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Seehofer beendet China-Reise Wirtschaftliche Bande und Wirbel am Rande

Seehofers China-Reise sollte die wirtschaftlichen Bande zwischen Bayern und der Volksrepublik stärken. Doch sie begann und endete mit unnötigem Ärger. Erst der Polizeieinsatz, dann ein heimliches Treffen. Plant der CSU-Chef künftig um?

Stand: 24.11.2014

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) steht am 23.11.2014 in Mutianyu bei Peking (China) am Eingang zur Großen Mauer. | Bild: dpa-Bildfunk

Zum Abschluss ein paar kräftige Worte: Nach seiner einwöchigen Reise hat Horst Seehofer (CSU) die Grünen-Politikerin Margarete Bause kritisiert. Diese war mit ihm nach China gereist und hatte dort den regierungskritischen Künstler Ai Weiwei getroffen - ohne das Wissen des bayerischen Ministerpräsidenten. Die Politikerin habe Anstandsregeln verletzt, weil sie ihn nicht vorab über das Treffen mit dem regimekritischen, chinesischen Künstler informiert habe.

"Man hätte es gerne als Delegationsleiter gewusst. (...) Aber das ist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle."

Horst Seehofer über das ihm unbekannte Treffen von Margarete Bause mit Ai WeiWei

Auslandsreisen ohne Oppositionspolitiker?

CSU-Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer äußerte sich in München sehr viel schärfer als Seehofer. Es sei ungeschriebenes Gesetz der Außenpolitik, während der Reise diese nicht medial zu torpedieren.

Und Kreuzer drohte sogar ganz offen: Solche Fehlgriffe stellten die großzügige Praxis der Staatsregierung ernsthaft in Frage, zu Auslandsreisen auch Oppositionspolitiker mitzunehmen.

"Es ist nur noch peinlich, wie sich da eine einzelne Politikerin in Szene setzen möchte und dabei in Kauf nimmt, dass sie den Erfolg der ganzen Reise aufs Spiel setzt."

CSU-Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer

Jedenfalls: Das Treffen habe seinen Austausch mit dem chinesischen Regierungschef Li Keqiang nicht überschattet, betonte Seehofer. Die chinesische Regierung wisse den Vorstoß der Grünen-Politikerin schon richtig einzuordnen.

"Das chinesisch-deutsche Verhältnis ist derzeit auf einem sehr hohen Niveau."

Der chinesische Regierungschef Li Keqiang

Seehofer war eine Woche lang durch China gereist, um Wirtschaftsbeziehungen zu festigen. Dabei war er von einer Delegation der Landtagsfraktionen und der bayerischen Wirtschaft begleitet worden.

Bayern jetzt noch stärker in China vertreten

Was waren die Ergebnisse und Höhepunkte der Reise? Bayern ist jetzt mit einer eigenen Repräsentanz in China vertreten. Seehofer eröffnete in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Shenzhen ein neues Büro, das bayerischen Unternehmen künftig als Anlaufstelle dienen soll, um im wohlhabenden Süden Chinas noch besser und einfacher Geschäfte machen zu können. Das einstige Fischerdorf Shenzhen - in unmittelbarer Nachbarschaft Hongkongs gelegen - gilt als Startpunkt des chinesischen Wirtschaftswunders.

Seehofer besuchte das Hauptquartier des Huawei-Konzerns. Huawei will sein europäisches Forschungszentrum in München vergrößern, wie das Unternehmen bekanntgab. Die Zahl der bisher 400 Mitarbeiter in München soll auf etwa 600 aufgestockt werden. In der Provinzhauptstadt Guangzhou unterzeichnete der CSU-Chef ein erneuertes Partnerschaftsabkommen. Dabei trug Seehofer den Wunsch des Münchner Flughafens nach einer direkten Verbindung in die gut 100 Millionen Einwohner zählende Provinz vor.

Bayern und China - zwei starke Handelspartner

Das Handelsvolumen Bayerns mit China hat sich seit der Jahrtausendwende in etwa verzehnfacht. Allein im ersten Halbjahr legten die bayerischen Exporte nach China um 11 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu. Guangdong ist neben Schanghai die wirtschaftlich stärkste Region des Landes, in der viele deutsche Unternehmen präsent sind. Dazu gehören Daimler, MTU und der Volkswagen-Konzern, der mit seinem chinesischen Partner FAW 2013 ein neues Werk in der Stadt Foshan eröffnete - eine Investition von einer Milliarde Euro. Dort werden sowohl VW- als auch Audi-Fahrzeuge produziert.

Besuch bei Audi

In der Guangdong-Region sitzt auch das Unternehmen Audi, für das China inzwischen der größte Markt ist. Der Ingolstädter Autohersteller wolle die Produktionskapazität in China von derzeit 400.000 zunächst auf 500.000 und dann auf 700.000 Autos im Jahr steigern, wie der Finanzvorstand Axel Strotbek bei einer Werksbesichtigung sagte.

Die chinesischen Gastgeber brachten ihrerseits einen Wunsch vor: die Ausbildung von Fußballtrainern durch den FC Bayern München. China ist auch für den FC Bayern inzwischen ein wichtiger Markt. Im kommenden Jahr ist eine Gastspielreise nach China geplant, außerdem will der Fußballclub ein Büro in China eröffnen.

"Wir werden eine Kooperation mit der Provinz Guangdong eingehen. Dass wir da ein bissl Schwung reinbringen und für die Zukunft des chinesischen Fußballs einiges tun können."

FC-Bayern-Altstar Paul Breitner, der in Seehofers Delegation mit durch China reist

Kritische Themen unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Heikle diplomatische Themen zwischen Deutschland und der Volksrepublik China wurden hingegen nicht öffentlich angesprochen. Seehofer äußerte sich folglich auch nicht zum Todesurteil gegen den bayerischen Doppelmörder Philipp B.. Der Mann aus dem oberbayerischen Teisendorf hatte 2010 in der südostchinesischen Stadt Xiamen seine Ex-Freundin und deren Lebensgefährten auf offener Straße erstochen.

"Die chinesische Seite hat sofort erklärt, die Chancen stehen gut."

Seehofer über eine Dirketverbindung vom Münchner Flughafen nach Guangzhou


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Realist, Montag, 24.November, 21:50 Uhr

15. Wirtschaftliche Bande

Wirtschaftliche Bande? Wir liefern Topprodukte und bekommen dafür Ramsch und Billigprodukte geliefert. Tolle Geschäfte.

Münchner Steuerzahler, Montag, 24.November, 19:51 Uhr

14. "Ein urbayerisches Interesse" ?

Wie viele waren da eigentlich auf Kosten der Steuerzahler unterwegs? Solche ''Lustreisen'' sollten doch Politiker bitteschön selber bezahlen. Nur der Ordnung halber, wäre das zu begrüßen.

hu, Montag, 24.November, 17:14 Uhr

13. volkes Wille???

Merkel drängt uns TTIP auf und Seehofer zwingt uns chinesische Giftprodukte bis hin zu giftigen Lebensmitteln zu kaufen!
Uns deutschen Bürgern kann man ja alles zumuten,oder?!
Wo sind die kritischen Wähler???

Knut, Montag, 24.November, 12:46 Uhr

12. China

In China arbeiten Menschen fast umsonst. Herr Seehofer das ist doch ein Traum für jeden Amigo.

Josef Greiner, Montag, 24.November, 12:33 Uhr

11. Partnerschaft mit China

Hoffentlich verhängt Merkel keine Sanktionen gegen China.