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Kampf der Kronprinzen Söder, Aigner und der Mann im Hintergrund

Er wollte doch nur helfen, der Finanzminister! Wo die Wirtschaftsministerin doch so viel Arbeit hat mit dem Ausbau der Stromnetze. Doch die ist so gar nicht glücklich mit der Söderschen Einmischung - denn hinter den Kulissen tobt der Machtkampf um die Nachfolge des Ministerpräsidenten.

Von: Nikolaus Neumaier

Stand: 02.03.2016

Ilse Aigner, Horst Seehofer und Markus Söder | Bild: picture-alliance/dpa

Markus Söder reagierte wie ein Unschuldslamm. Zum Vorwurf, er hätte mit seiner Stromtrassen Pressekonferenz eine Grenze überschritten und sich in die Kompetenzen von Wirtschaftsministerin Aigner eingemischt, sagte Söder in seiner Heimatstadt Nürnberg, er mache nur das wofür er zuständig sei und wolle seine Kollegin auch nur unterstützen:

"Wir haben sogar den Auftrag vom Ministerpräsidenten bekommen und wollen helfen. Eigentlich ist das als Hilfe für Ilse Aigner gedacht."

Markus Söder, bayerischer Finanzminister

Die Wirtschaftsministerin stellte dagegen klar, dass der Leitungsausbau in ihrer Kompetenz liege. Ilse Aigner ließ auch durchblicken, dass sie Söders Vorstoß als stillose Grenzüberschreitung empfindet:

"Es geht eben nicht um den Erfolg einer einzelnen Person, sondern es geht um den Erfolg des Landes und der Staatsregierung insgesamt."

Ilse Aigner, bayerische Wirtschaftsministerin

Der Urknall der Unstimmigkeiten

Der aktuelle Streit war ausgebrochen, weil Finanzminister Söder am Montag zu einer Pressekonferenz über den bürgerfreundlichen Ausbau der Stromnetze eingeladen hatte, ohne die zuständige Wirtschaftsministerin Aigner einzubinden. In der Kabinettssitzung am Dienstag hatte Aigner darum Söder attackiert. Doch der hatte hinterher so getan, als könne er die Aufregung nicht verstehen und ließ auch verbreiten, dass alles abgestimmt war:

"Wir sind ganz bescheiden im Ressort geblieben."

Markus Söder, bayerischer Finanzminister

Aigner kämpft um Anerkennung

Schon länger handelt Söder mit einem Selbstbewusstsein, dass nur er die CSU und Bayern in die Zukunft führen kann. Ilse Aigner dagegen wirkt abgemeldet. Im Singspiel beim traditionellen Starkbieranstich trat Aigners Double als vergessenes Mauerblümchen auf und sang von der Ilse, die die CSU Führung vergessen hat:

"… Ihr habt die Ilse vergessen…"

Jetzt aber scheint Aigner nicht mehr zusehen zu wollen, dass Söder sie links liegen lässt und sie signalisiert, dass sie das Rennen um die Nachfolge von Horst Seehofer nicht aufgegeben hat. Aigner könnte sich im Gegensatz zum polarisierenden Söder als ausgleichende Kraft ins Spiel bringen:

"Ich glaub einfach, dass es ein gutes Miteinander ist, das wir hier pflegen sollten und könnten und für mich ist selbstverständlich mit anderen mitabzustimmen und das erwarte ich auch von allen anderen."

Der omnipräsente Minister

Söder freilich dürfte sich davon kaum einschüchtern lassen. Er ist schon jetzt überpräsent. Seine Pressesprecher stellen Livebilder vom Minister bei einer Essensausgabe ins Netz, Söder selbst übergibt fast jeden Förderbescheid persönlich und hält sich für sehr vieles zuständig, auch für die genaue Planung der Stromtrassen.

"Warum machen wir im Heimatministerium das? Weil wir dafür zuständig sind. Die Landesentwicklung und die Raumordnung ist zuständig, resortiert im Heimatministerium. Ich bin der Raumordnungsminister - Raumordnung wird definiert in Bayern über das Landesentwicklungsprogramm, das LEP. Das LEP - dafür sind wir auch zuständig."

Markus Söder, bayerischer Finanzminister

Zieht Seehofer die Strippen?

Die große Unbekannte auf Söders Weg an die Spitze freilich ist Parteichef Seehofer. Seehofers Andeutung, er könne den Parteivorsitz vielleicht schon 2016 an einen anderen übergeben, könnte ein Manöver gewesen sein, um CSU Führungsleute wie Alexander Dobrindt oder Manfred Weber zu animieren, sich in Position bringen. Söder stünde dann nicht mehr konkurrenzlos da.


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HinterTürkisch, Donnerstag, 03.März, 01:41 Uhr

11. Was?

Was hätte wohl die CSU über eine sich so verhaltende Partei (geschweige denn Personen) gesagt, würde das hier Berichtete nicht von der CSU selbst kommen? Irgendwann ist der Spass vorbei und Zuständigkeiten im Falle der Energiewende wahrgenommen werden; sollte das hier Vorgetragene dazu dienen können, die Energiewende noch lächerlicher zu machen als es die CSU schon längst haben wollte, ist von "Sachorientierung" im Zusammenhang mit "CSU" nicht mehr zu sprechen. Ich gebe zu, dieser Gedankengang hat eine leicht Nockherberg'sche Schlagseite, wissen kann man es aber scheinbar bei dieser Partei nie (und vielleicht ist die Wirklichkeit ja noch grausamer als gedacht)...

Helmut , Mittwoch, 02.März, 22:55 Uhr

10. Frauenquote in der CSU

Seid endlich mal anständig zu Ilse Aigner!!! Sie ist immerhin stellvertretende Mini-
sterpräsidentin und wurde demokratisch gewählt. - In ihrer überaus sympatischen Art
ist sie kompetenter als manch ein Anderer und macht einen guten Job. Seit Jahren wird
sie bei jedem ihrer Vorschläge verbal "niedergebügelt" und nicht beachtet. Ist das
wirklich die Streitkultur des 3. Jahrtausends oder des Nahen Ostens? - Es ist nicht
böse gemeint, aber vielleicht ein verrauchender Denkanstoß.

Waldgott Gottwald, Mittwoch, 02.März, 21:23 Uhr

9. unterschiedlich sympathische Ausstrahlung

Ilse Aigner würde freilich eine gute Ministerpräsidentin sein, sie würde mir tausendmal besser gefallen, als der vor Ehrgeiz bald zerplatzende Söder!

  • Antwort von Eska Peter, Mittwoch, 02.März, 22:34 Uhr

    Wenn es um ´s Gefallen bei den Qualitäten eines/r Politiker-GenderStar-In ginge, sollte sich wohl die nächste Miss Germany zur Wahl stellen?

Waldgott Gottwald, Mittwoch, 02.März, 21:19 Uhr

8. Lieber die herzliche Aigner als den fränkischen Unsympathen Söder

Ilse Aigner gibt freilich eine gute Ministerpräsidentin ab, garantiert menschlicher als der vor Ehrgeiz bald zerplatzende Söder!

nemo nullus, Mittwoch, 02.März, 20:32 Uhr

7. söder

ein mediengeiler söder mit seinen "schmutzeleien" als ministerpräsident?
da hat er ja niemanden mehr vor sich, dem er hinten reinkriechen kann...