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Silver Ager auf heißen Öfen Ein gefährlicher Trend

Viele erfüllen sich mit 50+ einen Traum: endlich eine Maschine mit viel Kraft und PS, endlich richtig Gas geben. Manch einer dieser Seniorenbiker saß seit Jahren nicht mehr auf einem Motorrad, es fehlt an Fahrpraxis. Die Folgen dieses Trends sind immer mehr Unfälle, Verletzte und Tote!

Von: Beate Greindl

Stand: 10.05.2017

Das Wetter wird frühlingshafter, und schon röhrt und knattert es wieder auf den Straßen. Dabei zeigt sich, dass die Easy Rider in Bayern zunehmend ältere Semester sind: 50+ und Silver Ager auf schweren Maschinen, das ist der Trend in der Motorradszene. Nur noch rund ein Viertel der deutschen Biker machen die Jüngeren zwischen 16 und 39 Jahren aus, rund drei Viertel der Fahrer sind 40 Jahre und älter.

Gerade zum Frühlingsbeginn ist es - nicht nur für Wiedereinsteiger - ratsam, ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren.

Gute Motorräder sind kein Schnäppchen - doch genau das ist einer der Gründe, warum zunehmend die ältere Generation aufspringt. Sie kann es sich leisten, denn der Spaß kann auch schon mal mehrere zehntausend Euro kosten. Doch was viele unterschätzen: Wer 20 Jahre nicht gefahren ist, hat vieles vergessen. Auch Reaktionszeit und körperliche Fitness lassen im Alter nach. Viele von ihnen bräuchten dringend ein Fahrsicherheits-Training, vor allem Wiedereinsteiger oder untrainierte Schönwetterfahrer. Ohne Übung leben sie gefährlich. Aber viele verdrängen die Gefahr lieber.

Fatale Selbstüberschätzung beim Umgang mit dem Motorrad

Gefährliches Hobby

Wie gefährlich das Motorradfahren sein kann, beweist auch die Unfallstatistik: Im vergangenen Jahr gab es allein in Bayern 8.117 verletzte Motorradfahrer. Besonders tragisch: 133 starben. Dabei fällt neben jungen Fahranfängern bei schweren Motorradunfällen eine Gruppe besonders auf: die Fahrer über 45.

Auch Bernhard Riegel hat so gedacht. Er war 53 Jahre alt, als er mit seiner Maschine auf einer Landstraße verunglückte - an einer Stelle, an der schon einmal jemand gestorben ist. Er hatte das neue Motorrad falsch eingeschätzt und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

"Ich hab nach Zeugenaussagen vor 'ner unübersichtlichen Stelle versucht, mehrere PKW zu überholen und bin mit einem entgegenkommenden PKW zusammengeprallt. Ich konnt' dann offensichtlich nicht mehr bremsen und ausweichen."

Bernhard Riegel

Sein Bein musste nach dem Unfall sechs Mal operiert werden. Er lag monatelang in der Klinik und hat ein Jahr voller Schmerzen hinter sich. Vielleicht hätte ein Sicherheitstraining den Unfall verhindert, denn der 53-Jährige war auf die neue Maschine gestiegen, ohne ihr Fahrverhalten zu kennen. Rückblickend sagt er, ihn hätten die Sorgen um die Reparaturkosten von einem Training abgehalten, für den Fall, dass er dabei seine Maschine beschädigt hätte: "Eigentlich blöd, aber so denkt man halt oftmals", beurteilt er seine Entscheidung heute.

"Ankommen statt Umkommen"

Die Unfallzahlen müssen runter, deshalb will Bayerns Innenminister und Biker Joachim Herrmann (CSU) Vorbild sein. Auf der Motorradsternfahrt in Kulmbach Ende April mit dem Motto "Ankommen statt umkommen" warb er für Fahrsicherheitstrainings - gerade, wenn man, so wie er, zur Gruppe der 40- bis 65-Jährigen gehört und auf dem Motorrad unterwegs ist.

"Wenn man die Sicherheitsregeln beachtet und auch immer wieder Trainings absolviert, dann ist es natürlich auch völlig okay. Man ist auch deswegen kein Motorradfahrer zweiter Klasse, wenn man ein solches Sicherheitstraining macht! Sondern es ist wirklich eine Frage der Vernunft und dessen, dass man wirklich heil ankommt."

Joachim Herrmann (CSU)

Verpflichtendes Fahrsicherheitstraining gefordert

Sicherheitsexperten fordern ein verpflichtendes Fahrsicherheitstraining für Wiedereinsteiger, doch das ist genausowenig geplant, wie eine Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren. Man zählt auf die Vernunft der Biker. Für alle Fälle werden in den kommenden Jahren auch immer mehr riskante Kurven für die Fahrer gesichert: Für die "gebaute Sicherheit" auf den Landstraßen stellt der Freistaat 440 Millionen Euro bis 2020 bereit - in der Hoffnung, dass die Todesfälle und Unfallzahlen in den kommenden Jahren wenigstens so etwas gesenkt werden können.


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