6

Europaparlament zum Streit um Unkrautvernichter Sonderausschuss untersucht Glyphosat-Zulassung

Nach der Aufregung um die weitere Zulassung für den Unkrautvernichter Glyphosat geht das Tauziehen um die umstrittene Chemikalie in die nächste Runde: Nun haben die Fraktionschefs des Europaparlaments entschieden, dass sich ein Sonderausschuss mit der Neuzulassung befassen soll.

Von: Karin Bensch

Stand: 18.01.2018

Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das den Wirkstoff Glyphosat enthält | Bild: dpa-Bildfunk

Die EU-weite Zulassung von Glyphosat für weitere fünf Jahre – sie hatte für ordentlichen Wirbel gesorgt. Denn Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU hatte Ende November vergangenen Jahres „Ja“ zu Glyphosat gesagt.

"Ich fühle mich verpflichtet, in der Bundesregierung die Dinge zu entscheiden, die zur Entscheidung anstehen. Und, so ist er, der Schmidt."

Christian Schmidt, Bundeslandwirtschaftsminister

Zweifel nicht ausgeräumt

Ein „Ja“ zu Glyphosat aus Deutschland, obwohl Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von der SPD „Nein“ gesagt hatte.

"Wer Vertrauen zwischen Gesprächspartnern befördern will, der darf sich jedenfalls so nicht verhalten."

Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin

In der Bundesregierung galt die Glyphosat-Entscheidung als Vertrauensbruch. Und für die Kritiker wurden die Vorbehalte gegen Glyphosat durch die Zulassungsverlängerung nicht ausgeräumt. Viele halten den Unkrautvernichter nach wie vor für gefährlich. Manche sind der Auffassung, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist, andere kritisieren, dass die Chemikalie zur Zerstörung der Artenvielfalt beiträgt.

Klarheit bis Jahresende

Die Fraktionschefs des Europaparlaments haben heute einstimming entschieden, dass es einen Sonderausschuss geben wird. Der soll im März starten und bis Jahresende aufarbeiten, wie die Neuzulassung von Glyphosat in Europa zustande kam. Die zuständigen EU-Agenturen und das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin hatten den Stoff als unbedenklich bewertet. Glyphosat kann nicht als krebserregend eingestuft werden, hatte ein Mitarbeiter der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki gesagt.

Das Problem ist: Die Studien, auf deren Grundlage diese Stellen entscheiden, sind meist von der Agrar- oder Chemieindustrie bezahlt bzw. beeinflusst, kritisiert der Grünen-Europapolitiker Martin Häusling.

"Wenn man sieht, wie geprüft wird, auf welcher Grundlage, dann muss man sagen, dass sind in erster Linie Industriegutachten. Es gibt ja auch durchaus Hinweise aus den USA, über Gerichtsprozesse, dass tatsächlich an den Vorlagen manipuliert wurde. Und, wenn man dann auf der anderen Seite sieht, dass das ein Milliardengeschäft ist, gerade für Unternehmen wie Monsanto, wird dann natürlich alles dafür getan, damit die Studien bloß nicht selbst nachweisen, dass es ein Krebsrisiko gibt."

Martin Häusling, Grünen-Europapolitiker

Forschungsgelder kommen von der Wirtschaft

Dass sich die europäischen Prüfstellen auf Industriegutachten stützen, liegt zum einen daran, dass sie selbst gar keine eigenen Studie durchführen können, weil sie für jahrelange, aufwändige und teure Untersuchungen kein Geld und keine Möglichkeiten haben. Ein weiteres Problem ist, dass man die Forschungspolitik in den vergangenen Jahren am Markt ausgerichtet hat, sagt Häusling.

"Universitäten und renommierte Institute bekommen natürlich das Geld nicht von der öffentlichen Hand, sondern von Unternehmen. Und diese Unternehmen schaffen Abhängigkeiten. Und da muss man natürlich sagen, wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Das ist wie gesagt ein Milliardengeschäft, was dahinter steht, und da gibt es keine unabhängige Wissenschaft."

Martin Häusling, Grünen-Europapolitiker

Vor allem die Grünen und die Sozialdemokraten im Europaparlament kritisieren, dass die Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel komplett intransparent seien. Sie fordern, dass ernsthaft drüber nachdenken, ob die Grundlagen der Zulassung in Europa tatsächlich noch zu rechtfertigen sind. Die EU-weite Zulassung von Glyphosat für die kommenden fünf Jahre wird der Sonderausschuss nicht kippen. Aber er kann mehr Licht in undurchsichtige Zulassungsverfahren bringen.

Zu diesem Thema berichtet auch Bayern 3 um 16 Uhr.


6

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Heinrich, Sonntag, 21.Januar, 15:16 Uhr

5. Pflanzen-"schutzmittel ?"


Der grösste Hohn für die Geschädigten ist wohl, dass dieses ! PflanzenGIFT ! als "Pflanzenschutzmittel" angepriesen wird. Abgesehen von "möglicherweise krebserregend" ist die Anwendung ein KAHLSCHLAG in der Natur zugunsten eines Milliardengeschäfts von Wenigen, das mit den Mordsgeschäften der Rüstungsindustrie vergleichbar ist. Das Fatale: Die Folgen der Rüstung der Agrarindustrie sind schleichend.

Ich empfehle den Verharmlosern die Doku "Das Monsanto-Tribunal" anzuschauen, das im letzten Jahr u.a. in ARTE gezeigt wurde! Weitere Informationen bietet det der "Informationsdienst Gentechnik" in Berlin. Die gestrige Großdemo in Berlin mit zehntausenden Protestierern gegen die "Roundup"-Strategie war eine wahre Freude.

Blechmann13, Freitag, 19.Januar, 06:22 Uhr

4. WOW!

"Ich fühle mich verpflichtet, in der Bundesregierung die Dinge zu entscheiden, die zur Entscheidung anstehen. Und, so ist er, der Schmidt."

Christian Schmidt, Bundeslandwirtschaftsminister

Den zweiten Satz ignorier ich einmal...

Der erste bedeutet aber entweder, dass er diese Entscheidung nach seinem persönlichen Gutdünken entschieden hat, über die Köpfe der GroKo hinweg, oder aber dass er dies im Auftrag der CDU/CSU getan hat, und nun als "Sündenbock" für die CDU/CSU vorbereitet wird.

So oder so, viel Spass bei der Fortführung der GroKo liebe SPD....

mfg

Glyphosat Schmidtchen 7, Donnerstag, 18.Januar, 20:11 Uhr

3. Glyphosat sicher sehr gefährlich!

Wenn in Deutschland immer noch irgendjemand denkt Glyphosat sei ungefährlich der sollte nur nach Argentinien sehen.
Dort sind sehr viele Menschen massiv erkrankt und es gibt dort auch viele mißgebildete Kinder durch dieses Mittel.
Kann man auch im Internet nachsehen. Für mich sehen auch einige der Kinder aus als ob sie so etwas wie Neurodermitis haben, da wüßte man dann auch gleich wo diese Krankheit herkommt!?(der letzte Satz ist nur eine Vermutung, der Rest leider Tatsachen)

  • Antwort von Gschaidhaferl, Donnerstag, 18.Januar, 20:43 Uhr

    Wenn ich mir die Luftqualität in Chinas Großstädten so anschaue, sind Abgase aus dem Straßenverkehr auch extrem gefährlich. Also am besten sofort alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verbieten. Was ich damit sagen will, die Dosis macht das Gift. In Argentinien wird viel mit GVO-RR Saatgut gearbeitet, da wird mehrmalig im Jahr Glyphosat auf die Flächen ausgebracht. In Bayern wird nur ein Bruchteil der Fläche einmalig mit Glyphosat behandelt, und mir ist kein Fall bekannt wo Glyphosat in den letzten 10 Jahren auf erntereife Bestände ausgebracht wurde, sondern entweder nach der Ernte zur Bekämpfung von Quecke ( ist ein Gras, also Windbestäuber, da haben auch die Bienen nix davon), oder vor der Aussaat von Mais zum Abtöten von nicht erfrorenen Zwischenfrüchten (von denen hatten die Bienen im Herbst noch was). Wenn Glyphosat nun verboten wird werden viele Ackerflächen nach der Ernte der Frucht schwarz gehalten, sprich keine Zwischenfrüchte, keine Wirtspflanzen für Insekten

thorie , Donnerstag, 18.Januar, 20:09 Uhr

2. ab sofort bezahlt der steuerzahler

eine kommission, die seitens der bauern-lobby eh schon zugetextet wird!

wenn die EU dagegen wäre, wärs schon verboten.

eine kommission wird den bürgern ein x für ein u vormachen

Klaus Ü, Donnerstag, 18.Januar, 18:41 Uhr

1. Glyphosat

Eigentlich wäre es doch in diesem gravierenden Fall, betreffend Mensch und Natur, Sache der einzelnen Länder zu entscheiden, ob sie Gift auf ihren Äckern und im Grundwasser haben wollen. Garnicht geht, dass ein Einzelner darüber befindet. Wer hat endlich mal den Mut, sich für die Umwelt zu entscheiden, anstatt die Industrie zu hofieren. Aber hoffen und harren machte schon immer zum Narren, denn Geld regiert die Welt.