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Kampf um Aleppo Die Feuerpause vor der Feuerpause

Die Ankündigung kam überraschend: Russland und Syrien haben ihre Luftangriffe auf Aleppo unterbrochen. Die Feuerpause sei nötig, um die für Donnerstag angekündigte "humanitäre Feuerpause" umzusetzen. Für Außenminister Steinmeier kann das aber nur ein Anfang sein.

Von: tagesschau.de

Stand: 18.10.2016

Syrians civil defense team work at the site of collapsed buildings after warcrafts belonging to Russian and Syrian army carried out an airstrike over residential areas at opposition controlled Merce neighborhood in Aleppo | Bild: picture-alliance/dpa

Noch heute Nacht berichteten Oppositionelle aus Aleppo, russische Kampfjets hätten "intensive Luftangriffe" auf den Ost-Teil der Stadt geflogen. Am Vormittag dann kam aus dem russischen Verteidigungsministerium die überraschende Ankündigung, Russland und Syrien hätten ihre Luftangriffe unterbrochen.

"Die vorgezogene Feuerpause ist notwendig, um die 'humanitäre Pause' übermorgen umzusetzen", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. "Diese soll die Sicherheit der friedlichen Bürger gewährleisten, die die Stadt über sechs Korridore verlassen können, und den Transport von Kranken und Verletzten aus dem östlichen Teil Aleppos ermöglichen."

"Terroristen von 'gemäßigten Oppositionellen' trennen"

Seit Wochen stehen die syrische und die russische Regierung massiv in der Kritik. Sie respektierten die Sicherheit der Zivilbevölkerung gerade nicht, indem sie diese ständig bombardierten, hieß es aus den USA und von europäischen Regierungen. Die EU-Außenminister sprachen von "möglichen Kriegsverbrechen". Russland warf dagegen dem Westen vor, Terroristen zu unterstützen.

Verteidigungsminister Schoigu drängte heute noch einmal darauf, in Aleppo müssten sogenannte gemäßigte Oppositionelle und Terroristen - wie etwa Kämpfer der früheren Al-Nusra-Front - getrennt werden: "Wir glauben, dass die russische Initiative den Militärexperten aus verschiedenen Ländern helfen wird, die morgen in Genf mit ihrer Arbeit beginnen. Ihr Ziel ist es, die Terroristen und die 'gemäßigte Opposition' zu trennen und sie zum Abzug aus Aleppo zu bewegen."

Mischen Kämpfer sich unter die Bevölkerung?

Bislang sind alle Versuche gescheitert, eine Lösung für Aleppo zu finden. Am Wochenende war eine Syrien-Konferenz der Außenminister aus Russland, den USA und Staaten der Krisenregion ohne greifbares Ergebnis geblieben.

"Wir haben Informationen, dass Kämpfer versuchen, sich unter die friedliche Bevölkerung zu mischen", erklärte Sergej Rudskoj vom russischen Generalstab am Montag. "Sie legen ihre Waffen ab und rasieren sich die Bärte ab. Wir richten uns an die Anführer der illegalen Kampfgruppen und ihre Unterstützer: Ihr könnt ab Donnerstag, acht Uhr ohne Gefahr den Ost-Teil von Aleppo über zwei Korridore verlassen."

Zwei Abzugskorridore für die Kämpfer, sechs Korridore für Zivilisten - so lautet der russische Plan. Der deutsche Außenminister Steinmeier sagte in Berlin, die von Russland angekündigte Feuerpause könne nur ein Anfang sein. Acht Stunden seien nicht ausreichend, um den Menschen im belagerten Ost-Aleppo zu helfen. Es sei aber mehr möglich - und mehr sei auch ein Gebot der Menschlichkeit.


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