5

Fünf Jahre Syrienkrieg Erste Hilfskonvois sind ein Lichtblick

Seit mittlerweile fünf Jahren herrscht in Syrien Bürgerkrieg - aktuell tobt die Schlacht um die Stadt Aleppo. Für sieben belagerte Gebiete im Bürgerkriegsland Syrien sind Hilfskonvois geplant. 35 Lastwagen mit Hilfsgütern haben bereits die Stadt Muadamija erreicht, so die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana.

Stand: 17.02.2016

Anfang 2011 entwickelte sich ein friedlicher Protest zum bewaffneten Konflikt. Seitdem liefern sich Regierungstruppen und verschiedene Oppositionsgruppen heftige Kämpfe. In Syrien lebten 2010 noch 22,5 Millionen Menschen, rund 70 Prozent der Bevölkerung waren Sunniten. Mittlerweile sind mehr die Hälfte der Menschen auf der Flucht - und die Kämpfe gehen weiter.

Die Türkei ignoriert jegliche Appelle

Zerstörung in Aleppo

Die Türkei setzt den Beschuss kurdischer Stellungen in Syrien fort. Für Präsident Recep Tayyip Erdogan ist das grenzüberschreitende Bombardement Selbstverteidigung. Zu Forderungen an sein Land, dieses zu stoppen, sagte er, Ankara habe nicht solche Pläne. Die Türkei werde es den syrischen Kurden nicht erlauben, an der Grenze einen militärischen Stützpunkt einzurichten.

Fünf Jahre Krieg in Syrien

Die Türkei fordert den Einsatz von Bodentruppen

Volksverteidigungseinheit YPG

Die YPG ist eine kurdische Miliz, die hauptsächlich in Syrien aktiv ist und mehrheitlich kurdische Gebiete in Nordsyrien kontrolliert. Die Volksverteidigungseinheit ist auch in den Viertel von Aleppo aktiv, die vorwiegend von Kurden bewohnt werden.  

Die Türkei betrachtet die syrische Kurden-Miliz YPG wegen ihrer Beziehungen zu der verbotenen und auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrorgruppe. Das türkische Militär beschießt deshalb die syrischen Kurden immer wieder. Die USA und die EU hatten das Land aufgefordert, damit aufzuhören. Die YPG dominiert die sogenannten Demokratischen Kräfte Syriens, zu denen auch arabische Kämpfer gehören.

Kleine Schritte

Trotz der anhaltenden Kämpfe in Syrien sehen die Vereinten Nationen Fortschritte bei der Versorgung der Bevölkerung mit Hilfsgütern. Der neue UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi sprach bei einem Besuch in Berlin von einem "kleinen Fenster der Gelegenheiten", das durch die Vereinbarungen der jüngsten Syrien-Konferenz in München entstanden sei.

"Ich denke, es wird kompliziert bleiben. Aber jeder Fortschritt ist ein Fortschritt."

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi

Hilfskonvois unterwegs

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte bei einem Treffen mit Grandi die Hoffnung, dass demnächst mindestens vier internationale Hilfskonvois in belagerte Städte gelangen können. Am Donnerstagvormittag bereiteten sich nach Angaben des Syrischen Roten Halbmonds mehr als hundert Lastwagen mit Lebensmitteln und Medikamenten auf die Fahrt in Orte nahe Damaskus sowie in der Provinz Idlib vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte die Forderung nach einer Flugverbotszone im nordsyrischen Grenzgebiet.

Der Syrienkrieg im schnellen Überblick:

Die Lage in Syrien bis 2012

1970-1990

Hafez al-Assad, syrischer Machthaber

Nach der Übernahme des Präsidentenamtes durch Hafir al-Assad wuchs die syrische Wirtschaft in den 70er und 80er Jahren. Dann  folgten Jahre der Stagnation, hoher Arbeitslosigkeit und massiver Inflation. Gleichzeitig schraubte Machthaber Hafiz al-Assad das Militärbudget weiter nach oben. Das Land litt unter Auslandsschulden und dem Ölpreisverfall. 1985 versuchte die Regierung in Syrien Reformen durchzuführen, doch sie wurden nur träge umgesetzt.

Juni 2000

Bashar Al-Assad

Ministerpräsident Hafiz al-Assad stirbt. Seine Politik orientierte sich an der Sowjetunion und  seine Macht war auf die Armee und den Geheimdienst gestützt. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Baschar al-Assad das Amt des Präsidenten.  Am Einparteiensystem hielt dieser fest, versuchte aber weiter Reformen umzusetzen.

Februar 2003

Die Partei der Demokratischen Union, PYD, gründete sich. Die syrische Partei soll der PKK nahestehen.   Im Zusammenhang mit der Schlacht um Kobanê äußerte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, im Oktober 2014, die PYD sei eine Terrororganisation wie die PKK.

Juli 2007

Immer mehr irakische Flüchtlinge siedeln sich in Syrien an. Die Nachfrage nach Wasser stieg und das war knapp. Eine ausgeprägte Trockenheit folgte. Im Sommer 2007 litt das Land unter Missernten. Eine Landflucht von 1,5 Millionen Menschen setzte ein.

Februar 2011

Es ist die Zeit des Arabischen Frühlings. Immer wieder demonstrieren tausende Menschen für politische Freiheit und letztendlich auch für den Sturz von Präsident Baschar al-Assad. Sicherheitskräfte gingen erstmals im März 2011 gewaltsam  gegen Demonstranten vor.  Assad lässt alle ausländischen Journalisten ausweisen. Immer öfter konkurrieren Verbände mit moderaten und konservativen, islamischen Vorstellungen mit radikale und pseudo-islamische Gruppierungen.

Mai 2011

Baschar al-Assad kündigt weitere Reformen an. Zugleich deutete er an, dass es auch zu einer Diskussion über die syrische Verfassung mit verschiedenen Parteien kommen könnte.  Immer wieder bietet er der Opposition Friedensverhandlungen an. Die will erst zu Gesprächen kommen, wenn Assad seinen Rücktritt ankündigt.

Juli 2011

Rund 60.000 desertierte Soldaten der Regierungsarmee gründen die „Freie Syrische Armee“ (FSA). Das Land steuert immer mehr auf einen Bürgerkrieg zu. Im Laufe der Zeit zersplitterte sich die FSA immer mehr. Das wiederum verhalf den religiös motivierten Gruppierungen zu mehr Ansehen auf Seiten der Rebellen.

Der Syrienkonflikt 2012-2013

Februar 2012

Bashar Assad, syrischer Präsident

Der syrische Präsident Baschar al-Assad lässt ein Verfassungsreferndum durchführen. Unter anderem schafft er das Einparteiensystem ab und damit die uneingeschränkte Macht der Baath-Partei.  Assad will damit auf die Unruhen im Land reagieren und lässt 14,6 Millionen Syrer über die Verfassungsänderung abstimmen. Sie wird angenommen, aber ausländische Wahlbeobachter wurden im Vorfeld nicht zugelassen.

März 2012

Die al-Qaida wird die zweitgrößte Oppositionsgruppe. Zugeschrieben werden ihr Bombenanschläge in Aleppo und Damskus. Lokale Oppositionsgruppen werden gezielt von al-Quaida unterwandert.

Dezember 2012

Alleppo ist die größte Wirtschaftsmetropole in Syrien. Deshalb ist auch die Stadt hart umkämpft. Um die Jahreswende erleben die Regierungstruppen harte Rückschläge. Der baldige Fall der Regierung von Präsident Assad wird prophezeit.

Februar 2013

Nach Erkenntnissen der UN kam bis Februar 2013 70.000 Menschen bei den Kämpfen ums Leben.  Bereits drei Monate später spricht die Organisation von 80.000 Todesopfern.  Zu diesem Zeitpunkt befanden sich eine Million Syrer auf der Flucht.

März 2013

Immer mehr religiös gefärbte Gruppen entstanden. Sie gingen gegen Jedoch gegen Hilfsorganisationen vor und das stabilisierte hingegen wieder die syrische Regierung. Gleichzeitig treffen immer mehr schiitischen Hisbollahs aus dem Libanon ein, um die Truppen von Assad zu unterstützen.

April 2013

Berichte werden bekannt, dass Assad Giftgas durch die syrische Armee einsetzen lässt. Rebellen sollen im Gegenzug Sarin verwendet haben.  Erst nach heftigen intenationalen Druck lässt Assad die Vorfälle im August durch UN-Experten  untersuchen. Sie bestätigten, dass Giftgas durch Regierungstruppen eingesetzt wurden.

Mai 2013

Der britische Außenminister William Hague räumt ein, dass Syrien zur „ersten Adresse“ für Dschihadisten aus der ganzen Welt aufgestiegen sei. Wenig später schätzte der Bundesverfassungsschutz die Zahl derer aus Deutschland, die sich im syrischen Kriegsgebiet aufhalten oder auf dem Weg dorthin befinden, auf 200 Personen – mit steigender Tendenz. Eine zu Jahresbeginn 2014 veröffentlichte israelische Studie schätzt die Zahl ausländischer Dschihadisten auf 6.000–7.000, davon 4.500 aus der arabischen Welt und 1.000 aus Europa.

Bis Juli 2013

Nach UN-Angaben starben bis  Juli 2013 mehr als 100.000 Menschen. Gleichzeitig flohen bis Mai 2013 eine Million Syrer aus dem Land und vier Millionen befanden sich noch auf der Flucht. Der Iran schickt immer wieder eine Revolutionsgarde zur Unterstützung der Regierungstruppen nach Syrien. Die US-amerikanische Defense Intelligence Agency zählte zu diesem Zeitpunkt rund  1.200 Oppositionsgruppen in Syrien.

August 2013

Staatspräsident al-Assad zieht sein Angebot zurück, mit der Opposition über Frieden zu verhandeln. Er kündigt an den Aufstand mit militärischer Gewalt niederzuschlagen. Unterstützt wird er dabei von der islamischen Organisation Hisbollah. Zu diesem Zeitpunkt stieg die Zahl der Vertriebenen laut UNICEF auf 4,2 Millionen innerhalb Syriens und 2,6 Millionen Flüchtlinge, die das Land verlassen haben.

September 2013

Präsident Baschar al-Assad stimmt am 10. September dem Beitritt des Landes zur Chemiewaffenkonvention und der Abschaffung seines Chemiewaffenarsenals zu.  Zu diesem Zeitpunkt schätzt man die Zahl der oppositionellen Kämpfer auf 100.000, darunter Dschihadisten der al-Quaida und radikale Islamisten aus Syrien. Immer mehr an Bedeutung gewinnt die Gruppierung IS, Islamischer Staat. Sie entwickelt sich zur dominanten militärischen Präsenz im Norden Syriens.

November 2013

Sieben islamistische Rebellengruppen bilden zusammen die Islamische Front mit rund 45.000 Kämpfern. Es wird vermutet, dass sie finanziell von Saudi-Arabien unterstützt werden.  

Der Syrienkonflikt ab 2014

Januar 2014

Barzeh nahe Damaskus

Die Islamische Front eröffnet eine Offensive gegen den IS. Ihm wird eine rücksichtslose Ausbreitung der Scharia vorgeworfen. Bei den Kämpfen kamen fast tausende Bewaffnete auf beiden Seiten ums Leben.

April 2014


Das Büro des Hochkommissars für Menschenrechte beziffert die Zahl der Toden im Syrienkrieg auf über 191.000. Ein Jahr später wurde die Zahl durch die UN auf mindestens 250.000 Opfer geschätzt.

Mai 2014

Es kommt zu mehreren Vereinbarungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen, die unter anderem zur kampflosen Räumung der Stadt Homs durch Rebellentruppen führten.

September  2014

Der IS geht brutal gegen Zivilisten vor und liefert sich einen erbitterten Kampf um die Stadt Kobane. Es kommt zu einer Massenflucht.

Januar 2015

Ende Januar 2015 wurden die Milizen des IS aus Kobane vertrieben.
März 2015
Das syrische Regime verliert eine zweite Provinz. Neben Raqqa hat die Jabhat al-Nusra (JaN) auch die Stadt Idlib eingenommen.

Mai 2015

Der IS startet eine Offensive auf die Stadt Palmyra. Sie gilt als strategisch wichtig, gleichzeitig ist sie seit 1980 UNESCO-Weltkulturerbe. Der IS begann dort systematisch kulturell wichtige Bauwerke zu sprengen. Zu diesem Zeitpunkt beherrscht erstmals der IS 50 Prozent des Territoriums in Syrien.

August 2015

Russland beginnt mit dem Aufbau einer Basis in Latakia. Von dort aus soll es den Luftstreitkräften möglich sein, die syrischen Regierungstruppen zu unterstützen.

Oktober 2015

Russland greift in den Krieg ein und schickt Marschflugkörper, unterstütz die Regierungstruppen mit Waffenlieferungen und Militärberatern. Sie schickt aber auch eigene Soldaten, Schiffe und Flugzeuge. Russland ist mit der syrischen Regierung durch eine Jahrzehnte andauernde Zusammenarbeit verbunden. Gemeinsam mit China stimmte Russland zweimal im Sicherheitsrat der UN gegen Sanktionen für Syrien und gegen Beobachtermissionen im Land.
Gleichzeitig nimmt erstmalig auch der Iran an den Syrien-Gesprächen in Wien teil. Erstmals saßen somit die Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien an einem Verhandlungstisch.

Januar 2016

Immer mehr regimetreue Kräfte aus dem Iran, Libanon und Afghanistan kommen unter dem Schutz der russischen Luftwaffe nach Syrien. Sie versuchen die Rebellengruppen aus der Stadt Aleppo zu vertreiben.  Gleichzeitig schneiden sie dem IS die Nachschubroute für Rebellen ab. Doch die wird auch für Hilfslieferungen der Zivilbevölkerung genutzt. Es wird eine humanitäre Katastrophe für die 350.000 Menschen in Aleppo befürchtet. Die beiden konkurrierenden Al-Qaida-nahen Organisationen, der IS und Jabhat al-Nusra (JaN), konnten sich dennoch auf dem Schlachtfeld behaupten.

Februar 2016

Die Kämpfe eskalieren, vor allem im Raum um Aleppo. Assads Regierungstruppen und Verbündete gewinnen Gebiete zurück. Der IS wird zurückgedrängt. Die türkischen Streitkräfte melden, dass das Militär Angriffe auf Kurden in der nordsyrischen Provinz Aleppo gestartet haben. Syrische Regierungstruppen haben den Beschuss erwidert. Die USA riefen die Türkei zum Stopp der Angriffe auf. Zwischen den USA und der Türkei gibt es immer wieder  Streit über die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg. Washington unterstützt die Partei der Demokratischen Union (PYD). Die Türkei sieht diese Partei als Terroristen an.

Aktuelle Situation

Bei Luftangriffen der USA wird die Stadt Al-Schahadi in der Nähe der Grenze zum Irak angegriffen. Die UN will gleichzeitig jetzt Konvois mit Hilfsgütern losschicken, um die von Regierungstruppen eingeschlossenen Städte Sanadani, Madamijeh und Madaja, aber auch in von Rebellen belagerte Ortschaften wie Fuaa oder Kafraja zu versorgen.


5