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Schäden und Beeinträchtigungen Sturm "Burglind" sorgt in Bayern für Behinderungen

Von den Alpen bis zur Küste bringt Sturmtief "Burglind" heute in weiten Teilen Deutschlands Gewitter und Wind zum Teil in Orkanstärke. In Bayern sind bisher vor allem Unter- und Mittelfranken sowie Oberbayern und Schwaben betroffen. Feuerwehr und Polizei verzeichneten zahlreiche "Sturm-Einsätze", es kam zu etlichen Verkehrsbehinderungen.

Stand: 03.01.2018

Im Landkreis Bamberg hat Sturmtief Burglind in Wind bei Pommersfelden am Montagvormittag (03.01.2018) schwere Schäden hinterlassen.  | Bild: News5

Aufräumarbeiten auf der Autobahn

In Bayern war zunächst Unterfranken von dem Sturm betroffen. Gegen 7.30 erreichte "Burglind" die Region. In den Morgenstunden seien bei der Einsatzzentrale nahezu im Minutentakt Notrufe eingegangen, berichtete ein Polizeisprecher. Auf der Autobahn 3 war auf Höhe der Anschlussstelle Bessenbach/Waldaschaff ein entwurzelter Baum auf die Fahrbahn gestürzt. Ein Lkw-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte mit seinem mit 15 Tonnen Metallrohren beladenen Sattelzug gegen das Geäst. Der Fahrer blieb unverletzt. Im Landkreis Main-Spessart war die Staatsstraße 2435 zwischen Steinbach und Wiesenfeld wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt. In der Rhön wurden in mehreren Orten aufgrund der großen Niederschlagsmengen Straßen und Gehwege überschwemmt. Im Stadtgebiet Aschaffenburg stürzten mehrere Bäume um.

Burglind weht Bäume und Verkehrsschilder auf Autobahn

"Burglind" ist da: heftiger Regen in Nürnberg

Auch in Mittelfranken sorgte "Burglind" für Behinderungen und Schäden. Auf der B8 bei Pfeiferhütte im Landkreis Nürnberger Land stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto. Die Fahrerin musste aus ihrem Wagen befreit werden, blieb aber unverletzt. Innerhalb von zwei Stunden rückte die Polizei in Mittelfranken zu über 50 Einsätzen aus. Dabei handelte es sich meistens um umgewehte Bäume und Bauzäune. Zwischen Altentrüdingen und Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach stürzte ein Strommast um. Im Landkreis Ansbach kam es am Morgen vorübergehend zu Stromausfällen. Auch der Zugverkehr ist beeinträchtigt. Zwischen Nürnberg und Schwabach können Züge nur langsam fahren. Zwischen Triesdorf und Gunzenhausen ist der Verkehr weiter ganz eingestellt. Am Albrecht Dürer-Airport in Nürnberg wurde am Morgen für wenige Minuten die Abfertigung von Flügen eingestellt. Grundsätzlich erwartet der Flughafen aber keine größeren Auswirkungen.

Sturm richtet Verwüstungen im Bamberger Land an

Sturmschäden in Pommersfelden

Weite Teile Oberfrankens blieben vom Sturm verschont, im Pommersfeldener Ortsteil Wind (Lkr. Bamberg) hat "Burglind" aber eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Wie der zuständige Kreisbrandinspektor dem BR sagte, bildete sich dabei auch eine Windhose. Der Sturm brachte mehrere Bäume, darunter eine rund einen Meter dicke Eiche, zum Umstürzen. Der Baum fiel quer über die Straße. Außerdem stürzte eine Scheune komplett ein, mehrere Dächer wurden teilweise abgedeckt.

Umgestürzte Bäume und einzelne überschwemmte Straßen gab es laut Polizeipräsidium Oberfranken auch in anderen Teilen des Regierungsbezirks. Größere Schäden oder verletzte Personen sind bislang aber nicht gemeldet worden.

Heftige Sturmböen in Augsburg

Von "Burglind" gefällt: umgestürzter Baum in Augsburg

In Schwaben sind vom Unwetter nach Aussage der Einsatzzentrale besonders die Landkreise Dillingen und Augsburg vom Sturm betroffen. Die Feuerwehr in Augsburg ist zur Zeit damit beschäftigt, Gehwege und Straßen zu sichern oder umgekippte Bauzäune aufzurichten, heftige Windböen ließen mehre Bäume umstürzen. Der Augsburger Zoo hat heute nicht wie gewohnt um 9 Uhr seine Pforten geöffnet. Der Botanische Garten der Stadt wird heute ebenfalls geschlossen bleiben. Bei Affing (Lkr. Aichach-Friedberg) wurde am Vormittag eine 57-Jährige Autofahrerin bei einem Zusammenstoß mit einem umstürzenden Baum leicht verletzt.

Münchner Feuerwehr im Sturm-Stress

Auch in Oberbayern zeigt der Sturm erste Folgen. Die Berufsfeuerwehr München meldete mehr als ein Dutzend Einsätze wegen des Sturmtiefs. Im Münchner Stadtgebiet sind nach Angaben der Polizei einzelne Ampeln ausgefallen. Die Polizei appeliert an alle Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren. In Hechendorf im Landkreis Starnberg fiel ein Baum auf eine S-Bahnoberleitung. In Aufkirchen sowie in Gröbenzell stürzten Bäume auf zwei Häuser. Die Herreninsel im Chiemsee wird derzeit nicht mehr von den Ausflugsschiffen angefahren. Am Flughafen München läuft derzeit alles nach Plan. Laut Deutscher Bahn ist heute Nachmittag mit weiteren Streckensperrungen im Raum München zu rechnen. „Es kann sicherlich sein, dass der Berufsverkehr davon noch betroffen sein wird“, sagte DB-Sprecher Bernd Honerkamp dem Bayerischen Rundfunk. Derzeit fährt die S8 in München nicht.

Stromausfälle in mehreren Regionen

"Burglind" hat in Bayern für zahlreiche Stromausfälle gesorgt. Gegen Mittag waren noch rund 3.000 Haushalte und Betriebe in Oberbayern, Niederbayern und Unterfranken ohne Strom, sagte ein Sprecher der Bayernwerk AG. Am Vormittag war den Angaben nach in rund 10.500 Haushalten der Strom ausgefallen. Größtenteils hätten herabfallende Äste oder eingestürzte Bäume Schäden an den Stromleitungen verursacht. Besonders betroffen waren die oberbayerischen Landkreise Pfaffenhofen an der Ilm, Weilheim-Schongau und Erding. Zudem fiel den Angaben nach im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart in besonders vielen Häusern der Strom aus. Auch in Schwaben hatten einige tausend Haushalte kurzzeitig keinen Strom, wie ein Sprecher der Lechwerke AG sagte.

Zoos und Bergbahnen aus Sicherheitsgründen geschlossen

Sturmbedingt geschlossen: Tierpark Hellabrunn

Wie in Augsburg blieben heute auch andere Zoos in Bayern wegen Sturm "Burglind" geschlossen. "Zur Sicherheit von Besuchern, Tieren und Mitarbeitern haben wir entschieden, den Tierpark heute nicht zu öffnen", teilte der Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn mit. "Bei orkanartigen Böen besteht beim alten Baumbestand Hellabrunns eine starke Gefahr vor herunterfallenden Baumteilen. Gefährliche Tiere wie Großkatzen und Bären bleiben in ihren Ställen." Auch der Tiergarten in Nürnberg öffnete heute nicht. Die Zugspitzbahn bleibt heute zu, das Alpspitzskigebiet ist geschlossen, auch die Wankbahn und die Kabinenbahn am Brauneck fahren heute nicht. Auch am Wendelstein verkehren Zahnradbahn und Seilbahn nicht, im Spitzinggebiet fährt die Suttenbahn nicht, die Stümpflingbahn dagegen schon.

Aktuelle Warn-Situation in Bayern

Die Lage hat sich zuletzt etwas entspannt. Eine amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gilt inzwischen nur noch für den Alpenrand. Hier ist mit Orkanböen mit Geschwindigkeiten um 120 km/h, in exponierten Lagen auch bis 160 km/h zu rechnen. Für das übrige Bayern gibt es eine Warnung vor "markantem Wetter" mit schweren Sturmböen zwischen 80 und 100 km/h. In exponierten Lagen könnten auch 110 km/h erreicht werden.

Verhalten bei Unwetterwarnung

Der DWD fordert dazu auf, in den Gebieten mit Unwetterwarnung Fenster und Türen fest zu schließen und Gegenstände im Freien zu sichern. Personen sollten den Aufenthalt im Freien möglichst meiden, so der DWD, und Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten. Auch in den Gebieten mit "Markantem Wetter" sollte man auf herabfallende Äste oder Dachziegel achten. Der Energieanbieter Bayernwerk hat die Menschen in Bayern dazu aufgerufen, sich von Stromleitungen und Überlandleitungen fern zu halten. Das Unwetter habe Stromleitungen einer Überlandverbindung zwischen Mering, Odelzhausen und Petershausen herab gerissen.

Sturm trifft vor allem Westdeutschland

Auto mit Sturmschaden in Köln

Außerhalb des Freistaates traf der Sturm vor allem den Westen Deutschlands. Schon am frühen Morgen sorgten heftige Winde hier für etliche Schäden und Beeinträchtigungen. Heftige Orkanböen warfen in Rheinland-Pfalz zahlreiche Bäume um. Viele Straßen waren blockiert, vor allem in der Eifel und im Hunsrück. Alle Einsatzstellen seien am Rotieren, sagte eine Polizeisprecherin.

In Nordrhein-Westfalen wurde der Bahnverkehr durch den Sturm beeinträchtigt, mehrere Zugverbindungen fielen aus.

Deutsche Bahn - Zug entgleist

Auf der Strecke zwischen Coesfeld und Dortmund prallte ein Zug auf einen umgestürzten Baumstamm. Dabei entgleiste der Triebwagen und rutschte etwa 120 Meter durch das Gleisbett. Von den rund 70 Fahrgästen wurde offenbar niemand verletzt. In der Region Aachen sorgte der Sturm für einen Dauereinsatz von Polizei und Feuerwehr. Allein zwischen 05.00 Uhr bis 05.50 Uhr am gingen bei der Polizeileitstelle knapp 250 witterungsbedingte Notrufe ein.

Auch in Baden-Württemberg warf der Sturm Bäume und Bauzäne um und sorgte für Verkehrsbehinderungen.

In Stuttgart wurden Teile eines Daches abgedeckt und auf die Straße geworfen, die Feuerwehr beseitigte die Trümmer.


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