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Sparkassen ziehen sich zurück Bankenraub in Bayern

Nürnberg, Regensburg, Ingolstadt und jetzt auch in und um Würzburg: Die Sparkassen in Bayern sparen Kosten ein. Dutzende Filialen werden geschlossen oder nur noch mit Automaten ausgestattet. Für die Kunden heißt das: weitere Wege und statt Service nur Selbstbedienung.

Von: Johannes Reichart, Uli Scherr und Günther Rehm

Stand: 05.03.2016

Die Sparkasse Nürnberg macht ihre Ankündigung vom Oktober wahr und verkleinert ab April ihr Filialnetz im Stadtgebiet und im Nürnberger Land. Bis 2017 werden sechs Filialen geschlossen, 22 weitere in SB-Standorte umgewandelt. Dort gibt es keine Beratungen mehr, Kunden können lediglich Geld einzahlen und abheben, Überweisungen tätigen und sich ihre Kontoauszüge ausdrucken lassen.

Nach Angaben der Sprecherin der Sparkasse Nürnberg kommt es durch die Verringerung der Standorte nicht zu betriebsbedingten Kündigungen. Die betroffenen Mitarbeiter werden in den nächstgelegenen Filialen eingesetzt.

Ausnahme Augsburg

In Ingolstadt fällt nach BR-Recherchen im kommenden Jahr eine Filiale weg. Auch die Sparkasse Mainfranken plant in Würzburg und Umgebung Schließungen, hat aber noch keine Zahlen angegeben. In Augsburg hingegen bleibt die Zahl an Filialen stabil.

Bürgermeister droht mit Raiffeisenbank

Seit dieser Woche ist bekannt, dass die Sparkasse Regensburg 17 Filialen schließen will, was etwa einem Drittel ihrer Standorte entspricht. Besonders massiv betroffen ist der östliche Landkreis Regenburg. Hier wird gleich fünf Dorfsparkassen das Ende ereilen - so auch die Filiale in Alteglofsheim. Bürgermeister Herbert Heidingsfelder (FW) ist entsetzt. Vor allem die älteren Mitbürger in der Gemeinde seien auf eine Bankfiliale vor Ort angewiesen, sagte er dem BR. Sollte das Institut seine Pläne wie geplant umsetzen, will er den Sparkassenkunden in seinem Ort empfehlen, zur Raiffeisenbank zu wechseln. Die entscheidende Sitzung der Sparkasse Regensburg ist Ende März.

Regensburg ist kein Einzelfall: Vielerorts ziehen sich die Banken aus der Fläche zurück. Die Sparkasse Neumarkt-Parsberg beispielsweise sperrte zum Jahreswechsel vier Zweigstellen zu. In Landshut will sich die Sparkasse von einem Viertel ihrer Geschäftsstellen trennen: Bis zum Jahr 2020 werden hier acht Filialen geschlossen.

Geschäft leidet unter Online-Banking und Zinspolitik der EZB

Für die schwierige Situation der Sparkassen führen die Verantwortlichen zwei Gründe an. Erstens: das veränderte Kundenverhalten. Immer mehr Kunden nutzten Online-Banking und kämen nur noch selten in die Filiale.

Zweitens: Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht den Sparkassen zu schaffen. Die anhaltend niedrigen Zinsen bringen vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken in finanzielle Schwierigkeiten, da diese fast ausschließlich vom Spar- und Kreditgeschäft leben.

Gut 80 weniger

Nach Auskunft des Sparkassenverbandes Bayern wurden im vergangenen Jahr landesweit 81 sogenannte personenbesetzte Filialen umgewandelt oder geschlossen. Auch dieses Jahr dürfte die Zahl an Filialen weiter sinken, eine genaue Summe für alle 71 Sparkassenverbände in Bayern kann der Gesamtverband aber nicht nennen. Am kommenden Mittwoch findet die Jahrespressekonferenz des bayerischen Sparkassenverbandes in München statt.

Die Sache mit dem Strafzins

Wohin mit dem Geld? Banken und Sparkassen müssen 0,3 Prozent Strafzins zahlen, um das Geld ihrer Kunden über Nacht bei der EZB zu parken. Einige Sparkassen - auch in Bayern - fragen sich nun: Wäre die Aufbewahrung im eigenen Tresor nicht billiger? Wir haben den Sparkassenverband Bayern gefragt, wie ernst es seine Mitglieder meinen?

Bayerns Sparkassen und die Strafzinsen der EZB - 4 Fragen an den Verband:

Die neue EZB-Zentrale in Frankfurt am Main

BR24: Werden die bayerischen Sparkassen künftig mehr Geld in ihren Tresors parken, um den Strafzins bei der EZB zu umgehen?

"Das können wir so nicht sagen. Die Sparkassen stellen sich natürlich auf die Herausforderungen der Niedrigzinsphase ein und prüfen dabei sehr viele Optionen für Prozess-, Kosten- und Strukturoptimierungen. Ob es dabei sinnvoll ist, mehr Bargeld vorzuhalten, müssen die 71 bayerischen Sparkassen vor dem Hintergrund ihrer individuellen Situation jeweils für sich selbst entscheiden. Uns ist aber kein konkreter Fall bekannt.

Zum Hintergrund: Vor einigen Wochen kamen einige Sparkassen auf den Sparkassenverband Bayern zu. Sie fragten, welche versicherungstechnischen Kosten damit verbunden wären, wenn man mehr Bargeld als bisher vorhalten und nicht an die Zentralbank weiterreichen würde. Wir haben dann gemeinsam mit der Versicherungskammer Bayern, die ja eine sogenannte Kassenversicherung für die Sparkassen anbietet, entsprechende Deckungsmöglichkeiten für höhere Bargeldbestände in einem internen Rundschreiben auf Arbeitsebene mitgeteilt. Mehr ist nicht passiert. Wir haben keine Empfehlung in diesem Rundschreiben abgegeben und wir wissen von keiner Sparkasse, dass sie konkrete Pläne für die Erhöhung ihrer Bargeldbestände hat.

Klar ist aber: Wenn eine selbstständige Sparkasse ihre unternehmerische Verantwortung ernst nimmt, dann ist es legitim, die betriebswirtschaftlichen Kosten für diese Option zu eruieren. In der Vergangenheit war die Situation ja umgekehrt. Da galt es, möglichst wenig Bargeld vorzuhalten, weil man bei der Zentralbank noch etwas dafür bekommen hat. Das ändert sich zurzeit."


BR24: Können  die Sparkassen denn hohe Millionenbeträge "versicherungstechnisch" im Tresor lagern? In welcher Form könnten diese Beträge gelagert werden?

"Bei einer entsprechenden Anpassung des Versicherungsschutzes und der Sicherheitsvorkehrungen wäre es möglich, erhöhte Bargeldbestände - normale Geldscheine -  in einem Tresor zu lagern."

BR24: Wie reagieren die Sparkassen, falls die EZB nächste Woche den Einlagenzins noch weiter nach unten drückt?

"Jede der 71 bayerischen bzw. der 409 deutschen Sparkassen trifft ihre geschäftspolitischen Entscheidungen selbstständig. In die individuellen Kostenabwägungen fließen aber viel mehr Komponenten ein als die Höhe der Versicherungsprämie. Wir sehen das wirtschaftlich und pragmatisch. Die Sparkassen sind nicht dazu da, große Geldpolitik zu betreiben. Aber die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen schauen wir uns schon an."

BR24: Wie hoch sind denn die bisher gezahlten Strafzinsen?


"Wir bitten um Verständnis, dass wir zu den betroffenen Beträgen grundsätzlich keine Stellung nehmen."

Die Fragen von BR24 beantwortete Eva Mang, die Pressesprecherin des Sparkassenverbandes Bayern.

  • Uli Scherr | Bild: BR Uli Scherr

    Uli Scherr ist Mitarbeiter im Regionalstudio Ostbayern in Regensburg


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Sparkassenkunde, Montag, 07.März, 08:54 Uhr

11. Bankenraub in Bayern

Das Problem ist doch wie überall: Umsatzsteigerung, Gewinnsteigerung, Kosteneinsparung. Jeder sogennante Manager muss doch immer "tolle Einfälle" vorbringen, damit immer bessere Geschäftsberichte bekanntgegegen werden können. Der Kunde zählt doch nichts, genau wie der normale Sparkassenangestellte. Der Kunde ist König, hat noch nie gestimmt - sondern der Kunde hat zu zahlen.
DIE BANK GEWINNT IMMER.

Angelika, Sonntag, 06.März, 10:13 Uhr

10. Welcher Service ?

Wir haben in unserer kleinen Stadt eine Sparkassenfiliale, die sich durch einen Umzug sehr modernisiert hat und nun ganz viele Automaten hat. Sollte ein Kunde, vorwiegend ältere Kunden, Probleme beim Abheben oder Überweisen haben, wird an die Automaten verwiesen - Hilfestellung Fehlanzeige. Ich hatte beim Einzahlen von Münzgeld eine Münze, die der Automat nicht erkennen konnte - selbst die konnte nicht getauscht werden, da es kein Geld mehr am Schalter gibt. Betritt man die Sparkasse wirken die Angestellten wie Statisten, damit es halt nicht so leer ausschaut :-)! Da können die auch gleich schließen!

Arbed, Samstag, 05.März, 21:47 Uhr

9. Bankenraub in Bayern

Mir sind Sparkassen, die sich rechtzeitig um ihre Kosten kümmern und dagegen steuern lieber als ein Rundfunk, der dabei ist, Millionen von Schulden anzuhäufen.

Gerhard Nold, Samstag, 05.März, 18:00 Uhr

8. Sparkasse in Füssen

Auch in Füssen und Umgebung werden Filialen geschlossen oder in Automaten-Filialen umgewandelt.
Proteste haben auch hier nicht geholfen. Dabei ist das Argument, dass sehr viele Kunden Online-Banking betreiben, so richtig
hinterhältig. Denn vor etlichen Jahren wurden die Kunden durch eine neue Gebührenpolitik regelrecht aus den Filialen gedrängt, indem das Online-Banking kostenlos gestellt wurde, aber Überweisungen in der Filiale sehr teuer gemacht wurden.
Und jetzt das Online-Banking als Argument zur Schließung anzuführen, ist mehr als unfair.
Es geht halt ums Geld und wenig um die Kunden, die aber das Geld bringen.

F. Maximilian Mader, Samstag, 05.März, 17:41 Uhr

7. "Sparkasse auf Sparflamme"

Die Sparkassen haben noch nie soviel verdient wie jetzt, jedoch in Immobilien. Wir wurden zum Onlinebanking jahrzehntelang hingeführt,
auf einmal sind wir, die Kunden, schuld das wir dieses benützen. Lassen wir mal die Kirche im Dorf,
Normalerweise müssten wir als Kunden gegenüber den Banken Gebühren verlangen, Strom, Papier Toner und vor allen Dingen Arbeitszeit,
Kurz noch - die anderen Geldinstitute sind auch nicht besser ..