weiteren Sanktionen

Die USA und Japan hatten die Sitzung beantragt. Es ging nicht um neue, noch drastischere Sanktionen. Die wollte und konnte das Gremium nicht binnen 24 Stunden beschließen.

"Es ging dem Sicherheitsrat darum, Nordkorea zu zeigen: Wir stehen hier zusammen, ihr steht dort: isoliert."

François Delattre, französischer UN-Botschafter.

Zwei Worte, sagt er, seien die Botschaft. "Entschlossenheit und Einigkeit. Wir müssen Nordkorea zeigen: Es wird einen Preis zahlen, wenn sie UN-Resolutionen ignorieren."

Botschaft an Russland und China

Russland und China hatten erst am Montag der neuen drastischen Sanktionsrunde zugestimmt. Zögernd zwar, aber am Ende überzeugt. Jetzt wendete sich Rycroft speziell an Russland und an China, den letzten Verbündeten, den größten Handelspartner Nordkoreas: "Ich rufe alle Länder auf, besonders aber die Länder mit den engsten Verbindungen, jetzt die Sanktionen komplett umzusetzen."

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja antwortet mit dem Hinweis, dass die letzte Resolution auch diplomatische Verhandlungen vorsieht. Das sei jetzt Aufgabe der Amerikaner.

Die jüngste Rakete flog 3700 Kilometer, überflog Japan, hätte die amerikanische Militärbasis auf Guam treffen können. Nordkorea sei längst keine regionale Bedrohung mehr, die ganze Welt sei bedroht, auch Europa, mahnte Delattre.

Trump trifft chinesischen Amtskollegen

Kommende Woche Dienstag beginnt die 72. UN-Generaldebatte. US-Präsident Trump wird sich dort mit dem chinesischen Amtskollegen treffen, Nordkorea wird ganz oben auf der Tagesordnung aller Staats- und Regierungschefs stehen, sagt UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Und auch an den nordkoreanischen Außenminister gerichtet, der kommenden Freitag im Weltsaal der UN zur Welt reden wird, sagte Delattre, das was später in der gemeinsamen Erklärung des Sicherheitsrates stand: "Vertut euch nicht." Die Entschlossenheit des Sicherheitsrates sei das beste Gegengift gegen Krieg.

Kim will Atomprogramm abschließen

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un kündigte unterdessen an, trotz härterer Sanktionen gegen das Land sein Nuklearwaffenprogramm abschließen zu wollen. Das berichteten nordkoreanische Staatsmedien.

Die USA halten sich die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens offen. "Es gibt die militärische Option", sagte der nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster in Washington. Diese Option sei aber nicht die bevorzugte.


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Barbara, Samstag, 16.September, 13:57 Uhr

3. Es sind, wie immer in der Geschichte, nur Männer, die ihre "Stärke" zeigen

und ihre "Macht" demonstrieren wollen.

Alexander K., Samstag, 16.September, 12:31 Uhr

2. Sicherheitsgarantien? Sicher fühlen?

Sicherheitsgarantien für was? Dass China oder Russland nicht einmarschieren? Dass die USA nicht einmarschieren, dafür sorgen schon China und Russland.

Wer fühlt sich unsicher? Kim Jong Un oder das Volk? Was in Libyen und im Irak passiert, ist die Folge davon, den Bauch nicht kontrolliert zu haben als man den Kopf abgeschlagen hat ...

Ich bin mir ganz sicher, dass viele verantwortlichen Staatspräsidenten (mittlerweile) eine überschaubare "absolutistische Herrschaft" einer unvorhersehbaren bzw. unbeherrschbaren "Demokratie" bzw. "Demokratisierung" vorziehen ...

Fachberaterin, Samstag, 16.September, 08:50 Uhr

1. Das kleine Nordkorea muß sich gegen die USA mit modernen Waffen schützen.

Solange Nordkorea keine Sicherheitsgarantien im Fall einer Aufgabe des nationalen Atomprogramms bekomme, werde es die Aufrüstung fortsetzen. „Sanktionen sind nutzlos und ineffektiv. Ihnen wird es schlecht gehen, aber sie werden ihr Atomprogramm nicht aufgeben, bis sie sich sicherfühlen“, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin vor einigen Tagen bei einem Treffen in China, wie Bloomberg berichtet. Kim Jong Un habe zudem aus der Geschichte der gewaltsamen Absetzungen von Muammar al Gaddafi in Libyen und Saddam Hussein im Irak gelernt, dass man sich nicht entwaffnen lassen darf. Aus diesem Grund werde die Führung in Pjöngjang an ihrem Atomprogramm festhalten.