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Bayern-SPD Der Natascha-Effekt

Nach fast 20 Jahren steht wieder eine Frau an der Spitze der Bayern-SPD, es ist die 49-jährige Natascha Kohnen: Ihr Politikstil gilt als ruhig, sachlich und fair - sie könnte der Partei neues Profil und neues Selbstbewusstsein geben.

Von: Arne Wilsdorff

Stand: 22.05.2017

Natascha Kohnen | Bild: picture- Karl-Josef Hildenbrand

Nach sieben Regionalkonferenzen konnte Natascha Kohnen vor einer guten Woche die Urwahl gleich im ersten Anlauf für sich entscheiden. Gegen fünf Männer und mit fast 54 Prozent.  Auf dem Parteitag am Samstag holte sie rund 88 Prozent der Delegiertenstimmen. Ein klares und auch ehrliches Ergebnis – nicht surreal, wie die 100 Prozent von Martin Schulz als Chef der Bundes-SPD.

Ruhig, sachlich, fair

Natascha Kohnen mit Martin Schulz

Jetzt hat Natascha Kohnen den nötigen Rückhalt für ihren ganz persönlichen Politikstil: Ruhig, sachlich und von außen betrachtet fair. Genau so hatte sie ja auch die teilweise harten Attacken ihrer Mitbewerber in den letzten Wochen souverän pariert.

Deshalb präsentierte sich bei diesem Schweinfurter Parteitag die Bayern-SPD so einig wie lange nicht. Es ist kein Gegenkandidat mehr aufgestanden, die Verjüngung des SPD-Vorstands mit der Bundes-Juso-Vorsitzenden Johanna Uekermann und der Schweinfurter Gewerkschafterin Marietta Eder ist Kohnen ebenfalls geglückt. Und schon letzte Woche hatten ihr die in der Urwahl Unterlegenen Loyalität zugesichert.

Wieder eine Frau an der Spitze - nach fast 20 Jahren

Natascha Kohnen

Mit Natascha Kohnen führt 17 Jahre nach Renate Schmidt wieder eine Frau die Bayern-SPD. Die 49-jährige Biologin versammelt tatsächlich ein junges, weibliches Team um sich, mit dem sie ein weltläufiges, soziales Gegengewicht zur CSU des 67-jährigen Horst Seehofer in Position bringt. Denn eine Urwahl zu gewinnen, das verströmt schon einen anderen Charme als sich von CSU-Senioren rufen zu lassen und sich dann ganz allein selbst in die Verlängerung zu schicken.

Das liberale Großtstadtklientel wird Natascha Kohnen gut ansprechen können – auch von der Flüchtlingspolitik der CSU verschreckte Christlich-Konservative auf dem Land. Aber ihr Ziel: Regierungsverantwortung in Bayern - angesichts der Übermacht der CSU - Geschenkt ! Dennoch: natürlich muss eine neue Parteichefin genau so auftreten.

Ein Polizeibeamter als Joker

Der neue SPD-Landesvorstand

Und Kohnens vorerst bester Schachzug gegen die Schwarzen heißt Uli Grötsch – der mit 92 Prozent frisch gewählte Generalsekretär der Bayern-SPD. Denn der 41-jährige gelernte Polizeibeamte aus Weiden in der Oberpfalz kann definitiv Innere Sicherheit und Dialekt. Damit konnte die Münchnerin Natascha Kohnen gleich zwei offene Flanken schließen.

Kluges Teambuilding also und dazu die erfolgreiche Urwahl. Viel strategische Erfahrung als Generalsekretärin, sie kennt ihre Partei. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um mit der Bayern-SPD  bei den nächsten Wahlen anständige Ergebnisse zu holen.


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