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Zwölf Stämme in Klosterzimmern Verfahren um Sorgerecht ziehen sich seit 2013

Im September 2013 durchsuchte ein Großaufgebot der Polizei das Gut Klosterzimmern. 28 Kinder wurden in Obhut genommen. Grund waren Prügelvorwürfe gegen die Eltern. Von den elf folgenden Gerichtsverfahren sind sieben noch immer offen.

Stand: 11.09.2015

Klosterzimmern im Septbember 2013 | Bild: picture-alliance/dpa

28 Kinder holte die Polizei bei der Durchsuchung aus der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme auf Gut Klosterzimmern. Deren Mitglieder sehen sich in der Tradition der Urchristen und wollen den Worten und Werten Jesu Christi folgen. Schlagzeilen machte die Gemeinschaft unter anderem mit der Ablehnung staatlicher Schulen für ihre Kinder.

Im September 2013 ordnete das Amtsgericht Nördlingen einen vorläufigen Sorgerechtsentzug für die Kinder auf Gut Klosterzimmern an, nachdem es immer wieder Hinweise auf Prügel und Züchtigungen gegeben hatte. Für Aufsehen sorgte unter anderem ein verdeckt aufgenommenes Video eines Reporters, der sich in die Gemeinschaft eingeschlichen hatte.

Gericht beklagt Verzögerungstaktik

Was folgte, bezeichnet Helmut Beyschlag, Direktor des Nördlinger Amtsgerichts, als Mammutaufgabe. Den Zwölf Stämmen und ihrem Anwalt Michael Langhans wirft er eine Verzögerungstaktik vor. Unter anderem geht es dabei um die Ablehnung von Sachverständigen, die Gutachten über die Kinder anstellen sollen.

"Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine Strategie dahintersteckt, mit dem Ziel, den Vorwurf zu erheben, dass die Gerichte zu langsam und zu Lasten der Familien arbeiten."

Helmut Beyschlag, Direktor des Amtsgerichts Nördlingen.

Anwalt Langhans weist das zurück. Schließlich lege er nur die ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmittel ein. Dem Gericht wirft er wiederum vor, zu spät mit der Beweisaufnahme begonnen zu haben und bezweifelt, dass Gutachter nach Berichten in verschiedenen Medien noch unvoreingenommen an ihre Arbeit gehen können.

"Wenn man quasi mit den Fernsehbildern im Kopf loslegt, dann ist das eine einseitige Sicht auf die Dinge, die dann schwer zu wiederlegen ist."

Michael Langhans, Anwalt der Eltern

Anwalt bezweifelt Neutralität von Gutachtern

Über die Zukunft von 14 Kindern muss noch entschieden werden. Langhans beklagt die schwere Belastung der Beziehung von Kindern und Eltern durch die lange Trennung. Alle drei Wochen dürften sie sich sehen – in der Regel unter Aufsicht.

"Welches Kind kann schon einen normalen Kontakt zu seinen Eltern bewahren, wenn die immer Angst haben müssen, falsch zu reagieren und dann entsprechende Kritik hören zu müssen."

Michael Langhans, Anwalt der Eltern

Bei den Verfahren, die bereits abgeschlossen sind, entschied das Gericht überwiegend, dass die Kinder wieder zu ihren Eltern kommen. Bei den noch offenen Verfahren rechnen beide Seiten nun mit einem Ergebnis im Laufe des Herbsts. Anwalt Langhans signalisiert aber bereits Bereitschaft durch die weiteren Instanzen zu gehen – sollten die Verfahren nicht so zu Ende gehen, wie es sich seine Mandanten wünschen.


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