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Erdogan-Reden am Jahrestag Martialische Worte gegen die Putschisten

"Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen!" Mit diesen Worten hat der türkische Präsident Erdogan am Jahrestag des Putschversuchs seine harte Linie untermauert. Zudem betonte er, dass er die Wiedereinführung der Todesstrafe unterstütze.

Von: tagesschau.de

Stand: 16.07.2017

Der türkische Präsident Recp Tayyip Erdogan bei seiner Rede vor Tausenden zum Jahrestag des Putschversuchs | Bild: pa/dpa

"Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen!" Mit diesen Worten hat der türkische Präsident Erdogan am Jahrestag des Putschversuchs seine harte Linie untermauert. Zudem betonte er, dass er die Wiedereinführung der Todesstrafe unterstütze.

Zum Jahrestag des Putschversuches in der Türkei hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in mehreren Reden seine Bereitschaft zur Wiedereinführung der Todesstrafe bekräftigt. Bei einer Gedenkveranstaltung an einer Bosporusbrücke in Istanbul sagte er vor Hunderttausenden Teilnehmern, er werde ein entsprechendes Gesetz unterschreiben, wenn das Parlament es verabschieden sollte. Bei einer Ansprache vor dem Parlament in Ankara am frühen Sonntagmorgen betonte Erdogan, Kritik aus der EU würde ihn nicht davon abhalten, ein entsprechendes Gesetz zu unterzeichnen. Er glaube daran, dass es vom Parlament verabschiedet werde , sagte er vor jubelnden Anhängern.

"Uniformen wie in Guantanamo"

Die Brücke für die Gedenkveranstaltung in Istanbul war gezielt ausgewählt worden. Die Putschisten hatten sie im vergangenen Jahr besetzt. Zahlreiche Zivilisten, die sich den Putschisten in den Weg gestellt hatten, wurden auf der Brücke getötet. Das Bauwerk wurde später in "Brücke der Märtyrer des 15. Juli" umbenannt. Direkt neben der Fahrbahn auf asiatischer Seite weihte Erdogan am späten Abend eine Gedenkstätte eine. Ein kugelförmiges Hauptgebäude, umsäumt von 249 Zypressen - für jeden Märtyrer eine. "Ach könnte diese Brücke nur sprechen und erzählen, welch Heldentaten in jener Nacht an dieser Stelle vollbracht wurden", sagte Erdogan mit Blick auf jene, die mit ihrem Widerstand die Putschisten gestoppt hatten.

In seiner Rede wählte Erdogan allerdings auch martialische Formulierungen mit Blick auf jene, die er für den Putschversuch verantwortlich macht. Wörtlich sagte er: "Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen." Der Präsident äußerte sich in seiner Rede voller Abscheu über die Putschisten. "Sowohl die elenden Putschisten als auch jene, die sie auf uns gehetzt haben, werden von nun an keine Ruhe mehr finden." Die inhaftierten Drahtzieher sollten "Uniformen wie in Guantanamo" tragen, schlug er vor. Damit spielte er auf das umstrittene US-Gefangenenlager an, in dem Terrorverdächtige festgehalten wurden und werden.

Erneut machte Erdogan deutlich, dass er den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen und dessen Anhänger als treibende Kraft für den Putschversuch sieht. "Aus dem öffentlichen Dienst wurden bis zum heutigen Tag rund 111.000 Gülen-Anhänger entlassen. 38.000 wurden suspendiert und werden weiter überprüft", sagte der Präsident. Schließlich könnten "diesen Terroristen" doch nicht weiter Gehälter aus Steuermitteln der türkischen Nation bezahlt werden. Gülen hat allerdings stets bestritten, für den Putschversuch verantwortlich zu sein, und warf Erdogan zuletzt vor, eine "Hexenjagd" auf alle zu veranstalten, die der Gülen-Bewegung tatsächlich oder angeblich nahe stehen.

Todesstrafe wäre Ende der Beitrittsgespräche

In Sprechchören verlangte sowohl Zuhörer der Veranstaltung auf der Bosporus-Brücke als auch bei der Gedenkveranstaltung am Parlament in Ankara die Wiedereinführung der Todesstrafe. Erdogan hatte einen solchen Schritt in der Vergangenheit mehrfach ins Gespräch gebracht. Kurz nach seinem Sieg beim Verfassungsreferendum vor drei Monaten war das Thema aber wieder von der Tagesordnung verschwunden.

Die Todesstrafe wäre allerdings unvereinbar mit dem von der Türkei angestrebten EU-Beitritt. In diesem Fall wären die Gespräche darüber - die de facto ohnehin bereits auf Eis liegen - wohl endgültig beendet.

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul.


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