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60 Jahre Presserat Gauck: Mit Verstand gegen den Populismus

Bundespräsident Gauck hat zum 60. Jubiläum des Presserates populistische Kritik an Medien zurückgewiesen. Ein offener Austausch sei wichtig für die Gesellschaft - dazu gehöre auch das Recht auf Kritik und die Pflicht, sich mit dieser auseinanderzusetzen.

Von: tagesschau.de

Stand: 01.12.2016

Bundespräsident Gauck hat zur offenen Diskussion in Deutschland aufgerufen. | Bild: picture-alliance/dpa

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Presserates hat Bundespräsident Joachim Gauck rechtspopulistische Anfeindungen und Vorurteile gegenüber den Medien scharf kritisiert. Wer den zum Schlagwort der Populisten avancierten Begriff "Lügenpresse" gebrauche, dem gehe es nicht "um Diskussion, sondern um Denunziation", sagte Gauck in seiner Rede beim Festakt zu dem Jubiläum.

Kritik sei natürlich erwünscht, so der Bundespräsident weiter, denn Medien machten Fehler. Doch wer damit argumentiere, dass fehlerhafte Berichterstattung keine Ausnahme, sondern die Regel sei, dem gehe es nur darum, sich in seiner Überzeugung bestätigt zu sehen, dass "überall nur gelogen und betrogen" werde. Dabei sei der Austausch verschiedener Meinungen und dabei auch das Anerkennen von Fakten wichtig - wenn diese Dinge eine immer geringere Rolle spielen, gefährde das die Demokratie.

Soziale Netzwerke als Echoraum für eigene Meinung

Vor allem die sozialen Netzwerke bergen aus Sicht Gaucks das Risiko einer eingeschränkten Sichtweise. Er bezog sich dabei auf die sogenannten Echoräume, ein Eeffekt, durch welchen dem Nutzer in den Internetportalen vor allem Beiträge und Meinungsäußerungen angezeigt werden, die seine eigenen Ansichten widerspiegeln. Es seien diese Echoräume, "in denen Einzelne oder Gruppen sich im Alleinbesitz der Wahrheit wähnen, während sie - taub für die Außenwelt - ihren eigenen Überzeugungen lauschen, die von den Wänden widerhallen", sagte Gauck.

"Die maßlose Wut, ja der Hass auf die Medien" sei erschreckend. Umso wichtiger ist es aus Sicht des Bundespräsidenten, dass sich Journalisten offen mit Kritik auseinandersetzen und sich einen unvoreingenommenen Blick auf die Themen bewahren. "Nur mit Verstand und Scharfsinn, Offenheit und Vorurteilslosigkeit" könnten sie dem Populismus entgegenwirken.

Mehr Qualitätskontrolle nötig

Zudem forderte Gauck eine bessere Qualitätskontrolle der Medien. Zum einen durch eine "permanente Selbstprüfung" der Journalisten, zum anderen auch durch Gremien wie dem Presserat. Gauck räumte ein, dass dessen Mittel oft eine "gewisse Zahnlosigkeit" aufweisen, dass es ihnen an Durchschlagskraft fehle.

Der Presserat wurde am 20. November 1956 in Bonn als Institution der journalistischen Selbstkontrolle gegründet. Er soll die Einhaltung von journalistischen Grundwerten wie Sorgfalt und Fairness und den Medien überwachen.


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