10

Pfingsttreffen der Sudetendeutschen Heute spricht Seehofer

"Verständigung suchen – Europas Mitte gestalten": Unter diesem Motto kommen dieses Wochenende in Augsburg die Sudetendeutschen zu ihrem Pfingsttreffen zusammen.

Von: Beate Mangold und Claudia Knöpfle

Stand: 04.06.2017

Besucher in Tracht der Wischauer Sprachinsel bei der Eröffnung des 68. Sudetendeutschen Tages in Augsburg | Bild: dpa-Bildfunk

Am Vormittag wird Ministerpräsident Seehofer in Augsburg erwartet. Er wird eine Rede halten. Der Höhepunkt zum Auftakt am Samstag: Die Verleihung des Europäischen Karlspreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Jedes Jahr wird der Preis für "Besondere Verdienste um eine gerechte Völkerordnung in Mitteleuropa verliehen" – dieses Jahr an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU).

Lob für Bouffier

Bernd Posselt von der CSU, der Repräsentant der Sudetendeutschen Volksgruppe, würdigte Bouffier als kämpferischen Europäer, Brückenbauer zwischen den Völkern und engagierten Freund der deutschen Heimatvertriebenen. Als Sohn einer aus Jugoslawien stammenden Donauschwäbin wisse Bouffier aus persönlicher Betroffenheit, wie grausam Nationalismus sein kann und stelle sich dem entgegen. Vor ihm haben unter anderem Franz Josef Strauß und der Horst Seehofer (beide CSU) den Karlspreis erhalten.

Hoher Besuch aus Tschechien

Auch der tschechische Vizeregierungschef Pavel Belobradek nimmt als bisher ranghöchster tschechischer Politiker am Sudetendeutschen Tag teil. Der 40-Jährige ist Parteivorsitzender der Christdemokraten (KDU-CSL), des Juniorpartners in der Mitte-Links-Regierung in Prag.

Vor einem Jahr hatte mit Kulturminister Daniel Herman erstmals ein tschechischer Regierungsvertreter auf dem Pfingstreffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft gesprochen. Er warb damals für ein stärkeres Miteinander in Europa. Ein Jahr zuvor hatte sein Parteikollege Belobradek eine Videobotschaft geschickt.

Vorträge und Volkstanz

Der Samstagnachmittag stand beim Sudetendeutschen Tag im Zeichen der verschiedenen Vereine und ihrer Vorträge, gefolgt vom Sudetendeutschen Volkstanzfest mit Musik aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien.

Hintergrund Sudetendeutscher Tag

Das Zusammentreffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft findet seit 1950 jährlich zu Pfingsten statt, seit 1993 ausschließlich in Nürnberg und Augsburg. Mehrere zehntausend ehemalige Deutschböhmen, Deutschmährer, Deutschschlesier und ihre Nachkommen nehmen alljährlich an den Veranstaltungen teil, um an ihre ehemalige Heimat zu erinnern und Bräuche und Tänze lebendig zu halten.

Gegen die Sudetendeutsche Landsmannschaft wurde in Tschechien lange Zeit der Vorwurf des Revanchismus erhoben. Erst die Entscheidung des Vertriebenenverbands, den Anspruch auf die "Rückgabe der Heimat" aus der Satzung zu streichen, machte eine Annäherung möglich. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren rund drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben worden. 


10

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Hans-Joachim Sauermann, Sonntag, 04.Juni, 19:47 Uhr

7. Bernd Posselt

Die Bilder der sogenannten Repräsedanten rufen bei mir Widerspruch aus. Gegründet wurden die Vertriebenenverbände für die Menschen ,heute hat man den Eindruck die Spitzen der Verbände haben in erster Linie ihr eigen Wohl im Blick und die Flüchtlinge und deren Nachkommen haben zu funktionieren.<letzte Woche war ich auf dem Heimatreffen in Georgswalde. Es werden immer weniger und es fehlen die Nachkommen bei den Treffen.Sicher ist da jeder in seiner Familie gefordert, aber Herr Posselt und Co sollten zur Kenntnis nehmen , dass es sehr viele Sudetendeutsche außerhalb Bayerns gibt. Hier ist eine Betreuung in Sachen Geschichte erforderlich . Aber hier hat man einen begrenzten Blick . Ich habe sehr viele Kontakte mit Familien aus dem Sudetenland , die heute in NRW, MV, Thüringen oder Sachsen wohnen . Keiner fühlte sich von Herrn Posselt vertreten.Wenn das sich nicht ändert gibt es in 10 Jahren keine Heimattreffen mehr.
VG Jochen Sauermann

Kritikwürdig , Sonntag, 04.Juni, 12:25 Uhr

6. Flüchlinge heute und in der Vergangenheit

Jedes Leid ist schlimm und verdient Beachtung.
Dennoch, die aktuellen Flüchlingsströme mit den damaligen in einen Topf zu werfen, ist sehr gewagt, um es milde auszudrücken.
Fast alle Deutschen waren Täter oder Mittäter, oder haben den Irsinn stillschweigend unterstützt. Und meine Vorfahren haben ein noch nie dagewesenes Leid über die Menscheit gebracht. Das diese Gewalt am Ende auf einen selbst einwirkt wird jeder begreifen.
Das macht das Leid der Deutschen oder Deutschstämigen nicht leichter, nur rate ich den Betroffenen besser zu schweigen und sich mit dem Thema Ursache und Wirkung auseinander zusetzen.
Mir ist es auch schleierhaft, warum Mensch so an der Vergangenheit festhalten. Das scheint ein massives Problem der Deutschen zu sein.
Reicht es nicht, sich einfach als Deutscher zu bezeichnen?
Deutschland in seinen heutigen Grenzen differenziert sich schon genug untereinander, was kulturell schön sein mag, das Zusammenleben aber belastet, wenn einer glaubt er sei d. b. De.

  • Antwort von Seppl, Sonntag, 04.Juni, 13:54 Uhr

    Natürlich war meine 14 jährige Tante Schuld am Krieg und sie war für alles verantwortlich, was in dem Zusammenhang von deutscher Seite verbrochen wurde? Darum ist es ihr ganz recht gerschehen, was ihr dann passiert ist? Wollen Sie das damit sagen?

    So einen Schwachsinn, wie Sie ihn hier schreiben, muß man leider öfters ertragen. Es wurde ja hier schon festgestellt: viele hassen und verachten die Vertriebenen. Sie werden zu Sündenböcken gemacht und ausgegrenzt. Da ist schnell von Kollektivschuld die Rede.

Argus A., Sonntag, 04.Juni, 07:19 Uhr

5. Flüchtlinge und Vertriebene

Das Schicksal der Sudetendeutschen und anderer Vertiebenen und geflüchteten Menschen wird weitgehend totgeschwiegen.

Während heute jeder, der sich als Flüchtling ausgibt jeder Aufmerksamkeit durch die staatsnahen Medien sicher sein kann, wird über die 13 Millionen Vertiebenen nach dem letzten Krieg geschwiegen.

Für die Betroffenen und deren Nachkommen ist dies kränkend. Ihr Leid wird negiert, mit Emphatie können sie nicht rechnen, eher mit Hohn und Spott. Die Medien und die Mehrheitsgesellschaft verachten diese Menschen.

  • Antwort von Sonja R.S., Sonntag, 04.Juni, 11:41 Uhr

    *Das Schicksal der Sudetendeutschen und anderer Vertriebenen und geflüchteten Menschen wird weitgehend totgeschwiegen.*

    Waren sie nicht in der Schule ?
    Lesen sie keine Zeitung ?
    Keine Beiträge beim BR oder sonstigen Anbietern ?
    Dazu wird zum Gedenken immer ausführlich über das ganze Geschehen berichtet.

    *Die "staatsnahen" Medien und die Mehrheitsgesellschaft verachten diese Menschen.
    Woher " wissen" sie das ?*
    Solche Behauptungen aufzustellen, finde ich mehr als " fragwürdig " .

    Natürlich kommt dann noch der Satz, dass die Flüchtlinge heute jede Aufmerksamkeit
    bekommen. Da müssten doch gerade sie sehr viel Verständnis haben.

  • Antwort von Argus A., Sonntag, 04.Juni, 14:11 Uhr

    Ihre Antwort ist eine reine Provokation ohne Inhalt (Troll). Auf so ein Niveau begebe ich nicht herab.

    Wo steht, dass die staatsnahen Medien die Vertriebenen verachten?

Seppl, Samstag, 03.Juni, 22:07 Uhr

4. @Barbara: Es schmerzt immer noch.....

Mein Vater stammte aus dem Böhmerwald. Mein Großvater war Sozialdemokrat. Nach dem Anschluß verlor er die Arbeit, mein Vater wurde von der Schule verwiesen.
Nach dem Krieg wollte meine Großmutter nicht aussiedeln, entging der Vertreibung und wurde in die Slowakei deportiert. Dort mußten sie ohne Lohn Zwangsarbeiten. Überlebt haben sie, weil sie aus dem Schweinetrog Kartoffeln stahlen. Meine damals 14 jährige Tante wurde mehrmals vergewaltigt, als man sie mit Männern allein in den Forst zur Arbeit schickte. Frauen waren Freiwild.
Mein Vater flüchtete aus der Slowakei, der Rest kam 1949 nach.

Die Ereignisse haben tiefe Wunden hinterlassen, die teils nie verheilt sind. Meine Oma hatte selbst mit 87 Jahren immer noch Heimweh, obwohl sie sich nur 12 km entfernt von ihrem alten Dorf auf Bayerischer Seite angesiedelt hatten.

Trotzdem bleibt nur die Versöhnung. Auch auf tschechischer Seite ist da langsam einiges in Gang gekommen.

Ich wünsche Ihnen die Gabe, nach vorne zu blicken.

Barbara, Samstag, 03.Juni, 15:27 Uhr

3. Wie kam es zur Vertreibung der Sudetendeutschen?

Nach dem 2. Weltkrieg setzte eine ungeahnte 20jährige Tschechisierungspolitik ein, wobei die sudetendeutsche Volksgruppe massiv unterdrückt wurde. (...) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 03.Juni, 19:33 Uhr

    Es nützt nichts, wenn Sie die Wahrheit der Geschichte wegradieren! Anscheinend wollen Sie die Fakten der Vertreibung nicht hören. Es gibt noch genügend Zeitzeugen, die Ihnen Rede und Auskunft über die grausame Vertreibung der Sudetendeutschen geben können. Jede Beschönigung oder Wegradieren der Fakten ist nutzlos!

  • Antwort von Ursache und Wirkung sind nicht zu verdrehen!, Sonntag, 04.Juni, 00:23 Uhr

    Wie es zu der Vertreibung kam?
    Da waren genug da, die über den Anschluss ans Reich gejubelt haben.
    Vor allem aber waren es die sehr vielen Greueltaten der Deutschen in den Ostgebieten.
    Nach dem Krieg wollte man eben keine Deutschen mehr im Land haben.
    Wie es durchgeführt wurde, ist natürlich grenzwertig.
    Wäre es andersherum gewesen, hätten wir es wahrscheinlich auch so ähnlich gemacht.

  • Antwort von Seppl, Sonntag, 04.Juni, 09:50 Uhr

    Von den 3.200.000 Sudetendeutschen kamen im Rahmen der Vertreibungen innerhalb weniger Monate 312.000 namentlich bekannte Menschen ums Leben (die Zahlen differieren je nach Quelle, die Größenordnung - ca. 10 % Vertreibungsverluste - ist aber unbestritten). Viele von ihnen wurden erschlagen, zu tode Vergewaltigt, auf jede nur denkbare Weise ums Leben gebracht. Und das nennen Sie grenzwertig?

  • Antwort von gegr. v. Hans-Dietrich Genscher u. Jiri Dienstbier, Sonntag, 04.Juni, 12:55 Uhr

    Die Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission belegt ca. 19.000 Tote und geht von max. 30.000 Opfern von Gewaltverbrechen/Hunger/Krankheit aus.

  • Antwort von Krummauer, Sonntag, 04.Juni, 14:14 Uhr

    Ursache für die Vertreibung war nicht der zweite Weltkrieg, der lieferte nur die Gelegenheit. Die Pläne für die Vertreibung ("ethnische Säuberung") gab es schon seit dem 19. Jhdt. und wurden seit Anfang des 20. Jhdts. offen ausgesprochen.