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Für verletzte Wanderer Klinik Immenstadt eröffnet Zentrum für Gebirgsmedizin

Die Wandersaison ist in vollem Gange. An der Klinik Immenstadt heißt das auch, dass viele Patienten behandelt werden müssen, die sich in den Bergen verletzt haben. Seit kurzem gibt es dort ein Zentrum für Gebirgsmedizin – nach eigenen Angaben deutschlandweit einmalig.

Stand: 22.09.2016

Die Notaufnahme der Klinik in Immenstadt | Bild: BR/Viktoria Wagensommer

Die Ärzte haben in Immenstadt besonders viel Erfahrung mit den typischen Bergsport-Verletzungen. Der Standort hat aus mehreren Bergregionen wie zum Beispiel Oberstdorf, Oberstaufen, Hindelang und auch aus dem angrenzenden Österreich die kürzeste Anflugzeit. Viele Patienten werden deshalb von den Rettungshubschraubern hierher gebracht.

Mit dem Zentrum für Gebirgsmedizin verfolgt die Klinik das Ziel, die Zusammenarbeit der verschiedenen medizinischen Disziplinen und die Abstimmung mit den Rettungskräften erheblich zu verbessern.

Telemetrie soll Behandlungen beschleunigen

Beispielsweise erhält die Bergwacht die Möglichkeit aus Rettungsfahrzeugen Patientendaten elektronisch an die Klinik zu übermitteln. Damit ist in der Klinik schon während des Transport bekannt, welche Abteilungen sich bereit halten müssen. Die Ärzte und ihre Teams können sich besser vorbereiten.

"Dadurch gibt es einen wahnsinnigen Zeitgewinn, der dem Patienten zu Gute kommt!"

Dörg Stephan, Stellvertretender Regionalleiter der Bergwacht im Allgäu

Bergwacht bleibt auch nach dem Einsatz an Bord

Gleichzeitig endet die Kommunikation mit der Bergwacht nicht mehr einfach mit der Übergabe des Patienten. Dörg Stephan berichtet vom Fall einer Frau, die die Retter auf knapp 1.500 Metern wiederbelebt hatten.

"Für uns war die Rückmeldung extrem wichtig um zu wissen, ob die Frau Folgeschäden davon getragen hat. Der behandelnde Arzt hat uns in diesem Fall eingeladen und uns unter anderem ein EKG gezeigt. Das was sehr hilfreich für unsere Arbeit."

Dörg Stephan, Stellvertretender Regionalleiter der Bergwacht im Allgäu

Ein Problem: Kein Spezialist ist rund um die Uhr im Haus

Innerhalb der Klinik soll Wissen gebündelt und verschriftlicht werden um das Zusammenwirkungen der verschiedenen Disziplinen zu optimieren – denn gerade bei Bergunfällen ist oft ganz verschiedenes Fachwissen gefragt.

"Da kann man ganz einfach den Fall einer schweren Erfrierung nehmen. Da arbeitet zum einen die Unfallchirurgie dran, weil es sich um einen lokalen Gewebeschaden handelt, zum anderen sind aber auch die Kollegen der Gefäßmedizin gefordert, weil die unter Umständen die Durchblutung wiederherstellen müssen."

Herbert Mayer, Chefarzt der Unfallchirurgie

Meyer beschreibt ein weiteres Problem, das man verschriftlichten Leitfäden für die Behandlungen beikommen will:

"Es gibt einige Mitarbeiter, die in der Bergrettung tätig sind, und immer wenn dann spezielle Fälle reinkamen wie eine besondere Form der Unterkühlung oder Erfrierung oder so, dann waren diejenigen gerade nicht greifbar."

Herbert Mayer, Chefarzt der Unfallchirurgie

Internationale Bergrettungstagung im September

Der Austausch von Wissen soll außerdem auch über die Grenzen der eigenen Klinik hinaus passieren. Im September organisiert das Zentrum den "1. Allgäuer Bergrettungstag". Retter und Ärzte aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol sollen hier ihre Erfahrungen teilen. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr wird die Abwicklung komplexer Bergrettungseinsätze sein.


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Jurek W., Mittwoch, 31.August, 22:27 Uhr

1. Sollte man doch an Wunder glauben?

Kann dort wirklich jeder Kassenpatient Hilfe erwarten? Das klingt nämlich zu schön, um ohne Haken zu sein in diesen Zeiten, wo allerorts die gesundheitliche Betreuung im Niedergang begriffen ist.