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Studie "Gleiches Recht für jede Liebe" Die "Ehe für alle" kommt an

Wenn es um die Akzeptanz von Homosexualität und Bisexualität geht, ist die deutsche Bevölkerung der Politik wohl einen großen Schritt voraus. Mehr als 80 Prozent sind für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Dennoch sind anscheinend noch nicht alle Berührungsängste überwunden.

Von: Laura Weingrill

Stand: 12.01.2017

Lesben, Schwule und Bisexuelle sind in der deutschen Bevölkerung nach wie vor von Diskriminierung betroffen – das findet zumindest der Großteil der über 2.000 Befragten einer repräsentativen Umfrage, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zu Beginn ihres Themenjahres für sexuelle Vielfalt mit dem Titel "Gleiches Recht für jede Liebe" durchgeführt wurde.

Überwältigende Mehrheit für Homo-Ehe

Laut der Studie sprachen sich rund 95 Prozent der Befragten für den Schutz und ein gesetzliches Diskriminierungsverbot aus, 83 Prozent für die Legalisierung der Ehe zwischen zwei Frauen bzw. zwei Männern.

"Die Zustimmung zur Gleichstellung bei der Ehe war noch nie höher – das zeigt, dass die Gesellschaft hier viel weiter ist als die Politik. Der Gesetzgeber darf nicht länger hinauszögern, was eine Mehrheit längst für selbstverständlich hält. Wir brauchen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und die vollständige rechtliche Gleichstellung, auch bei der Adoption."

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

"Ich möchte als Mensch die Wahl haben, ob ich heiraten möchte oder nicht und das geht im Moment eben nicht."

– Eva Apfl (23), Auszubildende

Akzeptanz mit "Aber"

Darüber hinaus waren 86 Prozent der Befragten für das geplante Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach 1945 wegen homosexueller Handlungen verurteilten Männer. Aber neben der zunehmend positiven Einstellung gegenüber Homo-, und Bisexualität zeigt die Umfrage auch, dass alle Berührungsängste noch längst nicht überwunden wurden und es noch immer Teile in der Bevölkerung gibt, die abwertende Einstellungen gegenüber Homo-, und Bisexualität haben.  

Demnach ist mehr als jeder vierte Befragte der Meinung, Homosexuelle bzw. Bisexuelle sollten aufhören "so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen". Außerdem empfinden es viele noch als unangenehm, wenn Homosexualität offen in der Öffentlichkeit ausgelebt wird – vier von zehn Befragten etwa fühlen sich unwohl, wenn sich zwei Männer in ihrer Gegenwart küssen.

"Ich bin mal mit meinem Freund Händchen haltend durch die Straßen gelaufen und das Gefühl, dass einem die Leute hinterherrufen und das ekelig finden kenne ich und das finde ich grauenhaft."

Christian Straubinger (24), Student

Endet die Toleranz vor der eigenen Haustür?

Und je weiter das Thema Homo- bzw. Bisexualität in den privaten Lebensbereich der Menschen reicht, desto mehr zeigen sich die Ängste und die Skepsis. 39,8 Prozent gaben an, es wäre ihnen "sehr" oder "eher" unangenehm zu erfahren, dass die eigene Tochter lesbisch ist; 40,8 Prozent, wenn der eigene Sohn schwul ist.

Dagegen ist es der Bevölkerung laut der Studie aber sehr wichtig, dass Kindern in der Schule Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Personen vermittelt wird. Rund drei Viertel sprachen sich dagegen aus, dass in der Schule nur heterosexuelle Paare vorkommen sollten, wenn es um die Themen Liebe und Partnerschaft geht. Jedoch waren rund drei von zehn Befragten der Ansicht, dass das Ansprechen von sexueller Vielfalt die Kinder in der Entwicklung ihrer Sexualität nur verwirre.

Für die Antidiskriminierungsstelle ein Zeichen für die Diskrepanz zwischen der weit verbreiteten Befürwortung von Akzeptanz und Gleichstellung einerseits und Vorbehalten gegenüber den konkreten Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele andererseits.

Wie wichtig der offene Umgang mit diesem Thema ist, zeigt auch diversity München, ein Jugendzentrum für LesBiSchwulen und Trans* Gruppen unter 27 Jahren. Neben gemeinschaftlichen Tätigkeiten wie dem wöchentlichen Barabend leistet diversity München auch Aufklärungsarbeit zur geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung in Schulklassen und anderen Jugendzentren. Hier läuft also das Gespräch von Jugendlichem zu Jugendlichem, ganz auf Augenhöhe.

"Als ich zu Diversity gekommen bin, habe ich mich das erste Mal wohl gefühlt. Und dieses Gefühl zu haben, dass man sein darf wie man ist, der Freigeist der man eben ist, das ist ein wunderbares und schönes Gefühl. Und das möchte ich auch nicht mehr missen."

Sophie Märkl (24)


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Thomas Weiherer, Freitag, 13.Januar, 11:56 Uhr

8. Homo-Ehe

Die Ehe soll ausschließlich heterosexuellen Paaren zugestanden werden, denn in diesem Verbund ist die natürliche Elternschaft gesichert und sinnvoll. Homosexualität kann und darf gelebt werden. Aber nicht mit den gleichen Rechten. Wozu auch?

Erich, Freitag, 13.Januar, 00:08 Uhr

7. Die Vielehe, die Kinderehe,

und vieles mehr, wird wohl bald Einzug halten....äh mit der Importierung der vielen Gäste, ist ja zumindest die Kinderehe schon mal da. Der Heiko Maas war ja schon so weit, diese zu legalisieren.....aber das hat dann doch etwas Missfallen in der Öffentlichkeit hervorgerufen und er hat eine widerwillige Kehrtwende hingelegt.

Jürgen, Donnerstag, 12.Januar, 22:05 Uhr

6. Tolleranz

Es gibt Leute die Toleranz für eigene Meinung fordern aber keine Toleranz für Andersdenke aufbringen und diese als Rassisten etc. beschipfen. Demokratie besteht aus der Vielfallt der Meinungen. Niemand sollte den anderen in eine Ecke stellen. Was Thema betrifft ist die Sache wohl klar. Man braucht ja nur in der Verfassung nachlesen was über Ehe und Familie steht und jedes Gericht wird es aus dem damaligen Zeitverständnis interpretieren.
Wenn man etwas ändern will, zunächst eine Grundgesetzänderung.

Jasmin, Donnerstag, 12.Januar, 19:55 Uhr

5. Das wichtigste ist, dass sich alle gern haben.

Das wichtigste ist, dass sich alle gern haben.

Michael Göbel , Donnerstag, 12.Januar, 19:06 Uhr

4. Es gibt nur eine Ehe

Ehe ist eine auf Dauer geschlossene Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau. In einer toleranten und aufgeklärten Gesellschaft sollten alle Lebensweisen geduldet werden. Aber nicht alles, was möglich ist, ist hilfreich und gut - daher sollte auch nicht alles gefördert werden. Ehe wird vom Staat gefördert, weil sie für die Gesellschaft wichtig ist (Kinder entstehen und wachsen in Familien auf). So etwas können paraphile (wie etwa homosexuelle) Gemeinschaften nicht leisten, sollten also auch keine staatliche Förderung erhalten. Insofern ist es längst überfällig, auch das rot-grüne Modell der "Lebenspartnerschaften" abzuschaffen. Bayern und die CSU hatten damals dagegen protestiert, versäumen es aber seit der Regierungsbeteiligung ab 2005, wirksam dagegen vorzugehen. Stattdessen erfolgt eine immer weiter gehende Gleichstellung mit der normalen Ehe, die sich sogar im neuen Grundsatzprogramm der CSU niedergeschlagen hat. Ein klarer Widerspruch zur christlichen Schöpfungslehre!