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Afghanische Zwillinge Eine darf bleiben, einer muss gehen

Afghanen sollen abgeschoben werden. So will es das Bayerische Innenministerium. Nicht alle Bundesländer sehen das so, einige fordern, Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen, weil die Lage dort nicht eindeutig als "sicher" einzustufen sei. Getroffen hat es auch den jungen Saber in Donauwörth - das Absurde: der Rest seiner Familie, inklusive seine Zwillingsschwester, die dürfen in Donauwörth bleiben.

Von: Zacher, Judith

Stand: 10.02.2017

Lena, Saber (und eine Schwester der beiden) und Flüchtlingshelferin von Donauwörther Helferverein "Anker" Mara Kautzner (die Dame mit der Brille , rotes Oberteil, kein Schleier) | Bild: BR/Zacher, Judith

"Ich bin eine Frau und mein Bruder ist ein Mann". Das ist der Grund, warum ihr Bruder abgeschoben wird und sie nicht, sagt Lina. 19 Jahre alt sind sie und ihr Zwillingsbruder Saber. Aufgewachsen bei ihren Eltern in der afghanischen Stadt Masar i Sharif. Bis die Taliban oder andere Terroristen sie wollten – Lina, die älteste Tochter der Familie – und zwar: als Frau. Der Vater wird von den Terroristen bedroht, ihr Bruder auf offener Straße überfallen.

Flucht nach Deutschland

Weil er Angst um seine Kinder hatte, hat ihr Vater sich deshalb entschlossen, mit der Familie zu fliehen. Vor zwei Jahren sind sie in Deutschland angekommen. Inzwischen hat Saber eine Arbeit gefunden, als Reinigungskraft, kann für seine Unterkunft selbst bezahlen. Lina macht einen Deutschkurs bei Kolping. Dann will die ehemalige Jurastudentin eine Ausbildung machen – als Verkäuferin – wie ihr Bruder, der war auch Verkäufer in Afghanistan.

Drohende Abschiebung

Doch plötzlich der Einschnitt: Ihr Bruder Saber bekommt den Abschiebebescheid. Darin heißt es mitunter, dass er in seiner Heimat Afghanistan keine individuelle Bedrohung seines Lebens oder seiner Unversehrtheit befürchten müsse.

"Bei Würdigung aller Umstände ist festzuhalten, dass der Antragsteller seine Heimat nicht vorverfolgt verlassen hat.[...] Der Antragssteller muss keine individuelle Bedrohung seines Lebens oder seiner Unversehrtheit befürchten."

Auszug aus dem Abschiebebescheid

Abgesehen davon, dass viele Organisationen und Beobachter vor Ort die Situation auch im Norden von Afghanistan für absolut nicht sicher halten, ist die Familie geflohen, weil die Taliban drohten, alle ihre Kinder zu töten - ein Bub aus der Verwandtschaft musste schon mit seinem Leben bezahlen.

Saber hat Klage eingereicht. Seit Anwalt aber hat ihm schon gesagt, dass es kaum Chancen auf Erfolg gebe. Der 19-Jährige weiß nicht mehr weiter, vor allem weil seine Schwester ja in Deutschland bleiben darf. Seine anderen Geschwister und Eltern auch, aber vorerst nur ein Jahr.

Wer entscheidet?

Eine Familie – eine Geschichte – drei unterschiedliche Entscheidungen. Das Gespräch, nach dem über die Zukunft der Familie entschieden wird, haben nämlich unterschiedliche so genannte „Entscheider“ beim Bundesamt geführt. Das könne in Ausnahmefällen vorkommen, heißt es auf Nachfrage beim Bundesamt – zum Beispiel wenn Familien an unterschiedlichen Orten wohnten.

Ungewisse Zukunft

Sabers Familie aber wohnt in Donauwörth. In Großfamilien könne es durchaus zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen, heißt es vom BAMF weiter. Großfamilie? In diesem Fall geht es um Zwillinge - doch tatsächlich spielt der Unterschied Frau/Mann die entscheidende Rolle, bestätigt auch das BAMF. Jungen Männern ist das Leben in Afghanistan demnach zuzumuten. Trotz der geringen Chance will Saber jetzt das Ergebnis der Klage abwarten. Doch wahrscheinlich wird er zurück müssen nach Afghanistan - während der Rest der Familie in Deutschland bleibt.


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Nautilus, Freitag, 10.Februar, 17:29 Uhr

14. Geht mit Allah, aber bitte, geht alle!

Möglichst bald. Geld gibt es ja auch dafür. Und mit dem ist in Afghanistan leicht neu anzufangen.

Wolfgang Schönfelder, Freitag, 10.Februar, 16:47 Uhr

13. Gleichberechtigiung, Gleichverpflichtung?

Hallo,
Zitat:Jungen Männern ist das Leben in Afghanistan demnach zuzumuten.

Ihr Emanzen aus der Genderecke, wie wäre es nicht nur nach Gleichberechtigung zu rufen sondern auch Gleichverpflichtung ebenso willig anzuehmen? Zumindestens alle Weiblichkeit die zum Militärdienstzeitpunkt keine Kinder hat. Oder wenn der Kriegsherr Väter einberuft weil es die Kriegslage erfordert per Los alternativ ( nicht beide ) auch die Mütter.

  • Antwort von Barbara, Freitag, 10.Februar, 17:23 Uhr

    Beten Sie lieber ein Vaterunser, anstatt hier sinnlose Rundumschläge zu machen!

Gretchen, Freitag, 10.Februar, 16:43 Uhr

12. Warum dann noch ein Verfahren?

Wenn bei Ablehnung eines Asylantrags Abschiebungen nicht durchgesetzt werden, warum gibt es dann überhaupt noch ein aufwändiges und teueres Asylverfahren? Es machte dann keinen Unterschied, ob abgelehnt oder anerkannt würde: Jede Asylbewerbung wäre dann eine Eintrittskarte nach Deutschland. Das führte das Asylrecht ad absurdum.

Seppl, Freitag, 10.Februar, 16:28 Uhr

11. Wo ist das Problem?

Jeder Verwaltungsakt wird von Staatsbediensteten nach sorgfältiger Prüfung des Sachverhalts erlassen. Wenn ein Betroffener mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist, kann er Rechtsmittel einlegen und den Becheid vor einem unabhänigen Gericht überprüfen lassen. So funktioniert der Rechtsstaat.

Jeder Bürger ist von solchen Behördenentscheidungen betroffen. Ob Steuerbescheid, Gebührenbescheide, Bußgeldbescheide, Rentenbescheide, Bauanträge usw: So geht Staat.

Manchmal werden Entscheidungen von den Betroffenen als ungerecht empfunden. Damit muss dann jeder selber klarkommen. Die Chance, sein Problem im öffentlich rechtlichen Rundfunk darzustellen, bekommen nur wenige. Wo ist also das Problem? Soll hier das Vetrauen der Bürger in den Rechtstaat erschüttert werden? Oder soll der Rechtsstaat nicht für alle gleich gelten?

  • Antwort von Ja, Freitag, 10.Februar, 16:36 Uhr

    Genauso isses!

Wolfgang Schönfelder, Freitag, 10.Februar, 14:47 Uhr

10. Afgahnen nauch Afghanistan, Budnewehr nach Deutschland!

Hallo,
alle ausländischen Truppen, NGO, inkl. spendenverteilender Toyota-Fahrer ´von Ärzten ohne Grenzen usw.

Klingt grausam, dürfte aber den Frieden in Afghanistan bringne, ohne auslandsglede rder Truppen, NGO und Hilfsorganisationen gäbe es im Land kein Geld für Bürgerkrieg. Die hätten schon gneung Probleme mit den Drogenneinahmen für die Bauern Reis usw. einzuführen inkl. des Sprit für Lebensmitteltransporte.

Wer nicht aus Kabul zurück in Großvaters Dorf kehrt müßte allerdings in der Stadt verhungern.

Der Bürgerkrieg wird dort derzeit mit Dienstleistungen für Auslandstruppen und -helfern finanziert.

Schöne neue Diesntleistungsgesellschaft.....

  • Antwort von Fehler, Freitag, 10.Februar, 16:19 Uhr

    Herr SCHÖNFELDER Wolfgang , Rechtschreibfehler ohne Ende im Kommentar.

  • Antwort von Leo Bronstein, Freitag, 10.Februar, 16:55 Uhr

    @ Fehler
    >Herr SCHÖNFELDER Wolfgang , Rechtschreibfehler ohne Ende im Kommentar.<

    .
    Alles eine Frage der täglich unterschiedlichen körperlichen Konstitution, des verwendeten Rechtschreibkorrekturprogramms, der Ablenkung während des Schreibens... und in Norddeutschland teilweise nichts außergewöhnliches, dank der >Demokratisierung< von Schulabschlüssen.

    Ganz abgesehen davon war Ministerpräsident Bodo Ramelow Legastheniker.
    Würde Sie ähnliches, wie Sie jetzt geschrieben haben, auch Ministerpräsidenten Ramelow schreiben?