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Energiewende Teure Erdkabel für Bayern

Für die neuen Stromtrassen will vor allem Bayern Erdkabel statt Freilandleitungen. Doch die sind teuer: Bis zu acht Milliarden Euro zusätzlich soll die unterirdische Lösung kosten. Das Bundeskabinett hat den bayerischen Weg abgesegnet.

Stand: 07.10.2015

Die Bürgerproteste gegen den Stromnetzausbau waren massiv - und so sollen vor allem in Bayern die neuen Stromautobahnen von Nord nach Süd vorrangig mit Erdkabeln realisiert werden. Eine Lösung, für die sich Horst Seehofer vor Monaten stark machte und die jetzt auch vom Bundeskabinett abgesegnet wurde.

Seehofer begrüßt Entscheidung

Den Beschluss des Bundeskabinetts begrüßte Seehofer dann auch ausdrücklich und verteidigte gleichzeitig die zusätzlichen Milliardenkosten: Diese verteilten sich auf dreißig Jahre. Außerdem liege die maximale Belastung bei 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Seehofer sagte: "Das sollten uns Menschen und Natur wert sein."

"Ich glaube, das ist eine richtige Entscheidung - ich sage epochal, weil damit auf der einen Seite die Energieversorgung im notwendigen Umfang gewährleistet ist, auf der anderen Seite aber weder die Menschen noch die Natur belastet sind."

Horst Seehofer, Ministerpräsident von Bayern

Seehofer betonte, wenn das Ganze im weiteren parlamentarischen Verfahren nicht verwässert werde, sei er damit sehr zufrieden.

Einigung im Sommer

Anfang Juli hatte sich Horst Seehofer - nach einem monatelangem Streit um den Ausbau der Stromnetze - mit CDU-Chefin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geeinigt. Dabei kamen ihm Gabriel und Merkel entgegen: Es sollen bei den großen neuen Stromtrassen von Nord nach Süd stärker bestehende Trassen genutzt und eben auch vorrangig Erdkabel verlegt werden. Nun soll dieser Beschluss vom Sommer umgesetzt werden.

Bis zu acht Milliarden Mehrkosten

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die streckenweise Erdverkabelung (bis zu 80 Prozent) der beiden Gleichstrom-Trassen "Suedlink" und "Südost" von Nord- nach Süddeutschland die Kosten um drei bis acht Milliarden Euro in die Höhe treibt. Das müssen private Stromkunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen, was pro Haushalt vermutlich drei bis neun Euro mehr im Jahr bedeutet. Der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisert, dass die Festlegung des Bundes um Jahre zu spät komme und neue Probleme auslöse:

"Die Möglichkeit zur Erdverkabelung von Anfang an und bei allen Übertragungsleitungen hätte uns viele Konflikte, Millionenkosten und Zeitverzögerungen erspart."

Oliver Krischer, Grünen-Fraktionsvize

Die Grünen kritisieren das Management der Energiewende

Ein vernünftiges Management der Energiewende sehe anders aus, sagte Oliver Krischer. Grundsätzlich sind die Grünen auch dafür, Leitungen in die Erde zu legen, wenn es Anwohnern und Natur dient. Doch Krischer befürchtet, dass sich manche Nicht-Bayern bald ungerecht behandelt fühlen werden. Und dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor Horst Seehofer einknickte, nimmt man ihm bei den Grünen ebenfalls übel:

"Vom CSU-Populisten und Energiewende-Irrlicht Seehofer getrieben, schafft es Gabriel nicht, angepasste Lösungen für Konflikte beim Netzausbau zu finden."

Oliver Krischer, Grünen-Fraktionsvize

Kosteneinsparungen durch raschen Ausbau

Umgekehrt dürfte durch die Investition aber auch viel Geld eingespart werden, wenn durch einen raschen Leitungsausbau künftig Engpässe im Stromnetz beseitigt werden. Denn um das Netz bei schwankendem Wind- und Sonnenstrom stabil zu halten, werden für diese Eingriffe (Redispatch) aktuell hohe Ausgaben fällig. Der Netzbetreiber 50Hertz geht für das laufende Jahr bundesweit von 500 Millionen Euro aus.

Nicht zu viel Windkraft: Aigner will Ausbauquoten

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hat gegen den Anstieg der Strompreise jetzt feste Ausbauquoten für Ökostrom ins Gespräch gebracht. Ein Umsteuern bei der Energiewende sei notwendig, sagte Aigner zum erwarteten neuerlichen Anstieg der Ökostrom-Umlage auf 6,4 oder 6,6 Cent pro Kilowattstunde. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien müsse stärker auf die "Systemtauglichkeit" geachtet werden.

"Ein unkontrollierbarer Ausbau der Windkraft im Norden etwa, der weit über dem liegt, was im EEG als Ausbauziel festgeschrieben ist, schafft mehr Probleme als Nutzen. Deshalb brauchen wir eine bessere regionale Steuerung des Ausbaus etwa über eine Quote."

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner

Darüber hinaus muss laut Aigner ernsthaft über eine Strompreisbremse nachgedacht werden, die den Anstieg der Verbraucherstrompreise, der vor allem durch staatliche Umlagen getrieben ist, effektiv stoppe.


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