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Bericht zum Waffenhandel Das große Aufrüsten

Die Ausgaben für Waffen, Panzer, Militärjets und Munition sind im vergangenen Jahr gestiegen - und zwar drastisch. Für das Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm ein alarmierendes Signal, zumal der Einkauf durch den schwachen Ölpreis noch gebremst wurde.

Von: Carsten Schmiester

Stand: 05.04.2016

Ob es eine bedenkliche Trendumkehr ist, das lässt sich noch nicht sagen. Aber: Der Rückgang aller weltweiten Rüstungsausgaben ist gestoppt. Vier Jahre lang hatten die schwedischen Beobachter diesen Rückgang beobachtet. 2015 sind die Ausgaben aber wieder um ein Prozent gestiegen. Diese Zunahme liegt laut Sipri an teils deutlich gestiegenen Waffenkäufen in Asien, in Zentral- und Osteuropa und in einigen Staaten des Nahen Ostens. Dort hat vor allem ein Land die Forscher überrascht.

"Saudi-Arabien liegt jetzt an dritter Stelle der weltweiten Waffenkäufe nach den USA und nach China. Das ist schon sehr außergewöhnlich. Und die Saudis setzen diese Waffen in Syrien und im Jemen auch ein. Das Land möchte dadurch seinen Status in der Region behaupten und ausbauen."

Sam Perlo-Freeman, Chef des Sipri-Militärausgabenprojekts

Hintergrund: Das Sipri-Istitut

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri | Bild: Sipri

Das Institut in Stockholm

1966 ist das Friedensforschungsinstitut Sipri vom schwedischen Parlament ins Leben gerufen worden. Seitdem versorgt es von Stockholm aus Wissenschaftler, Politiker und Medien mit Daten, Analysen und Empfehlungen zu internationalen militärischen Fragen.

Finanziert wird Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) zum großen Teil von der schwedischen Regierung. Es arbeitet eng mit den Vereinten Nationen (UN) und der Europäischen Union (EU) zusammen.

USA geben deutlich am meisten Geld für Waffen aus

F22-Bomber der US-Luftwaffe

Gut 87 Milliarden Dollar haben die Saudis im vergangenen Jahr für Rüstungsprojekte ausgegeben – über 20 Milliarden Dollar mehr als Russland. Damit ist es laut Sipri mit knapp 66.4 Milliarden Dollar der viergrößte Waffenkäufer der Welt. Dahinter liegt Großbritannien mit 55,5 Milliarden Dollar. Deutschland liegt dem Bericht zufolge mit 39,4 Milliarden Dollar auf dem neunten Platz. Die USA haben ihre Ausgaben im Jahr 2015 zwar etwas zurückgefahren, haben aber mehr als zehnmal so viel ausgegeben wie ihre britischen Verbündeten – nämlich 596 Milliarden Dollar.

Die Rüstungsausgaben von China werden in dem Bericht mit 215 Milliarden Dollar beziffert, knapp sieben Prozent höher als im Vorjahr und damit mit dem russischen Plus vergleichbar. Das wiederum führen die Stockholmer Forscher auf den schwelenden Ukraine-Konflikt zurück, der auch die Ukraine und andere Länder dazu gebracht hat, ihre Rüstungsausgaben deutlich zu erhöhen.

Im Westen Europas gingen die Rüstungsausgaben dagegen zurück, wenn auch nur um 1,3 Prozent. Aber das könnte sich laut Sipri schnell wieder ändern. Frankreich, aber auch Großbritannien und auch Deutschland planen wieder mehr Geld für Rüstung auszugeben. Gründe sind die zunehmende Bedrohung durch internationale Terrororganisationen und das angespannte Verhältnis zu Russland.

Die Ölpreis-Bremse

Dass der weltweite Waffenhandel nicht noch weiter gewachsen ist, führt Perlo-Freeman auf Faktoren zurück, aufgrund derer einige Staaten nicht mehr in der Lage waren, so viele Waffen zu kaufen, wie sie gerne gewollt hätten. Als größte Rüstungsbremse hat sich dabei der niedrige Ölpreis entpuppt.

"Wir sehen da ein sehr gemischtes Bild in 2016. Der Verfall des Ölpreises steht ganz klar gegen die Krisen und Spannungen. In einigen Öl-produzierenden Ländern sind die Rüstungsausgaben deswegen zurückgegangen, aber nicht in allen. Allgemein kann man sagen, dass die Erhöhung der Ausgaben in einigen Regionen der Welt größer waren als die Verringerungen  in anderen."

Sam Perlo-Freeman, Chef des Sipri-Militärausgabenprojekts

Ob es so weiter geht, können auch die Stockholmer Forscher nicht sagen. Für eine seriöse Prognose seien die Schwankungen in der Weltwirtschaft wie auch in der internationalen wie auch regionalen Politik zu stark.


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Schorsch K., Dienstag, 05.April, 15:00 Uhr

3. Eine wirksame Fluchtvermeidungsstrategie

Grenzen auf für die durch die weltweite Verbreitung von Kriegswaffen vom Tode bedrohten Menschen !
Grenzen zu für Kriegswaffenexporte in alle Ecken und Enden der Welt !
Es ist dringend notwendig, den gesamten Erdball rigoros zu entmilitarisieren, sonst geht die Menschheit früher oder später elendig zu Grunde.
Wohnungen für Flüchtlinge sollten vordringlich auf Werks und-Firmengeländen der Rüstungsbetriebe gebaut werden, damit verhindert man, dass weiterhin Fluchtgründe für Menschen entstehen. Wenn die Werksgelände und die Produktionshallen voll sind, sind die Eigentümer der Rüstungsschmieden sicher bereit, Kriegsflüchtlinge in den Vorgärten ihrer Villen und Sommerresidenzen unterzubringen, natürlich kostenlos.

wm, Dienstag, 05.April, 12:34 Uhr

2. Heuchlerisch und verlogen

Auf einer Seite Frieden "missionieren",auf der anderen Seite Kriegswaffen exportieren!!

qw, Dienstag, 05.April, 09:04 Uhr

1. Ursachenbekämpfung in der Flüchtlingsfrage durch unsere Regierung?

ISt doch schön, dass wir Deutschen so gute Waffengeschäfte mit den Saudis u.v.m. machen.
Dann ist es auch auf der anderen Seite unsere Pflicht, die von uns mit erzeugten Flüchtlinge aufzunehmen.
Es wäre doch auch die Verantwortung der Waffenlobby sich hier an den Kosten für die Unterbringung und Versorgung dieser flüchtenden Menschen zu beteiligen. Für jede verkaufte Waffe ist hier eine entsprechende Rücklage für zu Schaden kommende Menschen zu bilden.

  • Antwort von xaver, Dienstag, 05.April, 11:46 Uhr

    @qw
    da kommen aber vor uns noch andere, nämlich USA, Rußland, GB , Frankreich-dann kommt die BRD. Lassen die vorweg genannten Länder auch nur erkennen, dass die sich in irgend einer Form am Aysl-Pakt beteiligen? Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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