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Sicherheitspolitik 4.0 Wirtschaft fordert mehr Schutz

Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz präsentiert traditionell die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ihre Vorstellungen zur Verteidigungspolitik.

Stand: 17.02.2017

Für die in Bayern stark vertretene Rüstungsindustrie stellte die Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium Karin Suder höhere Verteidigungsausgaben in Aussicht. Ansonsten ging es angesichts der Bedrohungen aus dem Internet vor allem um IT-Sicherheit.

Sicherheitspolitik betrifft auch das Internet

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Eine Sicherheitspolitik 4.0 fordert Alfred Gaffal, der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Gemeint mit dem modischen Begriff ist, dass Verteidigungspolitik nicht nur zu Lande, zu Wasser und in der Luft erfolgen muss, sondern auch im Cyberspace. Und letzteres auch in Friedenszeiten. Denn die Übergänge zwischen Internet-Kriminalität, Industriespionage und Cyberwar sind fließend. Gaffal weist darauf hin, dass vor allem Mittelständler Gefahr laufen, über das Netz ausspioniert zu werden. Allerdings, so der vbw-Präsident, dürften Sicherheitserwägungen nicht die Innovationskraft der Digitalwirtschaft abwürgen.

Aber genau das ist das Dilemma jener Sicherheitspolitik 4.0.: Ein Großteil der Digitalwirtschaft verdient mit Nutzerdaten Geld. Software wird geschrieben, um diese abzugreifen. Das World Wide Web finanziert sich durch nutzerspezifische Werbung. Und in einem solchen Umfeld sind dann eben auch Geschäftsgeheimnisse nicht sicher.

"Ich will, dass diese Schwachstellen geschlossen werden"

Der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, will Verbraucher und Firmen stärker für digitale Gefahren sensibilisieren.

"Die organisierte Kriminalität verdient seit 2009 mehr Geld mit Cybercrime als mit Drogen."

Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, im Interview der Woche auf B5 aktuell

Deshalb arbeite das BSI gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt und den Geheimdiensten daran, für besseren Schutz zu sorgen, so Schönbohm. Ein Problem sei auch die Industriespionage. Wo früher aktenordnerweise kopiert werden musste, reichen heute ein paar Mausklicks, betonte Schönbohm. Dabei seien Hacker keine Zauberer: "Sie nützen technische Schwachstellen aus. Ich will, dass diese Schwachstellen geschlossen werden."

Mehr Umsicht im Umgang mit dem Internet

Sicherheit im Internet

Von Privatpersonen wünscht sich Schönbohm mehr Umsicht beim Surfen im Internet. In der realen Welt bleibe man bei einer roten Ampel auch stehen. Im Internet wundere man sich aber über die Folgen, wenn man einfach irgendetwas anklickt. Eine Art Aufklärungssendung im Fernsehen wie "Der siebte Sinn“ könnte da sinnvoll sein. Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte Schönbohm, das BSI tue derzeit eine ganze Menge, um Manipulationen zu verhindern. So sei man im intensiven Austausch mit den Parteien und dem Bundeswahlleiter. Das Thema Wahlmanipulationen spiele derzeit auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine Rolle, an der Schönbohm teilnimmt. Er spreche dort darüber mit Kollegen aus anderen europäischen Ländern, etwa aus Frankreich und den Niederlanden, wo in diesem Jahr ebenfalls wichtige Wahlen anstehen. Details wollte der BSI-Präsident nicht nennen. Ob die getroffenen Maßnahmen in Deutschland ausreichten, werde man am Wahltag um 18:01Uhr wissen.


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