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Unwetterwarnungen Sturmtief "Burglind" beeinträchtigt Bayern

Sturm, Gewitter, Regen: Von den Alpen bis zur Küste bringt Sturmtief "Burglind" Gewitter und Wind zum Teil in Orkanstärke. Für fast ganz Bayern gilt eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes, Unterfranken hat das Schlimmste bereits hinter sich, ebenso wie der schon am frühen Morgen betroffene Westen Deutschlands.

Stand: 03.01.2018

Gegen 7.30 Uhr hatte Sturmtief Burglind Unterfranken erreicht. Bei der Einsatzzentrale der Polizei gingen Notrufe im Minutentakt ein. Die A3 bei Bessenbach ist in Fahrtrichtung Würzburg derzeit gesperrt, weil ein Lkw in einen umgestürzten Baum gefahren ist. Die Notrufe kamen vor allem aus dem Raum Aschaffenburg und dem Landkreis Main-Spessart. Laut Michael Zimmer, Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, meldeten die Anrufer vor allem umgestürzte Bäume und heruntergefallene Dachziegel. "Bisher ist glücklicherweise niemand verletzt", so Zimmer. In der Nähe der A3-Anschlusstelle Bessenbach (Lkr. Aschaffenburg) ist ein Lkw mit Anhänger in einen umgestürzten Baum geprallt. Die Bergungsarbeiten laufen, die Autobahn ist in Fahrtrichtung Würzburg gesperrt. Auf den Bahnstrecken gibt es laut Bundespolizei aktuell keine Einschränkungen.

Bäume und Verkehrsschilder krachen auf Autobahn

Auch in Mittelfranken sorgt "Burglind" für Behinderungen. Am Albrecht Dürer-Airport in Nürnberg wurde am Morgen für wenige Minuten die Abfertigung von Flügen eingestellt. Grundsätzlich erwartet der Flughafen nach Angaben einer Sprecherin aber keine größeren Auswirkungen. Auf der A3 zwischen Erlangen-Nord und Tennenlohe in Richtung Würzburg ist ein Baum auf die rechte Spur gekracht. Auf der A6 zwischen der Raststätte Kammersteiner Land und Schwabach-West liegen mehrere Verkehrsschilder auf der Fahrbahn. Innerhalb einer Stunde (Stand 9:35 Uhr) rückte die Polizei in Mittelfranken 13 Mal unwetterbedingt aus. Vor allem in Westmittelfranken stürzten Bäume und Bauzäune um. Mancherorts drohen Stromleitungen herunterzufallen, so die Polizei. Menschen kamen noch nicht zu Schaden. Aufgrund von Bäumen im Gleis ist derzeit die Zugstrecke zwischen Triesdorf und Gunzenhausen gesperrt.

Münchner Feuerwehr im Sturm-Stress

Auch in Oberbayern zeigt der Sturm erste Folgen. Die Berufsfeuerwehr München hat schon jetzt mehr als ein Dutzend Einsätze wegen des Sturmtiefs gemeldet. Im Münchner Stadtgebiet sind nach Angaben der Polizei einzelne Ampeln ausgefallen. Die Polizei appeliert an alle Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren. Die Besucherplattform auf dem Olympiaturm ist aufgrund der aktuellen Warnlage für Touristen gesperrt worden. Der Olympiaturm selbst ist aber zugänglich. Die Herreninsel im Chiemsee wird derzeit nicht mehr von den Ausflugsschiffen angefahren. Im Zugverkehr hat die Deutsche Bahn bereits gestern auf ihren blauen Anzeigetafeln vor Verzögerungen gewarnt. Derzeit sind werden aber alle Strecken im Raum Oberbayern noch befahren. Jedoch geht die Bahn davon aus, dass im Laufe des Tages mit Einschränkungen zu rechnen sei. Am Flughafen München läuft derzeit alles nach Plan. Wenn zusätzlich zum Sturm noch Gewitter auftreten, ist jedoch auch hier mit vermindertem Betrieb zu rechnen.

Zoos und Bergbahnen betroffen

Sturmbedingt geschlossen: Tierpark Hellabrunn

Mehrere Zoos in Bayern bleiben wegen Sturm "Burglind" heute geschlossen. "Zur Sicherheit von Besuchern, Tieren und Mitarbeitern haben wir entschieden, den Tierpark heute nicht zu öffnen", teilte der Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn mit. "Bei orkanartigen Böen besteht beim alten Baumbestand Hellabrunns eine starke Gefahr vor herunterfallenden Baumteilen. Gefährliche Tiere wie Großkatzen und Bären bleiben in ihren Ställen." Auch der Augsburger Zoo teilte mit, dass er aufgrund der aktuellen Wetterwarnung geschlossen bleibe, ebenso verfährt der Tiergarten in Nürnberg. Die Zugspitzbahn bleibt heute zu, das Alpspitzskigebiet ist geschlossen, auch die Wankbahn und die Kabinenbahn am Brauneck fahren heute nicht. Auch am Wendelstein verkehren Zahnradbahn und Seilbahn nicht, im Spitzinggebiet fährt die Suttenbahn nicht, die Stümpflingbahn schon.

Warnungen für ganz Bayern

Im Tagesverlauf wird Sturm "Burglind" weitere Teile Bayerns in Mitleidenschaft ziehen. Derzeit gilt für den Süden Bayerns eine amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Gerechnet wird in den betroffenen Regionen mit Gewittern und Orkanböen mit Geschwindigkeiten um 120 km/h sowie Hagelschlag. Für Franken gab der DWD eine Warnung vor "markantem Wetter" mit schweren Sturmböen zwischen 80 und 100 km/h heraus. In exponierten Lagen könnten auch 110 km/h erreicht werden.

Verhalten bei Unwetterwarnung

Der DWD fordert dazu auf, in den Gebieten mit Unwetterwarnung Fenster und Türen fest zu schließen und Gegenstände im Freien zu sichern. Personen sollten den Aufenthalt im Freien möglichst meiden, so der DWD, und Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten. Auch in den Gebieten mit "Markantem Wetter" sollten die Menschen auf herabfallende Äste oder Dachziegel achten.

Westdeutschland stark betroffen

Im Westen Deutschlands hat "Burglind" schon am frühen Morgen für etliche Schäden und Beeinträchtigungen gesorgt. Heftige Orkanböen warfen in Rheinland-Pfalz zahlreiche Bäume um. Viele Straßen waren blockiert, vor allem in der Eifel und im Hunsrück. Alle Einsatzstellen seien am Rotieren, sagte eine Polizeisprecherin. Einen Überblick über das Ausmaß der Schäden gab es zunächst nicht. "Ich glaube, wir werden diese Bäume heute nicht mehr zählen können." Es seien einfach zu viele, erklärte die Sprecherin. Sie rechnete mit erheblichen Behinderungen im Berufsverkehr. Auch in Rheinhessen sorgte der Sturm für Schäden. Bei Wörrstadt stürzte ein Baum auf die Autobahn 63.

Zug springt von den Schienen

Entgleister Zug im Münsterland

In Nordrhein-Westfalen ist der Bahnverkehr durch den Sturm beeinträchtigt, mehrere Zugverbindungen fielen aus. Auf der Strecke zwischen Coesfeld und Dortmund prallte ein Zug auf einen umgestürzten Baumstamm. Dabei entgleiste der Triebwagen und rutschte trotz Schnellbremsung etwa 120 Meter durch das Gleisbett. Von den rund 70 Fahrgästen wurde nach ersten Erkenntnissen offenbar niemand verletzt.


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Motzki, Mittwoch, 03.Januar, 12:08 Uhr

1. Vielleicht mal Bäume rechtzeitig fällen?

Ich verstehe nicht, warum bei Sturm immer wieder Bäume auf Bahngleise und Autobahnen fallen.
Gibt es denn niemanden, der abschätzen kann, wie hoch der Baum ist und wie weit von der Bahnstrecke entfernt? Und wenn nötig wird der Baum eben gefällt?
Muss denn erst bei jedem Sturm Verkehrschaos ausbrechen? Es wäre so leicht zu vermeiden.

Und an die Umweltschützer: Nein, ein Baum, der auf Verkehrswege fällt und Menschen gefährdet, ist nicht schützenswert. Es ist nicht schlimm, wenn neben Bahnstrecken Sträucher wachsen. Auch ein Strauch ist Umwelt und ist von Tieren besiedelt.

  • Antwort von GH, Mittwoch, 03.Januar, 12:40 Uhr

    stehen Sie der CSU nahe?

    Alles Grünzeug weg, nur noch Gewerbegebiete?

  • Antwort von Oliver M., Mittwoch, 03.Januar, 12:43 Uhr

    Das sehen die Naturschützer aber anders ... Genau deswegen ist großflächiger Freischnitt neben Verkehrswegen auch nicht möglich. Was glauben Sie, wie Grüne und Umweltschützer brüllen wurden, würde es die böse böse Bahn wagen, großflächig frei zu schneiden? Da riskiert man dann schon mal, dass ein Zug durch einen Baum entgleist, ins Nachbargleis gerät und dort evtl. mit einem anderen Zug kollidiert ...

  • Antwort von Landrat Dr. Weiglhammer, Mittwoch, 03.Januar, 13:01 Uhr

    Wieso sind eigentlich alle, die gegen übermäßiges Baumfällen, sind, "die Umweltschützer"?

    Daß in größeren Bäumen andere Tiere leben als in Sträuchern, sollte man eigentlich schon in der Grundschule gelernt haben.

  • Antwort von L. Lutz, Mittwoch, 03.Januar, 13:23 Uhr

    @Motzki ~ Stimmt, Sträucher sind sehr wertvoll für unsere ganze Umwelt und ein enorm wichtiger Lebensraum für (Klein)Tiere aller Art z. B.auch für
    Insekten. aber Bäume müssen auch mit dabei sein. Bäume (die Menschen , Gebäude, Straßen etc. gefährden könnten - werden regelmäßig von gut
    ausgebildeten Fachleuten - im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht - kontrolliert , aber selbst kerngesunde Bäume können bei entsprechender
    Windstärke abbrechen oder umfallen. Daraus folgt - noch Ihrer geschätzten Meinung zwingend - alle Bäume müssten gefällt werden. Ich freue mich schon
    darauf ,endlich wird uns dann kein Baum mehr gefährden können, im Weg sein, die Sicht behindern und wir könnten dann endlich auch bei Sturm auf
    "Waldwegen" spazieren gehen, radeln usw.