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Flaute im Windpark Wenig Wind und wenig Zinsen

Dem Windpark Zöschingen im Landkreis Dillingen, dem bei der Eröffnung größten Bürger-Windpark in Bayern, geht die Luft aus: Es weht zu wenig Wind, und auch die finanziellen Erwartungen können kaum erfüllt werden.

Von: Judith Zacher

Stand: 21.09.2016

Viel Wind hats um den Zöschinger Windpark gegeben - im Voraus. Kaum genehmigt, wollte die Gemeinde damals gegen den Bau klagen - inzwischen hatte es eine Wahl gegeben, die Gemeinderäte hatten gewechselt - und waren nun also gegen den Windpark, während der damalige Bürgermeister weiter dafür war. 2011 war das, gebaut wurde letztendlich doch - und seit Frühjahr 2013 drehen sich dort nun acht Windräder, damals der größte Bürgerwindpark Bayerns.

Bürgerwindpark deshalb, weil sich Bürger finanziell beteiligt haben, teilweise über eine Genossenschaftsbank- und auf einen Gewinn gehofft haben. Da schauts jetzt aber mau aus - denn: der Wind im Vorfeld hat sich gelegt - und ist eher zu einer Flaute geworden.

20 Prozent unter den Erwartungen

Franz Jall blättert in einem dicken Ordner – als Aufsichtsrat bekommt er die Ergebnisse des Windparks regelmäßig zugeschickt. Immer wieder, sagt er, sind gute Monate dabei – unter dem Schnitt aber liegt die Anlage um die 20 Prozent unter den Erwartungen. Das ist schade, aber, sagt er, der Gewinn war nicht der ausschlaggebende Grund für seine Beteiligung, sondern er wollte "einfach sauberen Strom produzieren", sagt er.

Riesige Nachfrage bei Gründung

Das war das Anliegen der meisten der 450 Leute, die in die drei Bürgerwindräder investiert haben. 2011 hat die Bank für die Beteiligung geworben. Kurz nach Fukushima war das, der Atomausstieg in aller Munde. Da war die Nachfrage riesig, erinnert sich Banken-Vorstandsmitglied Alexander Jall. So war ursprünglich nur ein Windrad geplant, doch wegen der großen Nachfrage wurden es mehr.

Messungen, Gutachten, Frust

Es gab auch Windmessungen, viele Monate, im Anschluss drei Gutachten, unterschiedliche Windgutachter. Doch der Wind wehte dann doch nicht so kräftig wie erwartet. Statt einem Zinssatz von neun Prozent bekamen die Bürger auf die Hälfte des investierten Vermögens in den vergangenen drei Jahren einmal viereinhalb und zwei Mal ein Prozent. Klar war das weniger als erwartet, sagt der Fristinger Nebenerwerbslandwirt Wunibald Wunderle, der Anteile gezeichnet hat – aber für ihn wäre es "nur frustrierend, wenn die Genossenschaft in die Insolvenz gehen würde und Heuschrecken kämen und das zu einem Butterbrotpreis kaufen würden."

Die Gefahr besteht zur Zeit nicht – der Park trägt sich ja, nur die Gewinne sind eben mager. Die Frage liegt auf der Hand: Warum? Windkraftgegner würden sagen: Bayern ist eben nicht geeignet, da weht zu wenig Wind. Allerdings: das wurde ja in den Berechnungen berücksichtigt. Auch wenn man davon ausgeht, dass die Zahlen stimmen - der Wind ist eben nicht berechenbar.

Rotierende Räder im Allgäu

Im Allgäu dagegen laufen die Windräder in den vergangenen Jahren recht gut, bestätigt der Allgäuer Windkraftexperte Wendelin Einsiedler – auch viele seiner Windräder stehen übrigens im Wald – allerdings könnte der Wald trotzdem eine Rolle spielen in Zöschingen, vermutet Alexander Jall und mutmaßt, die Rotorblätter könnten zu nah an den Baumwipfeln sein.

Hätte man die Windräder höher gebaut, wäre die Ausbeute besser, aber, sagt Anlagenbauer Georg Honold, es war nur eine Nabenhöhe von 120 Metern genehmigt worden. Jetzt kann man das nicht mehr ändern, sagt auch Aufsichtsratsmitglied Franz Jall. Den Wind allerdings beobachtet er seitdem ganz genau und hat festgestellt: Nachts ist es meist windstill. Und – das Jahr ist ja noch nicht rum, gerade im Herbst weht er ja in der Regel kräftiger der Wind – mal schauen, ob die Flaute im Zöschinger Windpark in diesem Jahr zu Ende geht.


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Hermann Dirr, Donnerstag, 29.September, 19:33 Uhr

2. Energiewendebetrug

Zitat: "Den Wind allerdings beobachtet er seitdem ganz genau und hat festgestellt: Nachts ist es meist windstill" Zitat Ende
Ach! Nachts ist die Sonne auch nicht da und liefert in Deutschland keinen Strom. Wer versorgt unser Land in Zukunft mit Strom, wenn die letzten AKWs vom Netz gehen und die Kohlekraft soll ja auch abgeschaltet werden.
Am 21. September 2016 um 3:00 Uhr betrug die Einspeiselast der 26.500 Windkraftanlagen gerade einmal 0,004 GW. Das ist so viel als wenn 2 Enercon E 82 unter Volllast laufen. Welchen Strom bekommt dann Bayern aus dem windreichen Norden.
Wir werden im Zuge dieser Energiewende von Hobbystromproduzenten und EEg Absahnern belogen und betrogen. Auch 5 Millionen Windkraftanlagen können Deutschalnd auch nicht annähernd mit Strom versorgen. PV schon gar nicht.

Raimund Kamm, Mittwoch, 21.September, 22:05 Uhr

1. Ertrag enttäuschend - für die Umwelt gut

Als selber an der Genossenschaft Beteiligter bin ich natürlich vom Ertrag enttäuscht. Meine Frau und ich haben uns allerdings vorrangig beteiligt, um die Energiewende voranzubringen. Und auch gegen die wilden Angriffe einiger Männer gegen diese WKA ein Zeichen zu setzen.
Jetzt haben im Jahr 2015 die acht WKA 31 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Hätte man dieselbe Strommenge in einem Steinkohlekraftwerk produziert, wären 10.600 Tonnen Kohle verbrannt worden. Und dementsprechend viel krankmachendes Quecksilber und Stickoxid wie auch lungen- und kreislaufschädigender Feinstaub freigesetzt worden. Und natürlich etwa 30.000 t klimaschädliches CO2.
Wir zahlen bei diesem Projekt Lehrgeld: Waren die Wind- und Ertragsprognosen nicht richtig? Wurde der Einfluss des Waldes bei dieser geringen Nabenhöhe von 120 m nicht zutreffend eingeschätzt? Ist der Windschatten für die drei Anlagen in der zweiten Reihe übermäßig groß?
Dennoch: Für die Umwelt ein Segen!
Raimund Kamm, Augsburg