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Windpocken-Welle im Oberallgäu Vor allem Kitas und Schulen betroffen

Wie das Landratsamt Oberallgäu mitteilt, sind aktuell die Gemeinden Buchenberg, Oy und Immenstadt besonders von Windpocken betroffen. Vor allem in Schulen und Kitas seien vermehrt Kinder krank.

Stand: 19.10.2016

Symbolbild: Windpocken | Bild: pa/dpa/Felix Hörhager

Auch einzelne Personen im Landkreis werden gemeldet. Bereits im Frühsommer gab es eine Häufung von Windpockenfällen, damals vor allem im nördlichen Landkreis und Raum Kempten. Windpocken sind äußerst ansteckend. Dies stellt gerade in Gemeinschaftseinrichtungen ein erhebliches Problem dar.

Das Landratsamt Oberallgäu weist daher auf die Risiken, vor allem aber auf die Möglichkeit der Vorbeugung durch Impfung hin.

Windpocken - Varizellen

Beginn

Wie verläuft die Krankheit?

Zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung beginnt die Krankheit mit Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühl. Es erscheinen hellrote Fleckchen vom Kopf beginnend überall auf dem Körper, die zu den charakteristischen wassergefüllten Bläschen auswachsen. Auch die Schleimhäute (Mund, Nase, Genitalien) können befallen sein. Nach einigen Tagen platzen die Bläschen auf und trocknen aus.

Verlauf

Wie ist der weitere Verlauf der Krankheit?

Für jüngere Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren sind die Windpocken meist harmlos. Schwerer verläuft die Krankheit bei Erwachsenen. Zu Komplikationen wie Mittelohr-, Leber-, Herzmuskel-, Gelenks- und Lungenentzündungen kann es bei älteren Menschen und Personen mit einem zum Beispiel durch Chemotherapie geschwächten Immunsystem kommen. Wer einmal Windpocken hatte, kann später an einer schmerzhaften Gürtelrose (Herpes zoster) erkranken. Herpes zoster kann auch bei Geimpften auftreten.

Risiko

Für wen sind Windpocken gefährlich?

Gefährlich sind die Windpocken während einer Schwangerschaft: Zwischen der zwölften und 20. Schwangerschaftswoche kann es in etwa zwei Prozent der Fälle zu Schädigungen des Kindes kommen. Möglich sind Hirnschäden, Missbildungen, Augenschäden oder Tod im Mutterleib. Riskant sind Windpocken vier Tage vor bis zwei Tage nach der Entbindung. Steckt sich das Kind in dieser Zeit an, ist ein schwerer Windpockenverlauf möglich.

Personen

Wer sollte sich gegen Windpocken impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grundimmunisierung im Kleinkindalter. Frühgeborene, die Kontakt zum Erreger hatten, sollten innerhalb von 10 Tagen geimpft werden. Außerdem sollten sich laut STIKO Frauen mit Kinderwunsch impfen lassen, die keine Antikörper gegen das Windpockenvirus besitzen. Desweiteren rät die STIKO allen Menschen zur Impfung, die ein geschwächtes Immunsystem haben und die Windpocken noch nicht hatten. Auch Personal im Gesundheitsbereich, das mit gefährdeten Menschen zu tun hat, sollte sich impfen lassen. Eine Windpocken-Erkrankung ist seit Mitte Februar 2012 meldepflichtig.

Impf-Kritiker argumentieren, dass die Impfung zwar einen wirksamen Schutz biete, dieser aber nicht unbegrenzt anhält. Windpocken könnten so vermehrt bei Erwachsenen auftreten, bei denen die Krankheit oft schwerer verläuft.

Impfung

Wie wird geimpft?

Geimpft wird der abgeschwächte lebende Erreger. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grundimmunisierung im Kindesalter. Diese sollte im Alter von elf bis 14 Monaten durchgeführt werden. Geimpft wird einmal. Bei Verwendung des neuen Vierfachimpfstoffes gegen Masern, Mumps und Röteln zwei Mal. Auch Erwachsene und Jugendliche müssen zwei Mal im Abstand von sechs Wochen geimpft werden.

Die Wirksamkeit der Windpockenimpfung beträgt sechs bis 10 Jahre. Allerdings gibt es auch Impfversager, die keinen Schutz gegen die Krankheit aufbauen.

Verträglichkeit

Wie verträglich ist die Impfung?

Die Verträglichkeit eines Impfstoffes ist abhängig davon, welche weiteren Komponenten der Impfstoff enthält. Mögliche, wenn auch seltene Nebenwirkungen der Varizellen-Impfung sind laut Ständiger Impfkommission (STIKO): Rötung, Schmerzen und Schwellung an der Einstichstelle. Gelegentlich auch in Verbindung mit leichter bis mäßiger Temperatur. Die "Impfkrankheit" mit leichtem Ausschlag und Fieber ist eine seltene Komplikation.

Weitere Reaktionen

Sind weitere Reaktionen möglich?

Selten sind laut Ständiger Impfkommission (STIKO) allergische Reaktionen, Gürtelrose und Lungenentzündung. Fraglich ist laut STIKO ein Zusammenhang mit Erkrankungen des Nervensystems (Gehirnentzündung, Krampfanfälle), Blutungen in die Haut durch eine verminderte Bildung von Blutplättchen (Trombozytopenie) und allergischen Hauterkrankungen. Impfkritische Ärzte bemängeln, dass die Langzeitwirkungen des für die Grundimmunisierung verwendeten Vierfach-Impfstoffes noch zu wenig untersucht sind.

Wer muss besonders aufpassen?

Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut die Impfung aller Kleinkinder beginnend im Alter von elf bis 14 Monaten, was zu einem starken Rückgang der Windpockenerkrankungen geführt hat.

Ist es bereits zu einer Erkrankung gekommen, sind im häuslichen Umfeld neben der Basishygiene zumeist keine speziellen Maßnahmen notwendig. Allerdings sollten immungeschwächte Patienten keinen Kontakt zu Erkrankten haben.

Sendungsinfo

  • zur Sendungshomepage Regionalnachrichten aus Schwaben Montag bis Freitag von 6.00 bis 18.00 Uhr, alle 30 Minuten, Bayern 1

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