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Ende der Spekulationen Seehofer macht weiter

Horst Seehofer hat im CSU-Vorstand nach BR-Informationen seine erneute Kandidatur für 2018 verkündet: "Ich will, ich habe sehr viel Freude an beiden Ämtern", sagte der Ministerpräsident demnach.

Von: Regina Kirschner

Stand: 24.04.2017

Horst Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

Heute live auf BR24.de: Seehofer erklärt sich

Macht Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef weiter?
Heute fällt die Entscheidung.

BR24 übertragt die Pressekonferenz in einem BR24 extra, moderiert von Andreas Bachmann, heute ab 13.55 Uhr WEB ONLY auf BR24.de

Die dpa will bereits aus Parteikreisen erfahren haben, dass Seehofer über 2018 hinaus im Amt bleiben will. 

SPD kritisiert Zukunftspläne

Scharfe Kritik dafür kommt vom Chef der SPD-Landtagsfraktion Markus Rinderspacher: In einer Pressemitteilung nannte Rinderspacher Seehofers Politik eine "selbstherrliche Zick-Zack-Politik, die von medial inszenierten Knallfröschen und taktischen Wendemanövern lebt - und jede politische Zuverlässigkeit vermissen lässt". Er warf dem Ministerpräsidenten vor, über seine Personalspekulationen die Sachpolitik vergessen zu haben, speziell die Familien- und Sozialpolitik. Rinderspacher sagte, er gehe davon aus, dass es zum "Wahlbetrug" komme, da er nicht glaube, dass Seehofer noch eine volle Wahlperiode Ministerpräsident bleiben wolle.

Es mangelt am geeigneten Nachfolger

Doch die Zeiten haben sich geändert, was vor der Landtagswahl vor fünf Jahren noch so klang: "Ich bin jetzt 64 und ich bewerbe mich und dann mach ich noch die fünf Jahre und dann ist Schluss", gilt heut nicht mehr. Seehofer ist, mittlerweile 67 Jahre alt, doch noch nicht am Ziel: Davon gehen Beobachter aus – und das nicht nur in der CSU. Die erstarkende AfD und die unsichere Perspektive der Partei in Berlin machen es ihm schwer, sein Wirken zu beenden. Kurzum: Er ist noch nicht bereit, die Geschicke in die Hände eines Nachfolgers zu legen – auch weil er keinen der Kandidaten für geeignet hält.

Kronprinz Söder oder Kronprinzessin Aigner müssen also noch warten, auch andere mögliche Hoffnungsträger entwickelten sich nicht wie geplant. Die damalige Sozialministerin Christine Haderthauer beispielsweise stolperte über die sogenannte Modellbau-Affäre.

Geordneter Generationenübergang

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner lieferte eine teils unsouveräne Performance ab. Blieb Markus Söder, der bayerische Finanzminister. Der Machtmensch, dem Seehofer schon mal Schmutzeleien vorwirft und den er als "vom Ehrgeiz zerfressen" bezeichnet. Schon 2014 suchte Seehofer mangels Alternativen daher nach einem Ausweg und brachte sich in einem Zeitungsinterview selbst wieder ins Spiel.

Ich habe das große Ziel, dass wir in der CSU einen geordneten Generationenübergang hinbekommen. Aber ich wüsste auch, was ich zu tun hätte, wenn kein ordentlicher Übergang gewährleistet wäre, sagte er dem Spiegel. Doch kaum war das Magazin ins Altpapier gewandert, legte Seehofer nach:

"Jetzt warten wir halt ab, wie die Dinge laufen. Aber ich werde 2018 nicht mehr kandidieren für den Freistaat Bayern."

Horst Seehofer

Er brachte neue Namen möglicher Nachfolger ins Spiel, etwa Europapolitiker Manfred Weber und den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. Dann ärgerte er sich prompt wieder über die hitzig geführte Nachfolgedebatte: "Dieses Reden ist die einzige schwäche, die wir haben in der CSU. Dieses Quatschi Quatschi. Jeder redet. Jeder weiß was."

Seehofer: "Wollen reicht nicht"

Am Montag soll nun endgültig Schluss sein mit Quatschi-Quatschi. Bis zuletzt gab sich Seehofer allerdings unentschlossen: „Ich wundere mich jeden Tag, was andere wissen was ich entschieden habe. Ich bleib dabei. Sie müssen wollen können und gewinnen. Das ist die Maxime, die ich mir anlege und anderen. Wollen reicht nicht. Sie müssen auch können – zum Beispiel gesundheitlich. Und sie müssen auch gewinnen."

Rückendeckung für Seehofer

Er wolle einen Gesundheitscheck machen lassen und alles mit seiner Familie besprechen, ließ er die Medien wissen, bevor er sich über die Osterferien in sein Feriendomizil im Altmühltal zurückzog. Intern geht man in der CSU davon aus, dass er weitermacht. Und die meisten werden damit sicherlich auch ganz gut zurechtkommen. Schließlich ist Seehofer in der Öffentlichkeit beliebt. Mit ihm hat die CSU die besten Chancen ein gutes Ergebnis bei den anstehenden Wahlen zu holen. Alexander Dobrindt, Ilse Aigner und Manfred Weber geben dem Parteichef daher schon einmal Rückendeckung.

Mögliche Option: Joachim Herrmann

Innenminister Herrmann

Sie alle dürften trotzdem gespannt auf den kommenden Montag blicken. Schließlich stellt sich auch noch die Frage nach dem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Vor allem ein Name wird da zurzeit häufig genannt: Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister.

Den ruhig wirkenden, loyalen, stämmigen Mann mit dem Spitznamen Balu der Bär, lobt Seehofer immer wieder gern für seine Arbeit.

Für Joachim Herrmann spricht auch, dass er das Wahlkampfthema Innere Sicherheit besetzen könnte wie kein anderer in der CSU. Kronprinz Markus Söder hat es abgelehnt, nach Berlin zu gehen. Er wird sich nun wohl oder übel noch gedulden müssen. Söder dürfte zu denen gehören, die nur darauf warten, dass Horst Seehofer einen Fehler macht. "Dann darf mich die Partei köpfen", sagt Seehofer gern selbst.


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Bernd schäfer, Montag, 24.April, 17:40 Uhr

24. Seehofer

Wie konnte dieser Egoist überhaupt Ministerpräsident werden.so was geht nur in Bayern.Seine Selbsteinschätzung trieft vor Überheblichkeit.Apellan die Bayern:Wacht edlich auf und wählt diesen Selbstdarsteller nicht!
Ö

Stefan Nawrath, Montag, 24.April, 10:19 Uhr

23. Sinneswandel

Das ist nicht die erste Kehrtwendung um 180 Grad bei Herrn Seehofer. Deshalb überrascht mich das nicht. Übrigens ist er nicht alleine mit seinem Streben nach Macht und Einfluss. Herr Schäuble ist Mitte 70 und noch im Amt. Seltsam: auf dem Arbeitsmarkt ist man ab 50 scheintot und in der Politik wollen sie einfach nicht ihren Stuhl räumen!

Leonia, Montag, 24.April, 10:01 Uhr

22. Kasperltheater

Die ganze Partei und ihre Führungskräfte sorgt bei mir stets nur für Kopfschütteln bzw. alternativ Lachanfälle: das ist doch Kasperltheater für's Volk. Wenn es Bayern nicht als Ganzes wirtschaftlich gut ginge und die Herrschaften keine Geschenke mehr auszuschütten hätten, wäre schnell klar, dass sie politisch außer ihrer Vergangenheit schon lange nichts mehr zu bieten haben. Egal, ob der Wendehals vorn steht, der Profilneurotiker, der Lügenbaron oder sonstwer.
Und die sollten sich nicht immer die wirtschaftliche Situation als eigene Leistung an's Revers heften. Zunächst profitierte Bayern als Agrarland vom Bundeshaushaltsausgleich bis in die Neunziger, und viele Betriebe, die aus dem besetzten Ostdeutschland bzw. der DDR nach Westen flüchteten, fanden hier preiswerte Startbedingungen vor (niedrige Grund- und Lohnkosten), weshalb zB Siemens von Berlin nach München ging und auch viele andere folgten. Die Nähe der freizeitattraktiven Alpen tat ein Übriges, weniger als die Politik.

  • Antwort von R.B., Montag, 24.April, 13:58 Uhr

    @Leonia, 10:01 Uhr:

    Sehr gut und treffend formuliert.

hannes, Montag, 24.April, 09:56 Uhr

21. ich habe die Nase voll von den alten Männern

Was ist los mit den jungen, frischen Kräften? Warum muss ein Mann im Rentenalter die Geschicke Bayerns lenken. Mir ist jeder, wirklich jeder junge Mensch lieber.
Die Alten, zu denen ich auch schon fast gehöre mit 52, sollen beraten und helfen. Entscheiden und Gestalten sollten doch bitte die jungen.
Und wenn möglich, dann sollten doch bitte auch die Hälfte Frauen sein.

  • Antwort von Süddeutscher und gleich weg, Montag, 24.April, 10:14 Uhr

    Bitte, bitte, bitte weitermachen mit Dobrindt und Herrmann. Mit dieser geistigen Elite und Drehfreudigkeit wird die CSU unter die 5% Hürde geraten. Die Traditionswähler leben auch nicht ewig.

drexler, Sonntag, 23.April, 18:34 Uhr

20. Seehofer

Fürs erste würde ich es begrüßen, wenn Seehofer nochmal antritt. Nach der Bundestagswahl wird es sicherlich wieder hoch hergehen in Berlin. Die ganzen Probleme, allen voran das Flüchtlingsthema, Familiennachzug und eine fehlende Obergrenze sowie eine europaweit abweisende Haltung in dieser Sache machen eine hoffentlich starke und nach den Wahlen wieder einige CSU unabdingbar. Wenn sich auch einige über die Politik der letzten Monate aufregen und ihren Liebesentzug für die CSU angekündigt haben, so ist es doch dem steten Handeln und Agieren der CSU hinter den Kulissen in Berlin zu verdanken, das der Karren sicherheitspolitisch nicht ganz an die Wand gefahren wurde. Ein künftiger Innenminister mit Hermann aus Bayern wäre mehr als beruhigend. Ob Seehofer dann wirklich komplett durchzieht, oder den Stab unterwegs abgibt, ist heute noch unwichtig. Mit Aigner, Hermann, Weber und auch Söder, der einen guten Job als Finanzminister macht, muss die CSU um Nachffolger nicht bangen.