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Urteil in den USA Sieben Jahre Haft für ehemaligen VW-Manager

Die Hoffnung von VW-Manager Oliver Schmidt auf ein milderes Urteil hat sich nicht erfüllt. Wie erwartet ist der 48-Jährige frühere Leiter des Umweltbüros von VW in den USA zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Außerdem muss er eine Geldstrafe in Höhe von 400.000 Dollar zahlen.

Von: Martin Ganslmeier

Stand: 06.12.2017

VW Logo hinter Gittern | Bild: picture-alliance/dpa/Lino Mirgeler

Zur Begründung sagte Bundesrichter Sean Cox, Schmidt habe die US-Umweltbehörden bewusst in die Irre geführt und den Betrugsskandal vertuscht. Er gehöre damit zu den Schlüsselfiguren der VW-Abgasaffäre.

Auf den Richterspruch reagierte Schmidt gefasst. Seine ebenfalls im Gerichtssaal anwesende Ehefrau brach jedoch in Tränen aus. Die Urteilsverkündung verfolgte Schmidt in roter Häftlingskleidung, mit Handschellen und Fußfesseln. Den Tag seiner Verurteilung bezeichnete er als den schwierigsten seines Lebens. Mit tränenerstickter Stimme sagte er, er könne sich nicht vorstellen, weitere sechs Jahre inhaftiert zu sein. Seiner Frau, die zu ihm nach Detroit gezogen ist, sei er unendlich dankbar.

Von Vorgesetzten unter Druck gesetzt?

Zuvor hatte Schmidts Verteidiger für eine mildere Strafe plädiert. Wörtlich sagte er: "Mr. Schmidt war nicht Mastermind hinter dem Betrugsskandal. Erst gegen Ende wurde er Teil der Verschwörung." Letztlich sei er von seinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt worden, den Betrug zu vertuschen.

Schmidt habe schon frühjer von dem Betrug gewusst

Dem widersprach die Anklage entschieden. Seit 2006 habe Volkswagen seine Kunden in den USA systematisch betrogen. Der jahrelang verwendete Werbeslogan "Clean Diesel" klinge heute "wie Hohn". Anders als behauptet sei Oliver Schmidt nicht erst Mitte 2015 Teil der Verschwörung geworden. Wenn man seine E-Mails seit dem Frühjahr 2014 lese, werde deutlich, dass er spätestens seit dieser Zeit von dem Betrug gewusst habe. Außerdem habe sich Schmidt freiwillig gemeldet, um von Wolfsburg aus erneut in die USA zu reisen und die US-Behörden hinzuhalten. Keineswegs sei er dazu von seinen Vorgesetzten gezwungen worden. Sondern er habe freiwillig geholfen, das Skript für die Vertuschung zu schreiben.

Schmidt löschte wichtige Dokumente

Darüber hinaus habe er nach Aufdeckung des Dieselskandals wichtige Mails und Dokumente gelöscht und Mitarbeitern geraten, das Gleiche zu tun.  Erst Schmidts Nachfolger als Leiter des Umweltbüros in den USA habe den Betrugsskandal gegenüber der kalifornischen Umweltbehörde zugegeben.

Bundesrichter Sean Cox schloss sich der Argumentation der Anklage größtenteils an. So bitter der Tag für Oliver Schmidt und seine Familie ist, für VW ist der Dieselskandal damit in den USA so gut wie abgehakt.


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