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Seenotrettung im Mittelmeer "Sea-Eye" zieht sich vor Libyen zurück

Die Hilfsorganisation Sea-Eye unterbricht ihre Rettungsfahrten für Flüchtlinge im Mittelmeer. Man habe beschlossen, die Rettungsmissionen sicherheitshalber auszusetzen, sagte Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer.

Von: Lisa Weiß

Stand: 13.08.2017

Regensburger Initiative "Sea Eye" von Michael Buschheuer will Flüchtlinge im Mittelmeer retten | Bild: pa/dpa/Bernd Wüstneck

Zwei Schiffe hat  die deutsche Nichtregierungsorganisation Sea Eye - zwei Schiffe, die eigentlich im Mittelmeer Migranten in Seenot retten sollen. Doch beide Schiffe liegen im Hafen, sagt Michael Buschheuer von der NGO. Und sie werden da erst mal bleiben. Denn die Organisation setzt die Seenotrettung im Mittelmeer aus - die Rettungsfahrten seien momentan zu gefährlich, sagt Michael Buschheuer

"Die libysche Küstenwache hat für sich eine eigene Such- und Rettungsarea proklamiert, die sie aber gar nicht in ihrer Ausdehnung verifizieren und haben den NGOs deutlich gedroht, diese Zone nicht ohne ihre Erlaubnis zu befahren. Also eine sehr konkrete Drohung,  die wir auch leider sehr ernst nehmen müssen und die uns so gar keine Handlung übrig lässt, weil man das Gebiet nicht definiert hat."

Michael Buschheuer

Buschheuer befürchtet: Wenn seine Schiffe versehentlich in diese Such- und Rettungszone fahren, könnten sie beschossen werden. Berichten zufolge soll sich die neue Zone von der libyschen Küste aus etwa 70 Seemeilen ins Meer erstrecken, ob eine solche Zone in internationalen Gewässern legal wäre oder von der EU toleriert würde, ist unklar.

Auch andere NGOs stellen die Seenotrettung ein

Rekruten bei der libyschen Küstenwache

Die libysche Küstenwache geht offenbar davon aus, dass ihr Vorgehen mit internationalem Recht übereinstimmt. Sea Eye ist nicht die einzige Organisation, die jetzt die Seenotrettung einstellt, wenigstens vorübergehend: Auch das Schiff der NGO Save the Children bleibt vorerst aus Sicherheitsgründen in Malta, solange die Situation so unklar ist. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat ebenfalls beschlossen: Ihr Schiff Prudence wird vorläufig nicht mehr auslaufen. Und das nicht nur, weil die Seenotrettungsleitstelle in Rom sie konkret vor Sicherheitsrisiken gewarnt habe, sagt Stefano Argenziano von Ärzte ohne Grenzen:

"Das grundlegende Problem ist nicht die Sicherheit. Wir sind es gewohnt, in unsicheren Umgebungen zu arbeiten. Das Problem ist, dass wir es ablehnen, uns in ein System zu integrieren, in dem Libyen  die Seenotrettung koordinieren kann und uns  anweisen kann,  gerettete Migranten nach Libyen zu bringen."

Stefano Argenziano

Das wäre in solch einer neuen Such- und Rettungszone möglich, und das möglicherweise mit Duldung Italiens und der EU, befürchtet Stefano Argenziano.

EU unterstüzt Libyen beim Küstenschutz

Archivbild - Rettungsaktion der "Sea Eye" im Mittelmeer

Weil Italien vor kurzem beschlossen hat, die libysche Küstenwache technisch und logistisch zu unterstützen, weil die Europäische Union 46 Millionen Euro bereitgestellt hat, um Libyen beim Grenzschutz zu unterstützen. Man wolle Europa abriegeln und die Migranten nach Libyen zurückschicken, in die umstrittenen Flüchtlingslager, in Zustände, die nach Berichten von Hilfsorganisationen menschenunwürdig sind,  glaubt Argenziano.

"Italien und die europäischen Länder sind dabei, ein Todesurteil zu unterschreiben für Tausende von Flüchtlingen, für Frauen, Männer und Kinder, indem sie sie in die Hände ihrer Henker übergeben, in die Hände derer, die sie ausgebeutet, eingesperrt, vergewaltigt und gefoltert haben. Da wird ein Pakt mit dem Teufel geschlossen und wir wollen uns aus diesem Pakt raushalten."

Stefano Argenziano

Doch die Kehrseite des Rückzugs kennen auch die NGOs: Wenn weniger Schiffe im Mittelmeer humanitäre Hilfe leisten, dann ist die Gefahr für die Migranten, die es durch die Kontrollen der libyschen Küstenwache schaffen, deutlich höher, zu ertrinken.

Es ertrinken wieder mehr Menschen im Mittelmeer

Diese Menschen sind sicher

Trotz der Rettungsaktionen der NGOs sind allein in diesem Jahr mindestens 2400 Menschen im Mittelmeer gestorben - das macht es zum tödlichsten aller Meere. Und so will sich auch die NGO Ärzte ohne Grenzen nicht ganz aus der Seenotrettung zurückziehen. Ein Team der Organisation soll  weiterhin an Bord der Aquarius bleiben, ein Schiff, gechartert von der NGO SOS Méditerranée. Die Aquarius soll weiter Migranten in Not helfen. Jedenfalls solange ihre Besatzung einigermaßen sicher ist - trotz der libyschen Drohungen.


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Michael D., Mittwoch, 16.August, 10:03 Uhr

15. Darauf einen Prosecco!

Gut so. Diese Taxi-Projekte für Auswanderer anderer Kontinente sind die Vorstufe des Untergangs unseres schönen alten Europas.

raymond, Montag, 14.August, 22:01 Uhr

14. nichts mehr mit Rettung zu tun

irgendwann , muss jeder einsehen , hier geht es nicht mehr um Rettung von Flüchtlingen , das ist zum Geschäft geworden , bei dem riesige Summen
verdient werden , sicherlich wird alles daran gesetzt , den Strom der Leute nicht versiegen zu lassen , da schreckt man auch nicht zurück , in Afrika , Leute zu bewegen sich auf den Weg zur Mittelmeerküste zu begeben ...wen interessiert schon wie viele auf den Weg umkommen ....das kann es nicht sein ...

Zeitungsleserin, Montag, 14.August, 18:19 Uhr

13. Rückzug der NGOs

Merkwürdig scheint mir der Rückzug der NGOs. Es sieht so aus, dass die Sea Eye und die Seefuchs und andere von höherer Stelle zurückgepfiffen wurden, denn nichts und niemand konnte bis jetzt ihre fanatischen Rettungseinsätze stoppen. Es sollen wohl die Spender, die Spenden und auch die Höhe der Zuwendungen (auch von staatlicher und kirchlicher Seite- z. B. die evang. Landeskirche unter Bedform-Strohm gibt zur Zeit 100 000 Euro aus, um ein Aufklärungsflugzeug vor Libyen zu finanzieren, das die Boote sucht) untersucht werden. Könnte mir vorstellen, dass das interessant wird, falls doch andere Motive dahinterstecken. Warten wirs ab, wann sie wieder loslegen können. Ich glaube nicht, dass sie Angst davor haben, beschossen zu werden, denn das hat niemand bisher aufgehalten. Wie sagt man so schön in Bayern - schau' mer mal.

  • Antwort von Altgläubiger, Mittwoch, 16.August, 10:15 Uhr

    Unsere Kirchen sind aktiv dabei, die Neusiedlung Europas zu unterstützen. Dabei kann man nicht nur Bedford-Strohm benennen als bekennenden Islamhuldiger, sondern auch Marx! Es ist unsäglich, wie sie nicht nur uns, ihre Schäfchen, verraten, sondern auch die gesamte autochthone Bevölkerung Europas! Obwohl wir Deutschen dabei natürlich die größten Leidtragenden sind und sein werden, da die anderen EU-Länder sich ausklinken aus der Zwangszuweisung von Muslimen. Es ist gut vorstellbar, dass Tschechien und Polen eher austreten, als sich ein Kontingent aufhalsen zu lassen. Und da der nächste Ansturm ab Oktober zu erwarten ist, könnte das Konstrukt EU arg ins Wackeln kommen.

konstanze, Montag, 14.August, 09:58 Uhr

12. NGOs

da ihr Tun maßgeblichen einfluss auf das gesellschaftliche leben hier in deutschland hat, bitte ich darum, dass über diese NGOs mehr in den öffentlichen medien berichtet wird. es geht mir dabei um hintergrundinformationen: wieviele sind es, wer sind sie, wie finanzieren sie sich, werden sie auch durch staatliche institutionen und gar mit steuermitteln finanziert, wer sind die maßgeblichen wortführer und was haben diese vorher getan, wie sehen die rückinformationen an ihre unterstützer aus, ziehen sie ihre alleinige daseinsberechtigung aus ihrem mittelmeereinsatz oder gibt es weitere betätigungsfelder und was ist eigentlich aus herrn höppner geworden, dem es wichtig war, bei jauch seinen ganz persönlichen einsatz darzulegen ?????

  • Antwort von Zeitungsleserin, Dienstag, 15.August, 17:38 Uhr

    @ konstanze:
    Das will ich auch schon lange wissen, aber mutmaßlich ist jetzt Bewegung in die "Aktionen" gekommen von höheren Stellen vor der Wahl. Und es wird - genauso wie alles andere z. B. auch in Regensburg - ans Licht kommen. Was mich auch noch brennend interessiert, Herr Buschheuer hat gestern in einem Fernsehinterview gesagt, dass man ohne Rettung nach Europa die Menschen in Folterlager! zurückbringen würde. Woher will er das wissen, ich habe alle seine Aktionen verfolgt, er war n i c ht dort und hat diese höchstpersönlich in Augenschein genommen. Und wenn sie staatliche Unterstützung erhalten haben - also auch mein Steuergeld - sind sie doch keine NGOs mehr, oder?! Wie nennen sie sich dann? - - Ärzte ohne Grenzen hatte ich bisher unterstützt, weil ich annahm, die kommen ihrer ureigensten Sache als Ärzte nach, nämlich Menschen in armen Ländern medizinisch zu versorgen. Nun sind sie auch im Mittelmeer und kaufen Schiffe von den Spenden, absurd.

  • Antwort von Renate E., Mittwoch, 16.August, 10:17 Uhr

    konstanze, unsere Medien sind aber doch gar nicht daran interessiert, diese Hintergründe zu beleuchten. Die waren ja im Gegenteil immer eifrig dabei, diese Rettungsaktionen zu bewerben.

Hallo, Montag, 14.August, 06:56 Uhr

11. Jetzt sind es plötzlich "Migranten" statt "Flüchtlinge"?

Statt einer Überfahrt auf einem seetauglichen Boot werden die Flüchtlinge mit billigen Schlauchbooten und zu wenig Sprit vorsätzlich in Seenot gebracht damit die NGO's die Arbeit übernehmen.
Und jetzt? Die NGO's ziehen sich zurück? Was passiert jetzt?

Mit europäischen Schiffen direkt an der Küste abholen wäre sinnvoll und die menschlichste Lösung.
Alle Flüchtlinge direkt zurückschicken wäre sinnvoll und die günstigste Lösung.
Aber nein, dieses kranke Spielchen, das läuft, ist... Ja was? Für Schlepper und NGO' profitabler? Immer wieder für eine Schlagzeile gut? Unterhaltsamer?
Es ist ein völlig unsinniger Konsens-Mist! So wie wir den ständig produzieren!
Wir haben nicht genügend Menschlichkeit um die Flüchtlinge abzuholen und nicht genügend Härte um diesen Unsinn durch Zurückbringen der Flüchtlinge zu beenden.

  • Antwort von Wolgang, Montag, 14.August, 08:57 Uhr

    @ Hallo Montag, Widerspruch:

    Menschlich ist es die überzähligen Söhne Afrikas in ihrem Elend, Not und Hunger allein zu lassen. Menschlich ist es völlig normal, das zeigt die weltweite Sozialgeschichte aller Kulturen, handeln nur für den Nutzen der eigenen Sozialität.

    Schwach und empfindlich ist Sozialität wenn der Zusammenhalt nur auf der unmittelbaren Familie ruht, deutlich überlegen sind Kooperationen von Gruppen zu Völkern und Staaten. Und sehr schwierig ist die Errichtung überstaatlicher Solidarität, man sehe den EU-Prozeß

    Die funktionieren aber nur mit gemeinsamen Rechten UND Pflichten.

    Es ist sozialgeschichtlich völlig normal, also menschlich, die überzähligen Söhne Afrikas sich selbst zu überlassen, wir haben mit denen weder gesetzlich noch tradtionell eine Gemeinschaft mit Rechten und Pflichten.

  • Antwort von Senior, Montag, 14.August, 12:03 Uhr

    Letztendlich ist der Bevölkerungsüberschuß in den Entwicklungsländern die Schattenseite der christlichen Missionsarbeit und westlichen Entwicklungshilfe.
    Jedes Land haftet erst einmal selbst für die Fehler der eigenen Politik!
    Insofern gebe ich Wolfgang Recht.