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Spielbanken in Bayern Sechs von neun machen Verluste

Der Freistaat als oberster Croupier: Bayerns Spielbanken sind seit jeher umstritten. Auch der Bayerische Rechnungshof zählt zu den Kritikern - nicht aus moralischen Gründen, sondern weil die meisten Staatscasinos Verluste machen. Daran hat sich auch 2016 nichts geändert.

Von: Rudolf Erhard und Michael Kubitza

Stand: 09.02.2017

Sechs von neun bayerischen Spielbanken schreiben seit Jahren Verluste. Dies geht aus einem Bericht des Bayerischen Finanzministeriums hervor, der dem Bayerischen Rundfunk vorliegt. Das Ministerium vermeldete bisher offiziell aber nur das Gesamtergebnis aller neun bayerischen Spielbanken und sprach von erstmals seit Jahren wieder schwarzen Zahlen mit einem Jahresüberschuss von 138.000 Euro für alle Spielbanken in Bayern.

Eine Trendwende? Bei den meisten Spielbanken sieht die Bilanz anders aus: Bei sechs der neun Casinos fällt die Kugel in der Jahresbilanz regelmäßig auf "rot".

Die Cash Cows im bayerischen Glücksspiel

Aufgefangen wurden die Verluste der meisten bayerischen Spielbanken auch heuer wieder von den positiven Spielerträgen und Jahresüberschüssen der Spielbanken Bad Wiessee und Feuchtwangen, sowie erstmals wieder Garmisch-Partenkirchen, wo der Bruttospielertrag 2016 zwar nur um etwa eine viertel Million Euro auf 8,8 Millionen stieg, dadurch aber einen Jahresüberschuss von 826.000 Euro ergab (2015: - 89.000). Zusammen glichen die drei mit ihren Jahresüberschüssen die knapp neun Millionen Euro Verluste der sechs anderen bayerischen Spielbanken aus.

Das Casino Bad Wiessee am Tegernsee

Bad Wiessee, der Nobelkurort am oberbayerischen Tegernsee, verlor zwar bei einem Bruttospielertrag von 19,5 Millionen Euro fast eine Million gegenüber dem Vorjahr (2015 20,6 Mio) blieb aber mit einem Gewinn von knapp über sieben Millionen Euro nahezu gleich.

Die Spielbank von Feuchtwangen

Die mittelfränkische Spielbank Feuchtwangen gehört mit Bad Kötzting und Bad Steben zu den drei Neugründungen der Jahrtausendwende. Anders als die beiden anderen eine Erfolgsgeschichte - allerdings mit unsicherem Fortgang. 2016 reduzierte sich der Bruttospielertrag um rund 900.000 Euro auf 11,1 Millionen; der Jahresüberschüss liegt bei nur noch knapp einer Million Euro.

Stichwort: Bayerns staatliche Spielbanken

Ihre Geschichte beginnt mit einem Skandal. Von 1954 bis 1957 leitet Bayerns einziger SPD-Ministerpräsident Wilhelm Högner eine Viererkoalition, zu der auch die Bayernpartei gehört; auf ihre Initiative hin billigt der Landtag die Vergabe von vier Spielbank-Lizenzen an Privatinvestoren. Bestechungsvorwürfe werden laut, die Aussagen bleiben auch unter Eid widersprüchlich und führen zum Bruch der Koalition. 1959/60 werden mehrere BP-Politiker und der CSU-Politiker Friedrich Zimmermann wegen falscher Aussagen verurteilt (Foto). 1961 beschließt die neue CSU-Mehrheit das Aus für die Spielbanken - die aber nie geschlossen, sondern vier Jahre später verstaatlicht werden.

Heute gibt es statt vier neun Staatscasinos, die der staatlichen Lotterieverwaltung unterstehen und das sogenannte "große Spiel" - also etwa Roulette, Black Jack und Poker - ebenso anbieten dürfen wie das "kleine Spiel" an Automaten. In den vergangenen Jahren waren die Spielbanken die Sorgenkinder unter den rund 70 Beteiligungen des Freistaats. Die Erträge brachen teils dramatisch ein - die Konkurrenz durch gewerbliche Spielhallen und Glücksspiele im Internet machte den Spielbanken zu schaffen. 2016 erwirtschafteten die Casinos in Summe zumindest wieder ein minimales Plus.


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Udo Pablitschko, Donnerstag, 09.Februar, 17:24 Uhr

8. Außer "Späsen" nix gewäsen ?

Na nu,
also so ganz verstehe ich das nicht.

Ich dachte immer: ca. ein Drittel der Spielbank, ca. ein Drittel dem Staat und ca. ein Drittel dem glücklichen Gewinner. Tatsache ist doch,
dass es wohl in der Regel -systembedingt- mehr Verlierer als Gewinner gibt.

Irgend was stimmt doch da nicht. Gibt es da vielleicht auch fette BONI für die Betreiber oder Manager vor Ort (zu Lasten der Steuerzahler, wie auch sonst bei Staatsbetrieben üblich) ?

Das ursprüngliche Prinzip DIE BANK GEWINNT IMMER, gilt wohl nimmer ! Oder ?????

  • Antwort von Andrea, Donnerstag, 09.Februar, 21:53 Uhr

    hi Udo Pablitschko

    zu diesem letzten Satz:

    "Das ursprüngliche Prinzip DIE BANK GEWINNT IMMER, gilt wohl nimmer ! Oder ?????"

    sage ich es so: die Spieler dort muessen doch - der Gerechtigkeit halber - auch mal was gewinnen duerfen oder??
    Aber ich gebe offen zu: wer bitte braucht diese ganzen Spielbanken??
    Denn ich meine: das Geld, dass dafuer ausgegeben wurde, fehlt uns jetzt fuer die Integration von Fluechtlingen. Statt dessen finden unmenschliche Abschiebungen statt die zum großen Teil unbillige Härten sind!
    Und in Sachen Bekämpfung der Fluchtursachen wird viel zu wenig getan. und von legalen Fluchtwegen ist gar nichts zu sehen. Wo sind diese??

Wolfgang Schönfelder, Donnerstag, 09.Februar, 13:01 Uhr

7. Spielbanken schliessen.....

Hallo,
ein kleiner historischer Exkurs. 1866 im Frühjahr kam das Herzogtum Hessen-Darmstadt mit Bad Homburg zum Staat Preussen.
Noch im gleichen Jahr im Frühherbst wurde die Spielbank zu Bad Homburg geschlossen, "Das braucht es nicht im soldin Preussen", auch dann nicht wenn auf etwas Gewinn zu verzichten ist.

Erich, Donnerstag, 09.Februar, 12:37 Uhr

6. Wieviele von 16 Bundesländern,

machen Verlust? Etwa 16! In den Spielbanken setzt sich nur das fort, was der gesamte Staat vollbringt. Das nenne ich mal Kontinuität.

bernd, Donnerstag, 09.Februar, 11:58 Uhr

5. Der Normalbürger braucht es nicht

der verdaddelt sein Geld beim Lotto und in der nächsten Daddelbude. Da braucht er sich nicht so fein anzuziehen und sein Geld bringt er auch so los. Und der Staat macht mehr Kasse als bei den Spielbanken.

  • Antwort von Andrea, Donnerstag, 09.Februar, 21:45 Uhr

    hi bernd

    stimmt, wir normalen Buerger brauchen sowas echt nicht.
    Wir verdaddeln unser Geld lieber bei Computerspielen oder auch noch bei Aktien.
    Wir Buerger machen mit Aktien mehr Kasse als mit solchen Spielbanken.

    Wozu braucht der Bayerische Staat sowas ueberhaupt?? Von mir aus könnten diese ganzen Spielbanken geschlossen werden und noch so einige andere Casinos in unseren Städten.

Agathe, Donnerstag, 09.Februar, 11:54 Uhr

4. Verlust Spielbanken

Seehofer/Söder: Obergrenze einführen !

  • Antwort von Andrea, Donnerstag, 09.Februar, 21:43 Uhr

    hi Agathe

    stimmt, hier wäre eine Obergrenze viel mehr angebracht als bei Fluechtingen!
    Denn damit könnte man den Verlust den diese Spielbanken machen mal eindämmen und damit bliebe mehr Geld in der Kasse.
    Außerdem wuerde mich mal interessieren, wozu Bayern so viele Spielbanken braucht und ob Bayern sowas ueberhaupt braucht??
    Da wäre neue Konzersäle in Bayern doch allemal besser als eine neue Spielbank!