0

Unruhen in Teheran Gewalt bei Protesten im Iran

Die Proteste im Iran werden politischer - und haben am dritten Tag die Hauptstadt Teheran erreicht. Vielerorts kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. In den sozialen Netzwerken kursieren zudem Videos, die zwei von der Polizei erschossene Männer zeigen sollen.

Von: tagesschau.de

Stand: 31.12.2017

dpatopbilder - Auf diesem, von einem nicht bei AP beschäftigten Fotografen aufgenommenen Foto, das der AP ausserhalb des Irans zur Verfügung gestellt wurde, hebt eine Studentin am 30.12.2017 nach einem Tränengas-Angriff auf dem Geländer der Universität in Teheran (Iran) die Hand. Iranische Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um Demonstranten zu zerstreuen, die gegen die Wirtschaftslage im Iran protestierten. (zu dpa "Proteste im Iran: Forderung nach mehr Reformen oder Regimewechsel?" vom 30.12.2017) Foto: -/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk

Bei den regierungskritischen Protesten im Iran ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. An mehreren Stellen in der Hauptstadt Teheran versammelten sich Demonstranten, auch an der Universität kam es laut Augenzeugen zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Studenten.

In Videos aus den sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie die Polizei die Studenten auf dem Universitätsgelände auseinandertreibt. Anschließend werden sie von mehreren Hundert regierungstreuen Demonstranten verdrängt. Staatsmedien zeigten Bilder von brennenden Mülleimern und anderen Zerstörungen und verurteilten die "Unruhestifter".

Berichte über erste Todesopfer

In den sozialen Medien kursieren mehrere Videos, in denen Menschenmengen auf den Straßen zu sehen sind, teils in Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Es wurden auch Videos gepostet, die zwei junge Männer blutend und regungslos zeigen. Eine über die Aufnahme gelegte Stimme sagt, die beiden Iraner seien von Sicherheitskräften in der westiranischen Stadt Dorud erschossen worden. Die Echtheit der Aufnahmen konnte bislang nicht überprüft werden.

Laut ARD-Korrespondentin Natalie Amiri verbieten Sicherheitskräfte, die Proteste mit Handys zu filmen.

Regierung droht Demonstranten

Die iranischen Behörden äußern sich nicht zu den Unruhen. Die Regierung reagierte mit dem Hinweis, dass jede Versammlung durch das Innenministerium genehmigt werden müsse. Das iranische Innenministerium warnte vor einer Teilnahme an "illegalen" Protesten. Sonst könnte es "problematische Konsequenzen" geben.

Durch den erschwerten Zugang von Journalisten in das Land ist die Berichterstattung eingeschränkt. Informationen über die jüngsten Proteste sind entsprechend rar, da die staatlichen und die halboffiziellen Medien im Iran nur begrenzt berichten. In einem Bericht auf einer Internetseite des Staatsfernsehen hieß es, nationale Medien hätten auf Anweisung von Sicherheitskräften zuvor nicht über die Proteste berichtet.

Größte Proteste seit 2009

Die Proteste hatten am Donnerstag in der Stadt Maschad begonnen. Sie richteten sich zunächst gegen die hohen Preise und die Arbeitslosigkeit im Lande. Doch zunehmend wurde auch politischer Unmut über die iranische Führung um Präsident Hassan Rouhani laut. Politische Proteste sind im Iran angesichts der Allgegenwart von Sicherheitskräften selten. Mehr als 50 Menschen wurden wegen der Teilnahme an Demonstrationen bislang festgenommen.

Seit der "grünen Bewegung" 2009 sind es die wohl größten Proteste im Iran. Damals waren Tausende Menschen wegen Wahlbetrugs-Vorwürfen bei der Wiederwahl des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten auf die Straße gegangen.

Trump: "Die Welt schaut hin"

US-Präsident Donald Trump bekräftigte derweil seine Warnung an die Regierung in Teheran. "Die Welt schaut hin", schrieb er auf Twitter. "Der Tag wird kommen, an dem das iranische Volk eine Wahl haben wird", zitierte Trump aus seiner Rede vor der UN-Vollversammlung im September.

Es ist nicht klar, welche Wirkung Trumps Unterstützung haben wird. Viele Iraner sind skeptisch gegenüber dem US-Präsidenten, da er sich geweigert hat, dem Iran eine Einhaltung des Atomabkommens zu bescheinigen.

"Wertlose und opportunistische Bemerkungen der Amerikaner"

Die iranische Regierung verurteilte die Äußerungen Trumps: "Das iranische Volk wird diese wertlosen und opportunistischen Bemerkungen der Amerikaner nicht beachten", sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. Die US-Regierung sollte sich nun nicht besorgt um das iranische Volk zeigen. Im Iran gebe es demokratische Kanäle, über die das Volk legitime Forderungen erheben könne, fügte Ghassemi hinzu.


0