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Den "Club der Tech-Jungs" aufbrechen Sexismus im Silicon Valley

Im Buch "Brotopia" prangert die TV-Moderatorin Emily Chang Sexismus im Silicon Valley an: Frauen seien von dem "Boys' Club" systematisch ausgeschlossen - und hätten so kaum Karrierechancen.

Von: Marcus Schuler

Stand: 14.02.2018

Rot lackierte Daumen tippen auf ein Smartphone. | Bild: picture-alliance/dpa

Emily Chang sorgt mit ihrem Buch "Brotopia: Breaking up the Boys' Club of Silicon Valley" für Unruhe im Tech-Tal. Die bekannte TV-Moderatorin berichtet von Sex-Partys in San Francisco und im noblen Millionärsörtchen Atherton. Im Kern ihres Buchs geht es aber darum, dass Frauen in der Tech-Welt kaum Chancen auf Erfolg haben. Sie seien vom "Boys' Club" systematisch ausgeschlossen.

Sexistisches Verhalten im Silicon Valley hat Tradition, sagt die angesehene Fernsehmoderatorin. Es gibt da sogar einen konkreten Aufhänger: Das Jahr 1973. Im Mittelpunkt: Lena Söderberg, Fotomodell aus Schweden. Sie hatte sich im Vorjahr für den "Playboy" ausgezogen. Im Silicon Valley arbeitete damals eine Gruppe von Programmierern an einem Algorithmus für digitale Bilder, erzählt Chang im Radiosender NPR:

"Niemand störte sich damals daran, dass am Arbeitsplatz der 'Playboy' auslag. Das Foto des Centerfolds wurde von den Entwicklern damals genutzt. Bis heute dient es als Referenzbild für digitale Foto-Algorithmen. Von Apple bis Google. Für die männlichen Entwickler mag das heutzutage eine witzige Fußnote sein, dass es sich dabei eigentlich um eine nackte Frau handelte. Für Frauen ist das nach wie vor befremdlich."

Emily Chang

Frauenfeindliches Verhalten hat System

Frauenfeindliches Verhalten habe System, meint Chang. Auf die Spitze getrieben hat es der Gründer des Fahrdienstleisters Uber Travis Kalanick - und musste als Folge vor einem halben Jahr sein Unternehmen verlassen. In einigen Unternehmen ist liederliches Verhalten laut Chang völlig normal:

"Einige Programmierer bei Uber haben mir erzählt, dass sie während der Arbeit in Strip- und Bondage-Clubs eingeladen wurden. Bereits um drei Uhr nachmittags floss im Büro Alkohol. Wichtig war nur, dass die Arbeit erledigt wurde."

Emily Chang

Ein anderer Auswuchs: Sexparties mit jeder Menge Drogen in den Villen von Atherton im Silicon Valley oder im Stadtteil Pacific Heights ganz oben in San Francisco. Die gäbe es heute noch. Angeblich seien dort auch Tesla-Chef Elon Musk und der bekannte Investor Steve Jurvetson gesehen worden, schreibt sie. Musk erklärte daraufhin, er habe die im Buch erwähnte Party für ein Kostümfest gehalten und sei schnell wieder verschwunden. Investor Jurvetson konnte sich nicht rausreden: Die Party fand in seinem Haus statt.

Chang will Umdenken in der Branche anstoßen

Nur vordergründig geht es in dem Buch von Chang um ausschweifende Sex-Partys, um den Effekt um der Aufmerksamkeit willen. Sie moderiert in San Francisco eine tägliche Tech-Sendung. Ihr Motiv für das Buch ist ein anderes:

"Hier leben einige der klügsten und reichsten Menschen der Welt. Sie haben die Welt verändert und sie könnten es auch bei diesem Thema. Der Frauenanteil in der Tech-Industrie liegt bei 25 Prozent. Gerade mal 18 Prozent der heutigen Entwickler mit Uni-Abschluss sind weiblichen Geschlechts. In keinem anderen Fach sind die Unterschiede größer. An der Wall Street liegt der Frauenanteil bei nahezu 50 Prozent. Im Silicon Valley ist also jede Menge Luft nach oben."

Emily Chang

Chang fordert von den Tech-Unternehmen endlich ein Umdenken. So wie man auch in Hollywood angesichts der Missbrauchsvorwürfe gegen Harvey Weinstein oder Kevin Spacey die Reißleine gezogen habe. Völlig zu recht fragt sie: Wie bitte soll es für Frauen möglich sein, auf Augenhöhe zu agieren? Dabei geht es ihr gar nicht um die Frage, ob Sex-Parties "igitt" sind.

Im Buch zitiert sie eine Gründerin: Wer als Frau an solchen Sex-Partys teilnehme, brauche erst gar nicht eine Firma zu gründen oder sich um Risikokapital zu bewerben. Und wenn man nicht teilnehme, sei man eben auch draußen.

Nach außen gebe sich das Silicon Valley stets so fortschrittlich, meint die Journalistin Chang:

"Der Twitter Mit-Gründer Ev Williams sagte mir zum Beispiel, wenn es mehr weibliche Entwickler gäbe, hätten wir online deutlich weniger Belästigungen. Die so genannten Trolls wären kein so großes Problem. Wir brauchen Frauen in den Entwicklungsabteilungen von all unseren Produkten, denn sie definieren die Zukunft."

Emily Chang


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Kommentare

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thorie, Donnerstag, 15.Februar, 12:06 Uhr

7. empörung?

sie schreibt "...Frauen seien von dem "Boys' Club" systematisch ausgeschlossen - und hätten so kaum Karrierechancen. ..."
desweiteren prangert sie sexparties an.warum? waren dort männer unter sich?

Thomas, Donnerstag, 15.Februar, 11:32 Uhr

6. Trittbrettfahrer*innen?

Kann mich des Eindrucks nicht erwehren dass es seit geraumer Zeit immer mehr Trittbrettfahrer zu diesem Thema gibt die auch mit schon lange zurückliegenden Geschichten davon profitieren wollen.

Die alten Stereotypen von den "Beischlaf-Karriere-Frauen" sind wieder oft zu lesen und was genau, bzw. "wahrheitlich" dahinter steht wird man kaum herausfinden denn solche Themen sind immer von widersprechenden Versionen überlastet. Später sich entwickelnde Rachegelüste gegenüber dem ehemaligen "Peiniger" der in der Vergangenheit mutmaßlich "willkommener Teilnehmer" war können ebenso nicht ausgeschlossen werden wie die wirklich von sexistischer Machtgier getriebenen "Predatoren" für die eine Frau nichts mehr als ein Sexobjekt ist.

Die Autorin hat sich mit ihrem Buch in eine Situation gebracht in der sie selbst zwischen den "zwei Wahrheiten" der Beteiligten steht und wie so oft haben viele Geschichten ihre zwei Seiten / Versionen. Alles in allem sind sie oft ein übles Thema.

  • Antwort von Gerda, Donnerstag, 15.Februar, 12:26 Uhr

    Diese ewig selbe Leier nervt nur noch. Normalerweise geht alles so weit, wie man es zulässt.

thorie, Donnerstag, 15.Februar, 11:31 Uhr

5. von was träumen die

dass zukünftig die hebamme direkt nach der geburt festhält : " ein mädchen "......vorstand BMW, microsoft, ... ect " ?

thorie, Donnerstag, 15.Februar, 10:28 Uhr

4. von was träumen die?

(Anm. d. Redaktion: Ihre weiteren Absätze wurden entfernt. Bitte beziehen sie ihren Kommentar auf das Thema des veröffentlichten Artikels. Es hat keinen Sinn in einem Kommentar über andere Themen zu schreiben. Dazu wählen sie bitte den entsprechenden Bericht aus, der ihre weiteren Anmerkungen zum Inhalt hat.) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von thorie, Donnerstag, 15.Februar, 10:59 Uhr

    zur weiteren hilfe

    ich bat sie den post Nr 4 aufgr. eingabefehlers zu löschen.

    (Anm. d. Redaktion: wurde gelöscht) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

thorie, Donnerstag, 15.Februar, 09:23 Uhr

3. frage an die statistiker

wieviel % hochqualifizierte männer sitzen in unternehmen nur in 1. , 2. , oder gar 4. reihe?
und wie sieht der %anteil bei der weiblichkeit aus?