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Start ins Wintersemester 2017/18 Studenten auf Wohnungssuche

Zum Beginn des Wintersemesters sind rund 390.000 Studenten an bayerischen Universitäten und Hochschulen eingeschrieben - so viele wie noch nie zuvor. Der Freistaat muss deshalb mehr Geld in die Hochschulen und Unikliniken investieren, für viele Studierende wird es aber eng - vor allem auf dem umkämpften Wohnungsmarkt.

Von: Ute Rauscher

Stand: 12.10.2017

Wenn Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) seine großen Hochschulprojekte ankündigt, bekommt er glänzende Augen:

"Bayern ist im Bereich von ganzheitlichen und strukturell großen Projekten, kann man wirlich sagen, die Region in Deutschland die sich hier am meisten vornimmt und auch zutraut."

Ludwig Spaenle (CSU), bayerischer Wissenschaftsminister

"Heimatnahe" Unterbringung ist gefragt

Mag "heimatnahe" Studiengänge: Ludwig Spaenle

Gemeint sind die Universitätsmedizin in Augsburg und die neue Landesuniversität in Nürnberg, aber auch die Studienangebote in der Region werden ausgeweitet. Mittlerweile studieren an 16 kleinen Standorten wie Miltenberg, Kronach oder Burghausen rund 2.000 Studenten "heimatnah", wie der Minister sagt. Was auch heißt: Diese Studenten wohnen zuhause bei den Eltern - und das kann ein echter Vorteil sein. Denn nach wie vor fehlt es an günstigem Wohnraum, wie diese Studenten berichten:

"Also jetzt wohne ich aktuell in einer Wohngemeinschaft und mein Mitbewohner wohnt schon sehr lange in der Wohnung. Und dessen Oma hat in der Wohnung auch gelebt und deshalb ist der Mietvertrag sehr alt und deshalb zahlen wir ... / Ich habe so um die acht Monate ausführliche Bewerbungen schreiben müssen, inklusive Bewerbungsmappe zu den Besichtigungsterminen gehen müssen. Wir haben dann letztendlich eine Wohnung bekommen über Bekannte. Jetzt wohnen wir zu dritt auf 44 Quadratmetern und zahlen über 1.000 Euro. / Also im 1. Semester bin ich noch gependelt, hab mich dann für Studentenwohnheime hier beworben, weil das Budget recht klein war und die WGs tatsächlich nicht bezahlbar sind."

Umfrage unter Studenten

Schlechte Chancen auf dem freien Markt

Die Wartelisten für ein Zimmer im Studentenwohnheim sind lang: Allein in München stehen knapp neuneinhalbtausend Namen auf der Liste - bei gut 9.000 Plätzen insgesamt, sagt Ingo Wachendorfer vom Studentenwerk.

"Auf dem freien Markt tun sich die Studierenden natürlich besonder schwer, die Preise haben insgesamt angezogen. Sie konkurrieren auch mit gut verdienenden Berufsanfängern oder eben jungen Familen, also das ist natürlich besonders schwierig in München. Es gibt schon noch günstige Angebote, aber das ist meistens über Mund-zu-Mund-Propaganda."

Ingo Wachendorfer, Studentenwerk München

Wohnheimplätze sind überall knapp

Sehnsuchtsort Studentenwohnheim

Ähnlich sieht es am Uni-Standort Erlangen-Nürnberg aus. Die beiden Städte haben 3.300 Wohnheimplätze - mit Mieten ab 200 Euro. Viele Studierende müssen ins Umland pendeln, heißt es beim Studentenwerk. Angespannt ist die Wohnsituation mittlerweile auch in Augsburg. Zwar seien viele neue so genannte Micro-Appartements für Kapitalanleger entstanden. Doch Mieten ab 500 Euro aufwärts seien für Erstsemester einfach zu hoch.

Der Freistaat ist gefordert

Der Freistaat muss mehr günstigen Wohnraum für Studenten schaffen, fordern deshalb die Freien Wähler. Auch wenn jährlich 1.300 neue Wohnplätze mit jeweils bis zu 32.000 Euro gefördert  werden, sei das nicht genug, meint Michael Piazolo (FW), Vorsitzender im Wissenschaftsausschuss des Landtags.

"Hier hat die Staatsregierung jahrelang geschlafen. Man weiß, dass der Druck in die Ballungsräume, gerade auf München, enorm groß ist, und hier hat zu wenig gemacht, man spricht von den kleinen Steigerungen, aber es ist viel zu wenig - und die Studierenden leiden darunter, müssen auch sehr viel nebenher arbeiten, was sicherlich den Erfolg des Studiums erschwert."

Michael Piazolo (FW), MdL

Während also die Freien Wähler die Staatsregierung beim Wohnungsbau in die Pflicht nehmen, fordert Wissenschaftsminister Spaenle seinerseits mehr Geld vom Bund für Hochschulbau und Digitalisierung. Die CSU wolle bei den anstehenden Koalitionsgesprächen in Berlin eine "massive Mitwirkung" des Bundes erreichen. Vielleicht gibt es unter diesen Vorzeichen bald auch mehr Kooperation in der Schulpolitik.   


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