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Staatsakt für Genscher "Er war ein Glück für unser Land"

Mit diesen Worten würdigte Bundespräsident Gauck beim Staatsakt in Bonn den langjährigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Politiker aus dem In- und Ausland erwiesen Genscher die letzte Ehre. Er war am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben.

Stand: 17.04.2016

Angeordnet wurde die große Zeremonie, die im Plenarsaal des ehemaligen Bundestags stattfand, von Bundespräsident Joachim Gauck. Er würdigte Genscher als "deutschen Patrioten und überzeugten Europäer". Genscher sei "ein Glück für unser Land gewesen" und habe "buchstäblich bis zum letzten Atemzug" dafür geworben, "das in Europa so glücklich und so friedlich Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen". Genscher sei die Geschichte einer "außergewöhnlichen politischen Begabung" sowie von Disziplin und Tatkraft.

"Da haben, als er dann am 18. Mai 1992 aus der Bundesregierung ausscheidet, nicht wenige Deutsche den Eindruck, dass 'Außenminister' eigentlich der Vorname eines Politikers namens Genscher sei."

Bundespräsident Joachim Gauck über Hans-Dietrich Genscher

"Menschenfreund und Brückenbauer"

Joachim Gauck rief auch die Rolle Hans-Dietrich Genschers in der Wendezeit 1989 in Erinnerung, etwa auf dem Balkon der Prager Botschaft, als Genscher den DDR-Flüchtlingen bekanntgab, dass sie in die Bundesrepublik ausreisen durften. Der aus Halle stammende Politiker habe unermüdlich ein nationales Interesse vertreten, so Gauck, "das gleichzeitig die deutsche Einheit wie den Frieden in ganz Europa umfasst". Genschers Nachfolger im Auswärtigen Amt, Klaus Kinkel (FDP), würdigte seinen Vorgänger als einen "Akteur der Weltpolitik" und gleichzeitig als "Menschenfreund" und "Brückenbauer". "Er war ein Meister des Gesprächs", so Kinkel, der bereits in den 1970er Jahren persönlicher Referent Genschers war.

"Er prägte den Wandel vom Rüsten zum Reden."

Klaus Kinkel, FDP, Außenminister von 1992 bis 1998

"Titan unter den Diplomaten"

Auch der ehemalige US-Außenminister James Baker war nach Bonn gekommen. Genscher sei ein "Titan unter den Diplomaten Europas" gewesen, sagte er. Baker verwies auch auf das Geschick und die Beharrlichkeit Genschers bei den Verhandlungen zur Wiedervereinigung Deutschlands.

Der evangelische Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer nannte Genscher den "fröhlichsten Hallenser aller Zeiten". Zahllose Politiker seien von ihm nach Halle "geschleppt" worden, so dass die Stadt in Sachsen-Anhalt "weltberühmt" geworden sei. Die Bodenhaftung habe Genscher trotz aller Höhenflüge nie verloren.

Nach der Zeremonie wurde Genscher in seinem Heimatort Wachtberg bei Bonn beigesetzt.

Ein Leben für die Politik

Genscher war am 31. März im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in der Nähe von Bonn gestorben. Der FDP-Politiker war von 1974 bis 1992 Bundesaußenminister und Vizekanzler.

In seine 18-jährige Amtszeit fielen der Fall der Mauer, die Zwei-plus-Vier-Gespräche, der deutsch-polnische Grenzvertrag sowie der deutsch-sowjetische Kooperationsvertrag.

Als Vorsitzender der FDP führte er die Partei aus der sozialliberalen Koalition in ein Bündnis mit der Union.

Zitate von Hans-Dietrich Genscher

  • "Europa ist unsere Zukunft, sonst haben wir keine."
  • "Die Welt des 21. Jahrhunderts wird nur dann ihre Stärke bewahren können, wenn sie von der Stärke des Rechts und nicht vom Recht des Stärkeren bestimmt wird."
  • "Den guten Lotsen erkennt man an der ruhigen Hand und nicht an der lautesten Stimme."
  • "Was die Kosmetik für die Damen, ist der Regierungssprecher für die Regierung."
  • "Auf Tiere könnte ich nie schießen, die müssten schon Selbstmord machen."
  • "Mein Verhältnis zur französischen Sprache ähnelt dem zu meiner Frau. Ich liebe sie, aber ich beherrsche sie nicht."

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