3

Zinswetten in Füssen Millionenschaden für die Stadt

Der Stadt Füssen ist durch riskante Zinswetten in den vergangenen Jahren offenbar ein Millionenschaden entstanden. Die Stadtverwaltung sieht sich von der Privatbank Hauck & Aufhäuser falsch beraten und will gerichtlich gegen das Bankhaus vorgehen. Von Rupert Waldmüller

Stand: 10.11.2017

Euroscheine | Bild: colourbox.com

Ab 2005 hatte die Stadt Füssen auf Anraten der Privatbank Hauck & Aufhäuser sogenannte Swap-Geschäfte abgeschlossen, um sich gegen steigende Zinsen bei den Darlehen für die Stadt und die Stadtwerke abzusichern. Anfangs hat das offenbar sogar funktioniert und die Stadt ihre Zinslast durch die Geschäfte drücken können. Später drehte sich das aber ins Gegenteil.

Schaden voraussichtlich in Millionenhöhe

Wie hoch der Schaden durch die teils noch laufenden Geschäfte tatsächlich ist, werde derzeit von der Stadt Füssen und ihren Anwaltskanzleien berechnet, teilte die Stadtverwaltung heute mit. Derzeit geht man im Rathaus von zirka 4,5 Millionen Euro aus. Dieser Schaden werde allerdings durch die niedrigen Zinsen aus den früheren Darlehensgeschäften zumindest teilweise kompensiert.

Muss die Bank Schadensersatz leisten?

Die Stadt Füssen will nun Schadensersatzansprüche gegen das Bankhaus Hauck & Aufhäuser gerichtlich geltend machen. Eine einvernehmliche Lösung über die aus den Swap-Geschäften entstandenen Schäden hatte die Bank laut Stadtverwaltung abgelehnt. Swap-Geschäfte wie die in Füssen sind in den vergangenen Jahren auch in Bayern mehreren Kommunen zum Verhängnis geworden: Im Landkreis Neu-Ulm zum Beispiel hatte sich ein Mitarbeiter der kreiseigenen Abfallgesellschaft mit Zinswetten verzockt und einen Schaden von rund zwei Millionen Euro verursacht. Die Stadt Landsberg am Lech hat bei Swap-Geschäften mehr als fünf Millionen Euro in den Sand gesetzt.


3

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Thomas L., Samstag, 11.November, 09:16 Uhr

3. Derivate

Gier frisst Hirn.

Peter, Freitag, 10.November, 19:32 Uhr

2. Prinzip nicht verstanden

Die Stadt hat sich gegen steigende Zinsen versicherr. Da die Zinsen anschließend aber historisch tief gefallen sind, hat sich das nicht gelohnt.

Jetzt heißt es „diese Zocker“ und „die böse Bank“.

Das ist, als wenn ich mich gegen Feuer versichere und hinterher die böse Versicherung verklage, weil es bei mir gar nicht gebrannt hat.

Wolfang, Freitag, 10.November, 17:59 Uhr

1. Naivität wurde ausgenutzt!

Bürger, ihr habt dösige Stadträte gewählt, jetz habt ihr eben die Quittung dafür, nicht jammern, selber schuld.

Praktisch: Für jedes längerfristige festgeschriebene Spar- oder Kreditengagement besteht ein Zinsänderungsrisiko, nicht vorhersehbar und in jede Richtung möglich.

Dagegen KANN man sich mit entsprechenden Sicherungsgeschäften wappnen, dafür muß man aber Aufschläge bezahlen.

Und bei allen diesen Geschäften gilt, es gibt einen Handelsaufschlag, jedes Geldgeschäft in jeder Stufe beininhaltet Transaktions-, Beratungs-, Notarkosten und Gewinnanteile.

Daher gilt, nichts versichern wenn mehr oder weniger nicht die pure Existens davon abhängt, privat z.B. nur Haftpflicht, Krankenkasse und Feuerversicherung.