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Humanitäre Hilfe Oxfams Sex-Skandal könnte auch andere Hilfswerke gefährden

Der Skandal um Sex-Orgien der britischen Hilfsorganisation Oxfam im Tschad und in Haiti könnte auch den Ruf anderer Hilfswerke beschädigen. Bislang zeigt sich der Verband Entwicklungspolitik da jedoch eher gelassen. Unterdessen meldet "The Guardian" das sexuelle Belästigung in der humanitären Hilfe weiter verbreitet sei als angenommen.

Stand: 14.02.2018

ARCHIV - ARCHIV - 21.05.2013, Großbritannien, London: Eine Filiale der Hilfsorganisation Oxfam. Mitarbeiter der Hilfsorganisation sollen während ihres Einsatzes nach dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 Sexorgien mit Prostituierten veranstaltet haben. Ähnliche Vorfälle sollen sich laut britischen Medien auch im Tschad ereignet haben. Foto: Nick Ansell/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Nick Ansell

Der Sex-Skandal bei der Hilfsorganisation Oxfam beschäftigt auch andere Hilfswerke in Deutschland. Die Kindernothilfe sieht durch die Negativschlagzeilen auch den Ruf anderer Hilfsorganisationen gefährdet.

Das Verhalten "einzelner Mitarbeitender"

Egal wie die Hilfswerke jetzt dagegen arbeiteten, ein "Beigeschmack" bleibe, sagte Kindernothilfe-Sprecher Christian Herrmanny am Mittwoch in Duisburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Verband Entwicklungspolitik (Venro) zeigte sich dagegen eher gelassen. "Die Menschen erkennen hoffentlich, dass es sich um das Fehlverhalten einzelner Mitarbeitender handelt", erklärte der Vorstandsvorsitzende Bernd Bornhorst, der mit dem Verband rund 120 private und kirchliche Hilfswerke repräsentiert.

Alle drei Jahre ein Führungszeugnis

Er rechne damit, dass die Spender den Mitgliedsorganisationen weiterhin ihr Vertrauen schenken. Einen speziellen Verhaltenskodex gegen sexuelle Belästigung habe Venro nicht entwickelt. Die Kindernothilfe legt nach eigenen Angaben schon beim Bewerbungsverfahren für neue Mitarbeiter größten Wert auf den Schutz von Kindern. Unter anderem müssten Beschäftigte alle drei Jahre ein neues polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, sagte Herrmanny.

Das "Non plus ultra" sei der Verhaltenskodex, die "Kindesschutz-Policy". Falls ein Verdacht auf sexuelle Belästigung oder Missbrauch aufkomme, könnten sich Mitarbeiter und Außenstehende auf der Internetseite an den Kinderschutzbeauftragten der Organisation wenden. Zudem gebe es eine externe Obhutsperson und einen Krisenstab.

Sex-Partys im Tschad und in Haiti

Das in Oxford gegründete Hilfswerk Oxfam wird kritisiert, weil Mitarbeiter 2006 im Tschad und 2011 in Haiti Sex-Partys mit Prostituierten gefeiert haben. Zugleich tauchten Vorwürfe auf, wonach es mehr als 100 Fälle sexueller Belästigung in britischen Oxfam-Shops in neun Jahren gegeben habe, ohne dass das Hilfswerk angemessen reagiert habe.

Aufsichtsratsvorsitzender von Oxfam tritt zurück

Unterdessen trat der Aufsichtsratsvorsitzende von Oxfam International, Juan Alberto Fuentes Knight, nach seiner Festnahme in Guatemala zurück. Ihm wird Korruption in seiner Zeit als Finanzminister in Guatemala vorgeworfen. Nach Angaben der britischen Tageszeitung "The Guardian" ist sexuelle Belästigung in der humanitären Hilfe weiter verbreitet als angenommen.

Viele Frauen sagen nichts

Der Oxfam-Skandal sei nur die "Spitze des Eisbergs", sagte die Journalistin Rebecca Ratcliffe in einem am Mittwoch veröffentlichten Audio-Podcast. Ratcliffe befragte monatelang Mitarbeiterinnen in der Entwicklungszusammenarbeit der Vereinten Nationen. Viele Frauen hätten sexuelle Belästigung erlebt, trauten sich aber oft nicht, darüber zu sprechen, sagte sie. Ratcliffe forderte einen besseren Schutz für "Whistleblower", die solche Vorfälle bekanntmachten.


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