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Bald eine Entscheidung? Streit um die Sargpflicht in Bayern

Nur in ein Leinentuch gehüllt, so lassen sich Muslime traditionell begraben. Deswegen haben die meisten Bundesländer die Sargpflicht aufgehoben. Doch in Bayern herrscht seit Jahren Uneinigkeit darüber.

Von: Sophie von der Tann

Stand: 05.02.2017

Koranverse zieren die Grabsteine, die Gräber sind nach Osten in Richtung Mekka ausgerichtet. Seit 1995 finden Muslime auf dem muslimischen Gräberfeld des Münchner Südfriedhofs ihre letzte Ruhe. Doch das geschieht im Sarg, wie es das bayerische Gesetz verlangt. Und nicht im Leinentuch, wie es die muslimische Tradition vorsieht. Unter Muslimen führt das zu Unverständnis.

"Alle Muslime fragen mich: Wieso Sarg? Wieso Sargpflicht? Besonders auch jetzt die Flüchtlinge, wenn sie aus Syrien kommen, Afghanistan, die kennen das gar nicht."

Salih Güler, muslimischer Bestatter

CSU: Tradition erhalten

Neben Sachsen und Sachsen-Anhalt ist Bayern eines der letzten Bundesländer, das an der Sargpflicht festhält. Seit Jahren streiten sich CSU und Opposition über eine Änderung des Bestattungsgesetzes. Im Oktober 2016 haben die Grünen erneut einen entsprechenden Gesetzesentwurf eingereicht. Die CSU hält dagegen.

"Die bayerische Bevölkerung will die Tradition des Sichbestattens erhalten und möchte nicht, dass das aufgeweicht wird durch andere Riten."

Ludwig von Lerchenfeld, CSU-Landtagsabgeordneter

Grüne: Menschen wollen mehr Bestattungsformen

Die religionspolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Gote, sieht das anders.

"Die einzigen, die das nicht wollen, das ist die CSU. Wenn wir nämlich auf Umfragen schauen, und die gelten auch in Bayern, dann sehen wir, dass die Mehrheit der Menschen mit dem, was gerade an Bestattungsformen angeboten wird, nicht mehr zufrieden sind."

Ulrike Gote, religionspolitische Sprecherin der Grünen

Die Grünen fordern deshalb, das Bestattungsgesetz zu liberalisieren. Laut einer Umfragen, die von Aeternitas e.V. im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, bevorzugen nur 25 Prozent der Bayern ein traditionelles Sarggrab auf dem Friedhof. Eine Änderung des Gesetzes solle nicht bedeuten, dass Christen dadurch benachteiligt seien, sagt Gote.

"Jeder Christ, jede Christin kann sich selbstverständlich in Bayern nach christlichen Riten bestatten lassen und das wird auch in Zukunft so sein. Es kommen nur weitere Möglichkeiten hinzu."

Ulrike Gote, religionspolitische Sprecherin der Grünen

Kirchen für Aufhebung der Sargpflicht

In einer Expertenanhörung im Innenausschuss des Landtages im Juni 2015 sprachen sich Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen für eine Aufhebung der Sargpflicht aus. Auch das Landesgesundheitsamt hat keine Einwände.

"Was die reine hygienische Einschätzung anbelangt, spricht nichts gegen eine Erdbestattung, z. B. in einem Leinentuch, wenn durch geeignete Grabanlage die Verwesung innerhalb der Ruhezeit gesichert ist."

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Die CSU lehnt eine Aufhebung der Sargpflicht in Bayern trotzdem ab.

"Bayern ist auch noch wohl eine der letzten Regionen, die das christliche Abendland pflegt und hochhält. Und diese Traditionen sind uns in Bayern ganz wichtig. Die Sargpflicht gehört auch da dazu."

Ludwig von Lerchenfeld, CSU-Landtagsabgeordneter.

Bis vorraussichtlich Ostern will der Landtag entscheiden, ob die Sargpflicht in Bayern aufgehoben wird.


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