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Chan-Zuckerberg-Initiative Drei Milliarden Dollar gegen Krankheiten

Die Kinderärztin Priscilla Chan und ihr Mann Mark Zuckerberg wollen drei Milliarden Dollar in Grundlagenforschung investieren. Ihr ehrgeiziges Ziel: Bis zum Ende des Jahrhunderts alle Krankheiten weitestgehend auszurotten.

Von: Wolfgang Stuflesser

Stand: 22.09.2016

Chan Zuckerberg Initiative | Bild: Reuters (RNSP)/

Normalerweise hält sich Priscilla Chan eher zurück - hinter ihrem Mann Mark Zuckerberg, der als Gründer und Chef des sozialen Netzwerks Facebook natürlich viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Doch diesmal betrat Chan selbst die Bühne in San Francisco und stellte das neue Projekt der gemeinnützigen Initative vor, die das Ehepaar gegründet hat.

"Können wir zusammen erreichen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts alle Krankheiten ausgerottet, heilbar oder zumindest behandelbar sind? Mark und ich glauben, dass es möglich ist. Und viele Wissenschaftler, mit denen wir gesprochen haben, glauben es auch. In den nächsten zehn Jahren werden wir drei Milliarden Dollar investieren, um dieses Ziel zu erreichen."

Priscilla Chan

Das klingt fast naiv. Doch die Kinderärztin, die in Harvard studiert hat, weiß, wovon sie spricht. Und es ist ihr sichtlich ein Herzensanliegen - zeitweise liefen ihr bei ihrem Auftritt die Tränen über die Wangen.

Chan spricht über ihre Arbeit als Kinderärztin

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"Bei meiner Arbeit als Kinderärztin habe ich Familien erlebt, die in den schwierigsten Momenten ihres Lebens waren: Ich musste ihnen sagen, dass ein Kind Leukämie hat oder dass wir es nicht wiederbeleben konnten", erzählt sie. "In diesen Momenten stoßen wir an die Grenzen unseres Wissens über den menschlichen Körper und seine Krankheiten. Die Grenzen unserer Fähigkeiten, Leiden zu lindern. Diese Grenzen wollen wir verschieben."

Chan und Zuckerberg wollen vor allem dafür werben, dass die Forscher ihre Erkenntnisse besser miteinander austauschen und zum Beispiel Computerprogramme entwickeln, mit denen dann auch andere Forscher in aller Welt arbeiten können. Außerdem soll das Geld in besonders langfristige Projekte gesteckt werden, die es schwer haben, staatliche Mittel zu bekommen.

Forschungseinrichtung zu Infektionskrankheiten

Mit den ersten 600 Millionen Dollar finanzieren die beiden eine gemeinsame Forschungseinrichtung der Unis Berkeley, Stanford und der University of California in San Francisco. Dort sollen Genetiker, Biochemiker und Ingenieure zusammen daran forschen, wie man Infektionskrankheiten wie Ebola oder Zika besser erkennen und bekämpfen kann.

Das bedeute nicht, dass niemand mehr krank werde, sagte Mark Zuckerberg, der dann auch noch die Bühne betrat. Doch es gehe darum, dass die Leute deutlich seltener krank würden, dass man die Krankheit leichter erkennen und heilen oder zumindest unschädlich machen könne. "Das ist ein großes Ziel", sagte Zuckerberg.

Mehr in Forschung investieren statt in Heilung

Aber man merkte ihm an, dass ihn gerade das an der Sache reizt. Wer mit Anfang 30 eine Firma mit 1,7 Milliarden Kunden aufgebaut hat, hält offenbar keine Aufgabe für zu groß. Dieser Optimismus prägt die Weltsicht vieler im Silicon Valley. Mehr noch: Zuckerberg möchte auch seine Landsleute zum Umdenken bringen.

"Unsere Gesellschaft gibt fünfzig Mal mehr Geld für die Behandlung von Kranken aus, als wir in die Forschung investieren, damit die Leute gar nicht erst krank werden. Das können wir doch besser. So investiert man nur, wenn man glaubt, dass immer Leute krank werden."

Mark Zuckerberg

Auftritt von Bill Gates

Zuckerberg ist nicht der einzige IT-Unternehmer mit philanthropischen Zielen: Am Ende holte er noch sein großes Vorbild auf die Bühne, Microsoft-Gründer Bill Gates, der selbst mit seiner Frau vor 16 Jahren eine ähnliche Stiftung gegründet hat. Deren Ziel ist zum Beispiel die Ausrottung von Kinderlähmung auf der Welt - eine Krankheit, nicht alle.

Zuckerbergs Vorhaben sei kühn und ehrgeizig, sagte Gates.

"Ich bin immer wieder überrascht, was die Medizin alles noch nicht weiß. Aber gerade deshalb brauchen wir unbedingt diese Forschung."

Bill Gates

Max, die zehn Monate alte Tochter von Priscilla Chan und Mark Zuckerberg, könnte das Ende dieses Jahrhunderts durchaus noch erleben. Dann wird sie selbst sehen, ob das ehrgeizige Ziel ihrer Eltern erreicht wurde.


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