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SPD-Fachgespräch Keine totale Freiheit für die Wölfe

Die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag hat heute Fachleute zum Wolfsmanagement eingeladen. Einhellige Meinung: die Staatsregierung tut zu wenig – denn der Wolf ist nicht mehr aufzuhalten.

Von: Arne Wilsdorff

Stand: 16.05.2017

Wölfe im Wildpark Poing | Bild: picture-alliance/dpa

Einzelne Wölfe werden in Bayern immer wieder gesichtet. Zum ersten mal kam einer 2010 von Süden her ins Rotwandgebiet am oberbayerischen Schliersee. Dort sorgte er für große Aufregung – und Betriebsamkeit im Umweltministerium. Wolfmanagmentpläne wurden erarbeitet, verschwanden aber wieder in der Schublade, kritisiert Claus Obermeier von der Gregor Louisoder Umweltstiftung. 

"Und dieses ganze Konstrukt wurde dann ja bekanntermaßen politisch abgeschossen, gestoppt und eingestellt auf Druck des Almwirtschaftlichen Verbands Oberbayern und der CSU-Landtags-Abgeordneten vor Ort. Und dieser Konstrukt, der schon sehr weit fortgeschritten war, wo also die Schweizer Hirtentruppe schon an der Rotwand war zum Modellprojekt, zur Zusammenlegung der Herden, Behirtung mit Herdenschutzhunden – wurde also allem der Stecker gezogen und seitdem ist da nichts mehr passiert."

Claus Obermeier von der Gregor Louisoder Umweltstiftung

Während in Nord- und Mitteldeutschland längst 61 Wolfsrudel leben – könnte sich jetzt die Situation auch in Bayern ändern. Denn mit diesem Frühling könnten sich auf dem Truppenübungsplatz bei Grafenwöhr und im Bayerischen Wald die ersten Rudel gebildet haben. Diese Wölfe kamen vermutlich aus Thüringen und Sachsen  - also von Norden her nach Bayern. Sie stören die Almwirtschaft nicht und erfordern deshalb andere Maßnahmen als die von Süden nachziehenden Alpenwölfe.

Der Oberammergauer Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky plädiert deshalb eindringlich für neue Wolfmanagementpläne der Stufe III für Rudel – am besten mit zwei verschiedenen Konzepten für Nord- und Süd-Bayern.

"Zwei Drittel der potentiellen Wolfsverbreitung in Bayern werden außerhalb der Alpen erwartet, und deshalb meine ich, man sollte zwei Konzepte entwickeln um die Diskussion zu entlasten und zu entschärfen. Wir könnten uns vorstellen, dass man sich außerhalb der Alpen an Konzepten orientieret, die in Sachsen und in Brandenburg entwickelt wurden. In der Alpenregion ist es wesentlich schwieriger, und da sollten wir uns an der Schweiz und Italien orientieren. Aber wenn wir die Wölfe in den Alpen wirklich haben wollen, dann geht kein Weg dran vorbei, dass wir das Weidesystem in den Alpen gründlich neu orientieren."

Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky

Herdenschutz-Hunde als Helfer

So könnten etwa bezuschusste Zäune für Schafherden und eine gezielte Förderung der Schäferei gegen den Wolf schützen. Viel Erfahrung hat man damit in der Schweiz, wo auch vermehrt spezielle Schutz-Hunde bei den Herden gehalten werden, die im Notfall gegen die Wölfe kämpfen. Diese Lösung findet auch der Tirschenreuther Schäfer Johannes Rudorf gut.  Er hält Schutzhunde: ein Konzept das auch eine Lösung für die bayerischen Alpen sein könnte, wo die Schafe bisher meist allein auf der Bergweide stehen. Ein Leben mit dem Wolf braucht aber vor allem die Bereitschaft - sich darauf einzulassen, so Rudorf.

"Diese Bereitschaft kann erhöht werden durch einen vom Staat geförderten Schutz der Nutztiere vor dem Wolf. Diesen Schutz bieten unter anderem Herdenschutzhunde für landwirtschaftliche Nutztierhalter, die unsere Kulturlandschaft weiter pflegen sollen. Genügend souveräne Herdenschutzhunde, die dem Wolf zeigen, dass es bei uns nichts zu holen gibt, sind eine sehr gute Präventionsmaßnahme mit nachhaltiger Wirkung."

Schäfer Johannes Rudorf

Ruf nach Geld vom Staat

Noch ist die Schutzhund-Haltung in Bayern aber nicht sehr verbreitet – auch dafür fordert Schäfer Rudorf staatliche Mittel – weil so Schafherden ganz ohne Zäune optimal geschützt werden können. Notfalls müssten – was schon jetzt erlaubt ist  – halbzahme und deshalb gefährliche, Wölfe trotz EU-Artenschutz erschossen werden. Während die Almwirtschaft mittlerweile die totale Wolfsfreiheit fordert – ist der Oberammergauer Wolfexperte Ulrich Wotschikowsky überzeugt.

"Wir lügen die Leute doch an, wenn wir ihnen sagen, wir können diesen ganzen oder halben Landkreis von Wölfen freihalten. Es geht ja gar nicht. Man muss bei der Wahrheit bleiben. Ein bisschen Wolf geht nicht. Der Wolf ist nicht aufzuhalten - aber wir schaffen das."

Wolfexperte Ulrich Wotschikowsky


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