Beleidigung im Internet Augsburger Allgemeine muss Daten herausgeben
Am Montag Nachmittag hat die Polizei bei der Augsburger Allgemeinen Daten beschlagnahmt. Hintergrund ist ein Leserkommentar auf der Internetseite der Zeitung, in dem sich Ordnungsreferent Volker Ullrich (CSU) angegriffen fühlte.
Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, hatte ein Leser unter Pseudonym im Internetforum der Zeitung einen Artikel kommentiert, und darin den Augsburger Ordnungsreferenten Volker Ullrich (CSU) angegriffen. In dem Kommentar hatte der User dem Ordnungsreferenten "Rechtsbeugung" vorgeworfen. Dieser hatte sich per Anwalt gegen die "ehrverletzenden Äußerungen" gewehrt und die Herausgabe der Daten des Users gefordert, berichtet die Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe.
Redaktion beruft sich auf Datenschutz
Die Redaktion habe zwar den Kommentar des Lesers zu dem Artikel über die Straßenprostitution in der Stadt gelöscht. Ohne förmlichen Beschluss des Augsburger Amtsgerichtes wollte die Zeitung den Klarnamen und die Daten des Nutzers aber nicht herausgeben. Der Ordnungsreferent erstattete daraufhin bereits im Oktober Anzeige. Das Amtsgericht Augsburg erließ nun einen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss. Am Montag Nachmittag beschlagnahmte die Polizei dann Daten in der Redaktion.
Zeitung prüft Beschwerde
Der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Walter Roller, hält die Reaktion Ullrichs für überzogen. Roller sagte dem Bayerischen Rundfunk, Ullrich würde mit seiner Beleidigungsanzeige mit "Kanonen auf Spatzen schießen." Die freiwillige Herausgabe der Daten sei für die Zeitung nicht in Frage gekommen, weil man in den Internetforen des Blattes "eine Plattform zum freien Austausch von Meinungen" bieten wolle. Roller kündigte außerdem an, die Zeitung werde eine Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss prüfen.
Ullrich rudert zurück
Auf seiner Facebook-Seite betonte Ullrich, das Internet sei kein rechtsfreier Raum. Als Ordnungsreferent müsse er zwar viel Kritik einstecken, als Jurist müsse er sich den Vorwurf der "Rechtsbeugung" aber nicht gefallen lassen. Die Daten des Users liegen nun bei der Polizei und werden ausgewertet. Die Staatsanwaltschaft wird dann prüfen, ob ein Straftatbestand vorliegt.
Gegenwind aus dem Internet
Auch wenn Ullrich die Sache nicht "an die große Glocke hängen" will, in den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook wird der Fall bereits kontrovers diskutiert. In Anspielung auf die kontrollierte Presse in Nordkorea wird Ullrich auf Twitter als "Kim Jong Augsburg" bezeichnet, manche User sehen den Ordnungsreferenten bei der Augsburger Puppenkiste besser aufgehoben als in seinem Amt. Ein Sprecher der Augsburger Piraten warf dem Ordnungsreferenten vor, er missbrauche die Polizei und das Amtsgericht, um Kritiker mundtot zu machen und die Presse einzuschüchtern, so David Krcek, Landtagskandidat im Augsburger Osten in einer Mitteilung. Die Augsburger Allgemeine habe als Forenbetreiber die umstrittenen Einträge gelöscht und sei damit Volker Ullrich weitestgehend entgegengekommen.
"Wenn Forenteilnehmer Angst haben müssen, dass politische Mandatsträger kritische Meinungen mit Abmahnungen und Unterlassungserklärungen unterbinden, dann kann von Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt nicht mehr die Rede sein."
Andreas Herz, Landtagskandidat der Piraten für den Stimmkreis Augsburg-Land Süd
Wer so wenig Respekt vor dem Bürger habe, "sollte auf seine Kandidatur verzichten und als Ordnungsreferent zurücktreten", so die Forderung der Augsburger Piraten in einem Schreiben an die Presse. Ullrich (CSU) will bei der nächsten Wahl für den Bundestag kandidieren.

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Thomas, Dienstag, 05.Februar, 22:39 Uhr
136. Angry German
Ich lebe schon lange im Ausland und verteidige das deutsche Ansehen an vorderster Front. Manchmal schäme ich mich Deutscher zu sein. Das ist so primitiv das es weh tut und hat nicht mal den Wert zu argumentieren.
Bernd, Freitag, 01.Februar, 15:48 Uhr
135.
Das Internet stellt für mich keinen rechtsfreien Raum dar. Ich stimme den Herrn Ullrich zu, wenn er dies betont.
Wo kämen wir da hin, wenn jeder im Internet oder Tagespresse das schreibt, was er außerhalb der Gesetze meint schreiben zu müssen. Verunsicherungen sind meiner Meinung fehl am Platz.. Sollte jemand sich außerhalb der rechtlichen Vorschriften und Gesetze im Internet bewegen, muss dieser mit Sanktionen der Ordnungshüter rechnen.
Die Gerichte werden dann entscheiden ob eine Beschlagnahme von Daten zur Beweisführung zweckmäßig sind.
magges, Freitag, 01.Februar, 00:40 Uhr
134.
nein nein, den kommentar löschen, wie man es bei jedem anderen nutzer der sich davon gestört fühlen würde, macht man es nicht. da muss natürlich großes aufsehen her. naja attention whore bleibt attention whore ;) (so sagt man das im netz, also bitte nicht bleidigt fühlen, herr ulrich-who-the-hell-cares)
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