31

Allgäuer Biobauer will Kühe vor Ort schlachten Wenn der Tod auf die Weide kommt

Normalerweise bringen Bauern ihre Tiere zum Schlachthof. Aber gibt es auch einen anderen Weg? Fleisch essen zu können ohne schlechtes Gewissen, weil die Tiere artgerecht leben konnten und auch ihr Tod  stress- und schmerzfrei war? Ja, das geht, sagt Herbert Siegel, ein Biobauer aus dem Oberallgäu.

Von: Christoph Scheule

Stand: 24.02.2016

Herbert Siegel und sein Sohn Martin | Bild: Katharina Stohr

Er kämpft dafür, die Kälbchen oder Jungrinder in ihrer gewohnten Umgebung auf der Weide töten zu dürfen - mit einem Schuss aus einem Gewehr mit Schalldämpfer und dann mit der mobilen Schlachtbox zur Weiterverarbeitung von der Wiese abholen zu können. Und für diese Schlachtbox, eine Erfindung des „Rebellen“ Ernst-Hermann Maier aus Balingen (Baden-Württemberg), kämpft Siegel nun auch seit Jahren in Bayern.

"Ich bin guter Dinge. Die Zeiten haben sich geändert, die Gesetze und die bearbeitenden Beamten auch."

Herbert Siegel, Biobauer aus dem Oberallgäu.

Die Schlachtbox für die Weide

Mit dem zuständigen Veterinäramt bei der Regierung von Schwaben in Augsburg habe er nun "sehr gute Gespräche". Ein neuer Antrag auf die mobile Schlachtung könnte nun "in den nächsten Wochen" positiv beschieden werden.

Weide mit Mutterkuhhaltung

Der Bio-Bauer ist Landwirt aus Leidenschaft, seine Tiere wachsen in der sogenannten "Mutterkuhhaltung" auf, das heißt, ein Kälbchen bleibt bei seiner Mutter auf der Weide oder im Stall. Es sucht die natürliche Nähe und kann auch selbst am Euter der Mutterkuh säugen, die nur für ihr Kälbchen da ist und nicht weiter gemolken wird. Selbst der Stier ist bei Herbert Siegel mit auf der Weide.

"Alles soll für die Tiere möglichst natürlich und stressfrei sein, mein Wunsch ist da, auch ihr Tod."

Biolandwirt Siegel

Erfinder Hermann Maier und das schonende Schlachten

Wie der Pionier Maier aus Balingen würde er sich wünschen, dass er auch im Allgäu aus der Ferne mit einem Gewehr und Schalldämpfer das ausgewählte Tier schießen kann und es dann in der mobilen Schlachtbox, die am Traktor hängt, sofort weiterverarbeitet wird. "Das entspricht meinem Gewissen und auch dem Wunsch der Kunden nach einem Fleisch von Kühen, die möglichst natürlich aufgewachsen und ohne Leiden dann auch gestorben sind", sagt der Landwirt.


31

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Bruno Buchen, Donnerstag, 25.Februar, 00:20 Uhr

6. Tierschutz trifft Ernährungsqualität

Mein Kommentar steht unter der Prämisse, dass das Essen von Fleisch akzeptiert wird. Unter dieser Voraussetzung ist die Methode, die Biobauer Siegel anstrebt, die einzig richtige. Das Tier wird ein Ahnen des nahen Todes betäubt; das ist der größtmögliche Tierschutz. Alle anderen Verfahren, insbesondere der Transport auf beengtem Raum und über lange Entfernungen, sind hinsichtlich des Tierwohls weit negativer zu bewerten. Daraus folgt, dass die Fleischqualität bei Tieren nach der Methode Siegel entscheidend besser ist. Bei dieser Methode findet im Tiwer keine Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin statt. Dadurch ist sowoghl die Konsistenz des Fleisches als die Fleischfarbe optimal. Wichtig ist jedoch, dass die Tiere weidgerecht betäubt werden. also beim ersten Schuß. Natürlich muss der Landwirt, bevor er die Erlaubnis erhält, seine Tiere mit dem Gewehr zu betäuben, seine absolute Zuverlässigkeit durch eine strenge Prüfung unter Beweis stellen.

Flori, Mittwoch, 24.Februar, 23:30 Uhr

5. Wildwestmanier

Soll jetzt jeder Bauer mit Gewehren ausgestattet werden?
Das abschießen auf der Weide ist wie im "alten Westen in alten Amerika", wahrlich nicht jeder Schuss ist der "Treffer"! Da ist wohl auch oft genug ein zweiter oder dritter Schuss notwendig. Tierwohl-gerecht ist das sicher nicht!

Vegetarierin, Mittwoch, 24.Februar, 23:11 Uhr

4. Morden unter freiem Himmel hat nie etwas Gutes!

Alles, was unter freiem Himmel geschieht, sieht Gott. Meiner Meinung nach wird durch den Mord der Kälbchen die ganze Gegend verflucht werden.
Wie viel an Grausamkeit wollen die Menschen dem All noch zumuten? Wann geht Herr Siegel in Rente?

  • Antwort von Münchnerin, Donnerstag, 25.Februar, 05:35 Uhr

    Aha. Und was im Schlachthof geschieht?
    Hauptsache, "ER" sieht's nicht.
    Auch, wenn dort das Leid der Tiere wesentlich größer ist.

  • Antwort von Vegetarierin, Donnerstag, 25.Februar, 10:24 Uhr

    @Münchnerin:
    Warum gibt es auf dem Schlachthof keinen Imbiss? Weil selbst leidenschaftliche Fleischesser diese Bilder nicht vor Augen haben möchten, wenn sie das Tierfleisch essen. Möchten Sie alles sehen, was an Grausamkeit geschieht oder schützen Sie Ihre Psyche?

Lechner Klaus, Mittwoch, 24.Februar, 19:42 Uhr

3. Wenn der Tod auf die Weide kommt

Hallo,
ich bin zwar Vegetarier, aber ich habe schon einen Bericht über Herrn Maier gesehen. Auch nach dem Schuß waren die Kühe auf der Weide sehr entspannt, versammelten sich um die verstorbene Kuh, als ob sie sich verabschieden wollten. In einer Zeit, in der Enthornung schon normal zu sein scheint, in der die Kälber sofort von der Mutter getrennt werden und in kleinen Boxen ihr Dasein fristen, in der die Kühe ihr ganzes leben keine Wiese mehr betreten, ist es schön zu sehen, dass es manchen Landwirten nicht nur um Subventionen, sondern auch um das Wohl ihrer Tiere geht. Sie haben erkannt, dass das Wohl der Tiere ihr Kapital ist. Ich hoffe die Behörden haben auch den Mut diesen wichtigen Schritt mit zu gehen und somit ein Zeichen zu setzen.

Und Herr Siegel! Bloß id lugg lau!!!

Michaela Wegscheid, Mittwoch, 24.Februar, 19:34 Uhr

2. SUPER - endlich......

Hallo zusammen,

endlich........ Mein Herz geht auf bei diesem Artikel. Ich hoffe dass das klappt. Wenn wir schon Tiere essen, sollten sie wenigstens ein schönes Leben haben, nicht den Stress eines Schlachthofes und Transport erleben müssen und wenn möglich artgerecht gehalten werden, ohne Antibiotika usw.

Dies sollte eigentlich in unseren Gesetzen verankert sein. Massentierhaltung ist schäbig, einem Lebewesen nicht würdig und ich will so was auch nicht essen. Ich würde liebend gerne bei so einem Landwirt mein Fleisch kaufen ( auch wenn es teurer ist ). Das Verhältnis zu Fleisch und Eiern sollte sich in der heutigen Zeit sowieso ändern ( unserem Körper und Gesundheit zuliebe ).

Herzliche Grüße ins Allgäu
Michaela Wegscheid