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Missstände in Kinderheimen Nach BR-Recherche bestellt Ministerin Verantwortliche ein

Die bayerische Sozialministerin hat Vertreter der Heimaufsichtsbehörden heute ins Ministerium einbestellt. Damit reagiert Emilia Müller auf Enthüllungen von BR Recherche, dass Kinder in bayerischen Heimen weggeschlossen werden.

Von: Christiane Hawranek, Lisa Wreschniok (BR Recherche), Michael Kubitza (BR24)

Stand: 07.04.2016

Zunächst hatte das Sozialministerium bestritten, dass geistig behinderte Kinder in bayerischen Heimen eingesperrt werden. BR-Recherchen beweisen das Gegenteil. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Ergebnisse reagierte die Ministerin, korrigierte die Einschätzung ihres Hauses und mehr noch: Sie hat für heute die Vertreter der Aufsichtsbehörden der Heime zum Rapport ins Ministerium bestellt.

"Das war so nicht bekannt - in diesem Ausmaß überhaupt nicht. Ich nutze jetzt die Recherche des BR, um der Sache jetzt noch intensiver nachzugehen und aufzuklären."

Sozialministerin Emilia Müller

Sie wolle nun so schnell wie möglich Erklärungen von Seiten der Rechtsaufsichtsbehörden, erklärte Emilia Müller. Vor der Veröffentlichung von BR Recherche hatte das Ministerium in einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Alexandra Hiersemann betont, dass Kinder oder Jugendliche mit Behinderung in ganz Bayern nicht in Zimmern oder Time-Out-Räumen eingesperrt würden.

Das Kindeswohl, so Emilia Müller in ihrer Reaktion gegenüber dem BR weiter, müsse im Mittelpunkt stehen. Daher dürften einschränkende Maßnahmen gegenüber Kindern nicht einfach hingenommen werden.

Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag nannte die Reaktion Müllers auf die BR Veröffentlichung überfällig. Die Staatsregierung, so Kerstin Celina, habe das Thema seit Jahren vernachlässigt. Die SPD-Abgeordnete Alexandra Hiersemann wies darauf hin, dass ihrer Ansicht nach die Aufsichtsbehörden in der Vergangenheit viel zu nachlässig mit der Kontrolle der Heime umgegangen seien.


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