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Forschung der Uni Augsburg Wie Windräder akzeptiert werden

Die meisten sind für grüne Energie, solange sie nicht vor der eigenen Haustür produziert wird. Besonders Windräder sind vielen ein Dorn im Auge. Ein Forscher der Universität Augsburg will nun herausfinden, wie sich die Akzeptanz verbessern lässt.

Stand: 20.03.2017

Eine Hochspannungsleitung und Windräder  | Bild: picture-alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Wenn um Windräder gestritten wird, landet der Fall am Ende oft vor dem Richter. Verhärtet die Fronten, festgefahren die Diskussion, verlorengegangen die Kompromissbereitschaft.

Erst vor wenigen Wochen verhandelte das Augsburger Verwaltungsgericht eine Klage gegen zwei Anlagen im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg. Es ging um die so genannte 10H-Regelung. Die besagt, dass jedes Windrad einen Mindestabstand vom Zehnfachen seiner Höhe zur nächsten Siedlung einhalten muss. Im konkreten Fall war der Antrag aber einen Tag vor dem gesetzlichen Stichtag eingereicht worden. Die 10H-Vorschrift gelte deswegen in diesem Fall nicht, befanden die Richter. Klage abgewiesen.

Was Investoren falsch machen

Stephan Bosch will verhindern, dass es immer so weiter geht. Der Humangeograph von der Universität Augsburg forscht derzeit an einem Konzept, um die Akzeptanz der Anwohner für Windkraftanlagen zu verbessern. Wo der Wind ordentlich weht und sich Windkraft deswegen rentiert, dort werden Windräder geplant. So fasst Bosch die bisherige Strategie der Investoren zusammen.

Wenn er mit ihnen zusammenkommt, fragt er als erstes, ob die Anwohner mit einbezogen wurden. Denn dies fördere nachweislich die Akzeptanz für neue Anlagen. Der Forscher ist davon überzeugt, dass gerade bei heiklen Themen eine ausschließlich naturwissenschaftliche Argumentation wenig hilfreich sei.

In Boschs Konzept soll künftig simuliert werden, wie sich Akzeptanz steigern lässt. Beispielsweise wenn technische Neuerungen die "ästhetischen Beeinträchtigungen" durch die Windräder reduzieren. Oder wenn auch der Rückbau einer Anlage eine Option wird.

"Vertraute Elemente heimatlicher Normallandschaft"

Bosch glaubt, dass die Akzeptanz für die Windkraft steigen wird, wenn die Bürger in Zukunft mehr mit der Technologie vertraut seien. "Nach der Umsetzung merken sie dann oft, dass sich die Befürchtungen nicht bestätigt haben." Künftige Generationen könnten dann "erneuerbare Energien als vertraute Elemente heimatlicher Normallandschaft wahrnehmen".

Selbst der Bund Naturschutz glaubt, dass es noch Hunderte mögliche Windkraft-Standorte in Bayern gäbe - selbst wenn etliche Gebiete Tabuzone blieben: "Die Windkraft steht in Bayern - anders als in anderen Bundesländern - erst am Anfang ihrer Nutzung".

Bosch will Politik und Entscheidern Handlungsempfehlungen an die Hand geben. Bis 2019 sollen sie vorliegen. Bis dahin werden noch die Gerichte herhalten müssen.

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