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Wissenschaftlich erwiesen Schwiegermutter ist ein Verhütungsmittel

Wenn Frauen mit ihrer Mutter oder Schwiegermutter zusammen wohnen, bekommen sie im Schnitt weniger Kinder, als wenn sie nur mit ihrem Partner zusammenleben. Das haben Forscher der Uni Wien herausgefunden - und sind überrascht.

Von: Srdjan Govedarica

Stand: 02.11.2017

(Schwieger-)Mutter und Tochter im Konflikt | Bild: colourbox.com

Geschichten von der bösen Schwiegermutter, dem "Drachen", gibt es schon seit Jahrhunderten in fast allen Kulturen. Die Forschung hat das zuletzt nicht mehr sonderlich beeindruckt. Im Gegenteil: Evolutionsbiologen gingen davon aus, dass eine Schwiegermutter im Haushalt mit all ihrer Erfahrung und Unterstützung eher dazu beiträgt, dass mehr Kinder geboren werden. Forscher der Universität Wien wollten es nun aber genauer wissen.

In Haushalten mit (Schwieger-)müttern wachsen bis zu ein Viertel weniger Kinder auf

Das Team um den Anthropologen Martin Fieder wertete dazu Daten von 2,5 Millionen Frauen im Alter von 15-34 Jahren aus, Grundlage war eine weltweite Bevölkerungsdatenbank. Die Forscher haben sich für diese Studie genau angeschaut, wie viele Kinder die Frauen haben und ob sie mit ihrer Mutter oder Schwiegermutter in einem Haushalt leben. Auch der Bildungsabschluss der Frauen und ihrer Ehemänner oder ob sie Arbeit haben, wurde berücksichtigt.

In fast allen 14 untersuchten Ländern – von Argentinien über Griechenland bis zum Sudan und den USA - zeigte sich das gleiche Muster: Die große Mehrheit der Frauen lebt mit ihrem Ehemann ohne Mutter oder Schwiegermutter zusammen. Wenn aber Mutter oder Schwiegermutter mit im Haushalt wohnen, bekommen die Frauen um die 20 bis 25 Prozent weniger Kinder. 

Erklärungsversuche

Soweit die Zahlen. Aber warum ist das so? Darüber gibt es zahlreiche Theorien. Einkommen und Bildung und die damit verbundene Wohnsituation könnten eine Erklärung sein.

"Das kann hypothesenmäßig schon so sein. Das heißt: Hat mein Mann kein eigenes Einkommen, dann ziehe ich zu den Eltern oder Schwiegereltern. Nur -  das konnten wir in unseren Daten nicht so finden". Anthropologe Martin Fieder

Sogar ein Kaktus wurde nach ihr benannt: Echinoccactus grusonii, der Schwiegermutter-Sitz oder Igelkaktus

Ein wahrscheinlicheres Erklärungsmodell nennen die Forscher „Fortpflanzungskonkurrenz“. Dieses Phänomen tritt besonders dann auf, wenn die potentiellen Großmütter noch so jung sind, dass sie selbst Kinder bekommen könnten, sagt Martin Fieder:  „Wir haben in der Studie viele Drittweltländer dabei. Und da geht es letztlich um Ressourcen. Kinder brauchen viele Ressourcen, viel Kalorien an Nahrung und so weiter. Wenn die Großmutter selber noch Kinder bekommen kann, wird sie eher schauen, dass sie in die eigenen Kinder investiert und wird weniger Ressourcen für die Tochter oder Schwiegertochter zur Verfügung haben“

Wie sieht es hierzulande aus?


Deutschland oder Österreich waren nicht unter den 14 Ländern, die untersucht wurden. Frühere Untersuchungen haben aber zumindest für Österreich ergeben, dass auch hier weniger Kinder zu Welt kommen, wenn die Schwiegermutter oder Mutter im Haushalt wohnt:

"Wir haben für Österreich genau die gleichen Effekte gefunden, die wir bei den anderen Ländern gefunden haben. Das dürfte auch in Deutschland so sein, da gibt es aber ganz wenige Daten."

Martin Fieder, Anthropologe

Warum eigentlich gibt es in Deutschland keine Forschungen zum Thema? Anfangen könnten solche Studien in Schwaben, genauer um Günzburg: Der Landkreis ist bundesweit Spitze bei den Geburten. Dort gibt es mehr Wohnraum für Familien, sagen Experten. Aber möglicherweise auch für Mütter und Schwiegermütter.


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Uwe, Donnerstag, 02.November, 13:20 Uhr

5.

Die Studie, oder der Beitrag vergessen dabei, dass der berühmte Ärger zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter schon länger erforscht ist. Für Schwiegermütter ist es so, dass die Schwiegertochter den Sohn daran "hindert" seine Gene grosszügig zu verteilen. Theoretisch könnte der ja täglich ein Kind zeugen. Das wäre im Sinne der Evolution und damit natürlich auch im Sinne der Mutter des Sohnes. Dazu kommt, dass die Schwiegertochter eine Konkurrentin um die Liebe des Sohnes ist. Wenn Schwiegertöchter- und Mütter zusammenwohnen, ist dieser "Ärger" natürlich viel leichter auszuleben.
Bevor jetzt das grosse Geschrei losgeht: das sind unbewusste Vorgänge, von denen wir nix mitbekommen.

Lohengrin, Donnerstag, 02.November, 13:16 Uhr

4. "Forscher"?

Erstens finde ich es überzogen, Menschen, die die Zahl der Kinder von Frauen ermitteln und anschließend den Durchschnitt ausrechnen, als "Forscher" zu bezeichnen. Das sind nicht einmal Mathematiker, sondern einfache Rechner.
Zweitens handelt es sich um einen statistischen Wert, der sich bei den befragten Probanden rein zufällig ergibt. Ich halte ihn für wertlos und die Schlussfolgerungen abwegig.

B. Sachse, Donnerstag, 02.November, 12:40 Uhr

3. Da ist was Wahres dran!

Das ist in einem Punkt zu platt gedacht: Es gibt auch üble Schwiegerväter! Man sollte das Ergebnis der Studie also darauf abändern, dass das Miteinander in einem Haus mit den Schwiegereltern der größte Lustkiller ist. Weil das mal mehr, mal weniger, belastende Einmischen zu mieser Stimmung unter den jungen Eheleuten führt. Ich kann das selbst bestätigen, kenne aber auch etliche ähnliche Fälle aus dem Bekanntenkreis. Ein zusätzlicher Grund ist dann noch das Hineinreden in die Erziehung des Enkels. Wenn man das drei, vier Jahre lang überstanden hat ohne Trennung, hat man es zwar geschafft, aber keine Lust darauf, es mit einem nächsten Kind nochmals zu durchleben.

Amelia, Donnerstag, 02.November, 09:39 Uhr

2. Verhütungsmittel?

Ich kenne natürlich nicht die exakten Untersuchungsdaten, aber ich kann mir vorstellen, dass gerade heute in den wohlhabenden Ländern nur dann Familien auf engen Raum zusammenziehen, wenn sie es müssen, sprich, wenn das Geld für zwei Wohnungen nicht reicht. Das heißt aber, sowohl Wohnungsknappheit(Enge) als auch Geldknappheit sind hier die Auslöser für eine drastische Verhütung und nicht vorhandenen Kinderwunsch. Das Zusammenwohnen und das Fehlen von Kindern hat hier dieselbe Ursache.

Mila, Mittwoch, 01.November, 20:46 Uhr

1. Schwiemu

Ist doch Wahnsinn - um ein Viertel weniger Kinder, wenn Schwiegermutter im Haus wohnt. Was wird nicht alles unternommen in Deutschland, um die Geburtenrate zu steigern. Und da redet keiner drüber.