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Münchner Schwimmbad-Ordnung Gefragt bis nach Berlin

Im nordrhein-westfälischen Bornheim ist am Freitag das Hallenbad für Flüchtlinge gesperrt worden. Wegen sexueller Übergriffe. Für Münchner Bäder gibt es schon seit 2013 explizite Verhaltensregeln, übersetzt in mehrere Sprachen. Sie sind deutschlandweit gefragt. Ist das die Lösung?

Von: Walter Kittel

Stand: 16.01.2016

In München haben sich die Stadtwerke schon 2013 entschieden, die Baderegeln aufzustellen. Damit sie auch jeder versteht, wurden diese nicht nur in sieben Sprachen übersetzt, darunter Arabisch, Somali, Dari und Pashto. Sie sind auch mit einer eindeutigen, comichaften Bildsprache versehen worden.

Auch Analphabeten können lesen

Neben den Flyern seien in den Münchner Bädern auch entsprechende Plakate ausgehängt worden, so Michael Solic, Sprecher der Stadtwerke München (SWM). Auf den Bildern ist dann etwa eine Frau im Bikini zu sehen und daneben eine nach ihrem Po ausgestreckte Hand durchgestrichen. Stopp! Verboten!, heißt das unverkennbar. Und ist auch so für Analphabeten verständlich.

Ein weiteres Motiv zeigt beispielsweise drei Frauen nebeneinander, eine im Bikini, eine im Badeanzug und eine von Kopf bis Fuß bekleidet. Kommentar: "Egal, welche Badekleidung eine Frau trägt, sie ist zu achten und zu respektieren."

Andere untertauchen: Verboten!

Die Münchner Baderegeln in Plakatform

Anlass der Baderegeln für Flüchtlinge und ausländische Badegäste seien aber keine sexuellen Übergriffe gewesen, sagt Solic. Vielmehr gab es eine Häufung von Vorfällen, bei denen sich herausstellte, dass Migranten nicht schwimmen konnten, aber im Schwimmerbecken waren. Viele wussten offenbar nicht, wie gefährlich Wasser sein kann. Die Regeln beginnen damit, dass man sich vor dem Baden mit Seife duschen soll, dann wird der Nichtschwimmerbereich erläutert, anschließend mitgeteilt, dass man andere nicht ins Wasser stoßen oder untertauchen darf.

Keine Hand zum fremden Po

Erst an zwölfter Stelle ist die Frau im Bikini abgebildet, nach deren Po sich eine Hand ausstreckt. Sexuelle Übergriffe würden die Mitarbeiter der Schwimmbäder streng und konsequent verfolgen, erklärt SWM-Sprecher Solic. In solchen Fällen wird sofort die Polizei alarmiert. Außerdem besteht die Möglichkeit, Hausverbote zu erteilen. Zuletzt sei es im Münchner Michaelibad zu einer sexuellen Belästigung gekommen, woraufhin einem 15-jährigen Jugendlichen ein lebenslanges Hausverbot erteilt wurde. Zu den Hintergründen der Tat konnten dem BR kurzfristig aber weder die Stadtwerke München noch die Münchner Polizei Auskunft geben.

Selten sexuelle Übergriffe

Polizeisprecher Gottfried Schlicht betont jedoch, sexuelle Übergriffe seien selten. Für 2015 liegt noch keine Statistik vor. 2014 wurden zwölf Delikte polizeilich erfasst, die meisten davon im Gedrängel der Freibäder. Rund vier Millionen Besucher haben die 18 Münchner Hallen- und Freibäder jährlich besucht.

Überregionales Interesse

Die "Baderegeln" der SWM für Migranten und Flüchtlinge stoßen seit ihrem Erscheinen bundesweit auf reges Interesse. Unzählige Male seien sie von anderen Bäderbetreibern angefragt worden; dutzendfach alleine in den letzten Tagen, nachdem in einer Presseagentur-Meldung darüber berichtet wurde. Auch die Berliner Bäder meldeten sich daraufhin in München. Dort sollen in den Schwimmbädern bis Ende Januar Hinweistafeln auf Arabisch ausgehängt werden, um Badeunfällen vorzubeugen, aber auch um Verhaltensregeln zu verdeutlichen.

Neuauflage in weiteren Sprachen?

In der aktuell geplanten Wiederauflage des Münchner Flyers wird derzeit geprüft, ob es sinnvoll ist, ihn in weiteren Sprachen zu publizieren. Inhaltliche Veränderungen sind nicht geplant. Verteilt wurden bisher 20.000 Exemplare, die Nachfrage ist also definitiv vorhanden.


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