22

Stilllegung von Atomkraftwerken Der lange Weg zur "grünen Wiese"

Die Ära der Atomkraft geht zu Ende - auch in Bayern. Die Reaktoren Isar 1 und Grafenrheinfeld sind bereits stillgelegt, Gundremmingen B folgt Ende des Jahres. 2022 ist mit der Abschaltung von Isar 2 dann Schluss mit dem Atomstrom. Doch die Hinterlassenschaft der Atomkraft wird uns noch sehr lange beschäftigen.

Von: Lorenz Storch

Stand: 20.03.2017

20 Jahre dauert der Abriss eines Atomkraftwerks, bei Kosten von rund einer Milliarde Euro. Und das ist schon die zügige Variante, der so genannte "schnelle Rückbau". Das Atomgesetz würde auch die Möglichkeit zum so genannten "sicheren Einschluss" einräumen. Was bedeuten würde, die atomaren Reste erst einmal für viele Jahre liegen zu lassen. Die deutschen Atomkonzerne haben sich jedoch für den direkten Weg entschieden. Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) begrüßt das ausdrücklich.

"Ich glaube, dass es wichtig ist, jetzt das Fachpersonal noch vor Ort im Einsatz zu wissen. Diejenigen, die die Kernkraftwerke betrieben haben, kennen diesen Reaktor sehr genau und wissen daher aus meiner Sicht sehr genau, wie man den Rückbau auch sicher bis zu einer grünen Wiese vollziehen kann."

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf

Für die Variante langsamer Rückbau spricht die geringere Rest-Radioaktivität im Reaktor, wenn man ihn zunächst einige Jahrzehnte lang liegen lässt. Ein Teil der Atomkraftgegner plädiert deshalb für diese Variante - andere sehen dagegen einen Vorteil darin, wenn sich die Verursacher des Atommülls möglichst schnell auch um dessen Beseitigung kümmern.

Aktiv, stillgelegt, rückgebaut

Möglichst wenig Abfall für die Endlager

Ziel beim Rückbau eines Atomkraftwerks ist es, die Radioaktivität auf ein möglichst geringes Abfallvolumen zu konzentrieren, das dann endgelagert werden muss. Der Löwenanteil der Überreste der gigantischen Anlagen ist entweder nicht radioaktiv oder wird dekontaminiert, um dann als normaler Abfall deponiert oder wiederverwendet zu werden. Die Kraftwerke werden von innen nach außen demontiert - erst zum Schluss geht es an die weithin sichtbare Betonhülle.

Der Abriss von Isar 1 ist als einziger bereits vom bayerischen Umweltministerium genehmigt. Der Bund Naturschutz klagt dagegen. Zentraler Kritikpunkt: Der Rückbau soll bereits beginnen, bevor alle Brennelemente aus dem Kühlbecken in Castoren umgelagert sind. Das bayerische Umweltministerium entgegnet, es werde vorerst nur in Bereichen gearbeitet, die nicht die Kühlung tangieren. Das Kompetenzzentrum Strahlenschutz im oberfränkischen Kulmbach soll die Arbeiten überwachen.

Wie sicher sind die Zwischenlager?

Für den Meiler Grafenrheinfeld hat die Erörterung der Rückbaupläne im vergangenen Oktober stattgefunden. Atomkraftgegner kritisieren hier, wie an den anderen Standorten, dass mit dem Rückbau des Reaktorgebäudes eine strahlensichere Hülle fehlt, falls einer der Atommüll-Behälter im angrenzenden Zwischenlager einmal undicht werden sollte.

Die Betreiber verweisen auf ihr Sicherheitskonzept: Es sieht vor, auf die Castoren einfach einen dritten Deckel aufzuschweißen, falls einer der beiden bestehenden Schaden nimmt. Kritiker dagegen fordern eine so genannte "heiße Zelle", in der ein schadhafter Castor im Notfall abgeschlossen von der Außenwelt repariert werden könnte.

Wenn die Reaktoren weg sind, bleibt der Müll

Das ehemalige Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld  | Bild: Nicolas Armer/dpa zum Artikel Kraftwerksgespräch Wie soll Abriss des KKW Grafenrheinfeld aussehen?

Preussen-Elektra, der Betreiber des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld bei Schweinfurt, hat Dienstagabend zu einem Kraftwerksgespräch eingeladen. Bei dem Gespräch sollte darüber informiert werden, wie der Abriss des seit Juni 2015 stillgelegten Meilers aussehen soll. Von Norbert Steiche [mehr]

Der Bund Naturschutz sieht im Übrigen die Zwischenlager an den Kraftwerksstandorten nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze gesichert. In den Standort-Zwischenlagern verbleibt mit den abgebrannten Brennelementen ein Großteil der Radioaktivität. Sie werden noch stehen, lange nachdem die Atomkraftwerke selbst abgerissen sind. Der Rückbau der Reaktoren soll bis in die 2030er Jahre dauern. Die bayerischen Zwischenlager haben eine Genehmigung bis mindestens 2046. Experten gehen davon aus, dass auch dann noch kein Endlager für den Atommüll zur Verfügung stehen wird.

In Gundremmingen sollen am Dienstag, 28. März die Einwendungen gegen den Abriss des Blocks B diskutiert werden.


22