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Die SPD-Basis hat gewählt Klares Votum für Natascha Kohnen

60.000 Mitglieder hat die Bayern-SPD, rund die Hälfte hat abgestimmt. Das Ergebnis: knapp, aber ausreichend. Jetzt muss der Landesparteitag am 20. Mai das Votum bestätigen.

Von: Peter Kveton, Michael Kubitza und Eva Lell

Stand: 12.05.2017

Der künftige SPD-Chef in Bayern ist so gut wie sicher eine Chefin: die langjährige Generalsekretärin Natascha Kohnen, 49. Im Mitgliederentscheid konnte sie 53,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

"Das ist doch ein echt tolles und schönes Ergebnis. Es ist mir auch eine Riesenehre."

Natascha Kohnen

Ihr schärfster Konkurrent, der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kam auf 19,8 Prozentpunkte, die übrigen Bewerber blieben unter zehn Prozent.

"Ich gratuliere Natascha Kohnen. Es ist ein überzeugendes Ergebnis (...) Es ist mehr ihr Sieg als meine Niederlage."

Florian von Brunn

  • Natascha Kohnen: 53,8 Prozent - 14.605 Stimmen
  • Florian von Brunn: 19,8 Prozent - 5.389 Stimmen
  • Klaus Barthel: 9,4 Prozent
  • Uli Aschenbrenner: 7,5 Prozent
  • Markus Käser: 6,5 Prozent
  • Gregor Tschung: 1,0 Prozent
  • Enthaltungen: 2,0 Prozent

Alle unterlegenen Kandidaten sicherten Kohnen ihre Unterstützung zu, auch Markus Käser, Sprecher der Basisinitiative die Mutigen. Der Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über das Ergebnis, er kam auf 9,4 Prozent.

Erfolgreiche Mitgliederbefragung

Alle sechs Kandidaten hatten vereinbart, sich im Fall eines deutlich erkennbaren Favoriten auf dem kommenden Parteitag in Schweinfurt zu dessen Gunsten zurückzuziehen. Rechtlich ist das Mitgliedervotum noch nicht bindend, laut Satzung wählt der Parteitag am 20. Mai den Landesvorstand. Jeder der Lust habe mitzumachen, solle das tun und sich mit neuen Ideen einbringen, sagte Kohnen. Sie sei offen: „Ich habe eine Menge Experimentelles vor und bin gespannt, wie das aufgenommen wird“, so Natascha Kohnen in der Bayern2 radioWelt.

Etwa die Hälfte der bayerischen SPD-Mitglieder hat sich an der Befragung beteiligt. Wir sind die Mitmachpartei in Bayern, heißt es jetzt vonseiten der SPD. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher ist optimistisch, dass sich die Genossen nun im Bundestagswahlkampf zusammenraufen. Er lobt die Wirkung der Basisbeteiligung. Mit der Frage, wer SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl nächstes Jahr wird, will sich die SPD jetzt noch nicht beschäftigen. Neben Rinderspacher ist Kohnen nach diesem Ergebnis mit Sicherheit mit im Rennen.

Rund 30.000 Mitglieder haben abgestimmt

Um Mitternacht war die Mitgliederbefragung für die Wahl des neuen Landeschefs zu Ende gegangen. Unter den Augen der Kandidaten für den Landesvorsitz und der Presse hatten gegen 8.15 Uhr in der Münchner SPD-Zentrale rund 100 freiwillige Helfer mit der Sichtung der Briefwahlunterlagen begonnen, um 14 Uhr wurde das Ergebnis verkündet..

Sechs Wochen hatten die etwa 60.000 Genossen Zeit gehabt, sich per Briefwahl einen Nachfolger für den im Februar zurückgetretenen Landesvorsitzenden Florian Pronold zu suchen. Rund die Hälfte der SPD-Mitglieder in Bayern hat sich an der Befragung beteiligt.

Natascha Kohnen im Porträt

Natascha Kohnen, Landtagsabgeordnete aus München, langjährige Generalsekretärin der Bayern-SPD. Vorgeschlagen vom scheidenden Landeschef Pronold. Ihr SPD-Parteibuch hat Kohnen erst seit 2001 im heimischen Regal stehen. Die Diplom-Biologin ist eine politische Quer- und Späteinsteigerin, die nach diversen kommunalen Ämtern und Mandaten 2008 erstmals in den Landtag einzog.


Längst gehört die Münchnerin zu den wichtigen Köpfen in der bayerischen SPD und zu den wenigen, deren Worte auch auf Bundesebene gehört werden. Vor knapp einem Jahr hielt sie im Landtag eine Wutrede zur CSU-Flüchtlingspolitik, die ihr im Internet hohe Klickzahlen und deutschlandweiten Zuspruch bescherte.

Kohnen schätzt deutliche Worte - Polarisierung um der Polarisierung willen ist aber nicht ihr Politikstil: Statt sich am Gegner abzuarbeiten, "müssen wir für den Wähler Themen fühlbar machen, damit sie uns wählen". Kohnen ist überzeugt, dass "Bayern aus seinem Wohlstand und seiner Vielfalt so viel mehr machen kann". Die Kernkompetenzen der berufstätigen Mutter: Familienpolitik, Energie und Umwelt.

Rückblick: Florian Pronolds Rücktritt-Coup

Um den Jahreswechsel hatte die Stimmung bei der Bayern-SPD den absoluten Tiefpunkt erreicht. Der BR-Bayern-Trend sah sie bei 14 Prozent. Nur mit Sarkasmus retteten sich die Genossen der Landtagsfraktion durch die frostige Atmosphäre ihrer Winterklausur im Kloster Irsee. Dann trat Sigmar Gabriel als SPD-Chef zurück und mit dem Hoffnungsträger Martin Schulz drehten sich auch die Themen. Von der Inneren Sicherheit nach dem Berlin-Attentat – wo die SPD gegen CSU und CDU nicht punkten kann – hin zu Rente, Mieten und Sozialer Gerechtigkeit.

Anfang Februar erklärt dann der glücklose Bayern-SPD-Chef Florian Pronold überraschend seinen Rücktritt und benennt seine bisherige Generalsekretärin Natascha Kohnen als Wunschnachfolgerin. Ein echter Coup und ein Paukenschlag für die zerstrittenen bayerischen Genossen. Bundestagsabgeordnete gegen Landtagsabgeordnete, Basis gegen Mandatsträger und umgekehrt.

Basisvotum als Königsweg

Nach Pronolds Rücktritt schlug dann Natascha Kohnen einfach vor, die bayerischen SPD-Mitglieder zu befragen, sollten sich noch weitere Kandidaten melden. Und nach und nach meldeten sich fünf SPD-Männer, die auch Landesvorsitzender werden wollen: der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn, der Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, der Pfaffenhofener Markus Käser, der frühere Bayern-SPD-Sprecher Gregor Tschung und der Niederbayer Uli Aschenbrenner. In sieben Regionalkonferenzen präsentierten sich die Kandidaten. Im internen Wahlkampf wurde durchaus mit härteren Bandagen gekämpft.


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Stan, Freitag, 12.Mai, 18:50 Uhr

3. SPD: No future

Punkt 1: der SPD glaubt nur noch die Resterampe aus dem Tal der Ahnungslosen
Punkt 2: wer nur noch Worthülsen hat wie: "soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, gegen Menschenfeindlichkeit" sollte wegen Einfallslosigkeit besser stempeln gehen
Punkt 3: die SPD dämonisiert den politischen Gegner. Das diskreditiert die SPD als demokratische Partei

  • Antwort von Sozi, Samstag, 13.Mai, 11:07 Uhr

    : die SPD dämonisiert den politischen Gegner. Das diskreditiert die SPD als demokratische Partei
    Tut es nicht !
    Pegida und die Identitären braucht man nicht zu dämonisieren.
    Das besorgen sie selbst.
    Auch mit ihren Kommentaren beim BR, die sprechen immer für sich
    und damit gegen sie.

Barbara, Freitag, 12.Mai, 16:31 Uhr

2. "in die Zukunft"? Wohin sollte sie denn sonst gehen?

In die Vergangenheit wird sie wohl nicht zurückwollen!

Raymond, Freitag, 12.Mai, 15:15 Uhr

1. das Dilemma der SPD

nicht nur den Landesvorsitz auch der Spitzenkanditat selbst wird nicht gerade hofiert von der eigenen Partei ....bei den Konkurenten , vor allem CDU sieht das , ganz anders aus